OnPSX.net on Tour - Berlinale Spezial 2010

07. March 2010

OnPSX.net on Tour - Berlinale Spezial 2010

Happy Birthday to you … happy Birthday to you … happy Birthday BERLINALE, happy Birthday to youuuuu~~~~~~~~~~~

Äh, entschuldigt mich, aber es war einfach ein toller runder Geburtstag, die Berlinale - Deutschlands größtes, wichtigstes und schönstes Filmfestival wurde 60 Jahre alt. Ihr fragt ob gefeiert wurde? Oh ja, das wurde es! Pünktlich zum Geburtstag gab es eine aufgearbeitete Fassung von „Metropolis“, welche zur Feier auf dem Brandenburger Tor öffentlich für alle vorgeführt wurde - Genial!

Auch der ein oder andere „Star“ hat es wieder nach Berlin verschlagen, unter anderem Ewan McGregor, Jackie Chan, Leonardo Di Caprio und viele mehr. Ich habe es in diesem Jahr leider nur zu fünf Filmen geschafft, aber von diesen möchte ich euch nun gerne berichten. Wie üblich schreibe ich wieder über meine Erfahrungen und falls Regisseure / Stars anwesend waren, auch was die so erzählt haben. Also, los geht’s! Ach ja, aufgrund meines „Filmgeschmacks“ ist die Auswahl wieder extrem asialastig.

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Inhalt


Kanikôsen ist ein japanischer Roman von 1929. welcher von Kult-Regiseur Sabu nun verfilmt wurde. Der Film spielt eigentlich die gesamte Laufzeit über auf einem großen Schiff. Hier müssen Sklaven Krabben fangen und in Dosen verpacken. Das ist ihre einzige Aufgabe und dabei werden sie permanent von einem Vorarbeiter und seinem gestörten Sidekick angetrieben. Ziel ist es, die Bevölkerung Japans, welche sich gerade im Krieg befindet, mit genug Lebensmitteln zu versorgen. Natürlich kommen viele der „Sklaven“ mit dem enormen Druck nicht klar und so bilden sich anfangs Massenselbstmord-Gedanken, welche später in Fluchtversuchen und schlussendlich in eine große Revolution umschlagen.


Trailer



Fazit


Ich kenne und mag fast alle Sabu Filme, sei es Postman Blues, Unlucky Monkey, Blessing Bell oder Dead Run. Sabu war für mich immer einer dieser Regisseure, die „nur“ gute Filme rausbringen. Dead Run etwa gehört für mich nach wie vor zu meinen absoluten TOP 5 Filmen aller Zeiten. Aus diesem Grund habe ich mich auch quasi „blind“ in Kanikosen gestürzt. Getreu dem Motto: „Sabu wird’s schon richten“. Leider lag ich damit diesmal voll und ganz daneben, zwar hat der Film anfangs viele Sabu-typische witzige Einlagen, aber diese reißen den insgesamt negativen Eindruck einfach nicht wieder raus. Kanikôsen ist sehr langatmig und spielt fast über die gesamte Laufzeit in 1-2 relativ langweilig wirkenden Kulissen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass Sabu durch das geringe Budget sowie die Buchvorlage negativ eingeschränkt wurde.


Wertung: 5,5 / 10


Q&A - Frage und Antwort

Sabu war nach dem Film anwesend und beantwortete die Fragen des Publikums.

Warum haben Sie sich dafür entschieden ein solch altes Buch zu verfilmen?

Das Buch ist ein wichtiger Teil der „Working Class“ Gesellschaft und wird aktuell von vielen Japanern wieder gekauft und gelesen. Aufgrund der Wirtschaftskrise haben auch in Japan viele Leute ihren Job verloren und diese lesen jetzt vermehrt dieses Buch. Darunter sind besonders viel junge Japaner. Mir ist es sehr wichtig, dass alle meine Filme eine Message haben und das ist Folgende: „DU hast DEIN Leben selbst in der Hand. Gefällt dir etwas nicht, hast nur du die Macht es zu ändern“. Diese Message ist mir so wichtig, dass es für mich eine Art Lebenseinstellung geworden ist, sie in die Welt hinauszutragen.

Der Film und die Charaktere wirken sehr „zeitlos“ - warum haben Sie ihn nicht wie auch das Buch in den 20er Jahren angesiedelt?

Das ist richtig, wie gesagt wollte ich mit dem Film vor allem junge Japaner ansprechen. Daher war es mir wichtig ihn nicht „alt“ erscheinen zu lassen.

Ich fand die Leute im Film alle sehr grotesk, warum stellen Sie die so grotesk da?

Sie sind nicht grotesk. Ich und meine Filme sind dafür bekannt, das Personen sehr menschlich dargestellt werden. Aber es kann natürlich sein, das Charaktere durch bestimmte Umstände grotesk erscheinen.

Ich habe in ihrem Film diverse Anspielungen auf die Symbolik der Kirchen gesehen, ist das richtig oder interpretiere ich da zuviel rein!?

Das ist richtig.

Es machte jetzt nicht den Anschein, als wäre der Film sehr teuer gewesen. Wer war der Produzent und wie viel Geld hat er zur Verfügung gestellt!?

Es stimmt, wir hatten kein sonderlich großes Budget, aber unser Produzent sitzt hier im Publikum, darum gebe ich die Frage einfach weiter.

*Produzent betritt die Bühne*

Antwort Produzent: Hallo, ich bin der Typ der zuwenig Geld zur Verfügung gestellt hat *lacht*. Einen genauen Betrag möchte ich nicht nennen, aber ich erzähle gerne etwas zu den Dreharbeiten. Wir haben nicht auf einem echten Schiff gedreht, sondern haben die Kulissen in einer großen Halle nachgebaut und den Film dort in nur 3 Wochen abgedreht. Aufgrund unseres kleinen Budgets mussten wir dabei viel tricksen. So sind z.B. alle großen Zahnräder etc. komplett aus Kunststoff.

Sabu, gab es bei euch am Set jeden Tag Krabben?

*lacht* das stimmt tatsächlich, in Japan gibt es ein berühmtes Gericht mit Krabben, welches wir sehr häufig gegessen haben. Nur ich nicht, ich bin auf Krabben allergisch.

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Inhalt


Als hoch ausgezeichneter Kriegsheld kehrt Leutnant Kurokawa aus dem Krieg zurück in sein Dorf. Doch er selbst hat davon rein gar nichts. Bei einem Angriff verlor er beide Arme und beide Beine, sowie seine Stimme. Er ist zwar ein Kriegsheld, aber genauso auch ein unbeweglicher „Krüppel“. Die Bewohner des Dorfes erwarten nun von seiner Frau, das sie ihrer Pflicht nachgeht und sich aufopferungsvoll um den Kriegshelden kümmert. Das macht die Frau anfangs etwas widerwillig, aber als sie feststellt, das ihr und ihrem Mann aufgrund seiner Auszeichnungen Lebensmittel und Co. geschenkt werden, findet sie langsam Freude daran ihren verkrüppelten Mann gegen seinen Willen im Dorf vorzuzeigen.


Trailer



Fazit


Caterpillar ist harter Tobak, die Geschichte wird unglaublich realistisch erzählt und zeigt beeindruckend die Sinnlosigkeit von Kriegen. Zwar hat Caterpillar Asien typisch auch viele ruhige Momente, diese wirken aber im Gegensatz zu Kanikosen nie langweilig. Ein Grund dafür dürfte aber auch die ausgezeichnete Hauptdarstellerin sein. Diese bekam, vollkommne zu Recht, für ihre schauspielerische Leistung einen Silbernen Bären.


Wertung: 7,5 / 10


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Inhalt


Little Big Soldier spielt um die Zeit 475 v. Chr. − 221 v. Chr. in China. Hier befinden sich gerade mehrere Fürstentümer im Krieg um die Vorherrschaft im Land. Während eines Hinterhaltes wird fast die gesamte Einheit der Liang Krieger ausgerottet, nur ein „Schiss-Hase“ (Jackie Chan) überlebt den Angriff. Als er nach dem Angriff über das Schlachtfeld wandert, bemerkt er einen Kampf zwischen seinem General und dem General der Wei Krieger. Hierbei wird sein General getötet und der General der Wei geht verletzt zu Boden. Wohl wissentlich, dass es auf die Gefangennahme eines Generals der Feindarmee eine hohe Belohnung gibt, entschließt er sich dazu ihn zu fesseln und zurück in seine Heimat Liang zu bringen. Der Film erzählt hierbei die Geschichte dieser zwei unterschiedlichen Charaktere und ihrer Reise nach Liang. Auf dem Weg dorthin erwarten die beiden jedoch einige Überraschungen…


Trailer



Fazit


Das Wort des Abends? Jackie Chan. Little Big Soldier ist ein Film von Jackie Chan, mit Jackie Chan und selbst das Titellied wird gesungen von … genau Jackie Chan. Was könnte diese Quasi Premiere (der Film wurde vorab nur 1x in China gezeigt!) noch besser machen? Natürlich, noch mehr Jackie Chan! Und die Berlinale wäre nicht die Berlinale, wenn dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen würde. Schon bei meiner Ankunft am Berliner Friedrichstadtpalast fielen mir die vielen, vielen Menschen auf die dort vor der Tür rumlungerten. Innen bemerkte ich direkt, dass die ganze Mitte des Saales abgesperrt war, so dass man sich dort nicht hinsetzen konnte. Und so kam es wie es kommen musste, Jackie Chan (+ Regisseur und vier Darsteller!) marschierte unter viel Getose in den Saal ein, nahm Platz und guckten zusammen mit den anderen Berlinalegängern seinen Film. WOW - hätte mir vor zwei Wochen jemand erzählt, das ich mit Jackie Chan ins Kino gehe, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt. Hier ein kurzes Video:

Ok bevor ich euch erzähle was Jackie so nach der Vorstellung noch von sich geben hat, kurz ein paar Worte zum Film:

Little Big Soldier ist typisch Jackie Chan, nette Kämpfe gepaart mit teilweise extrem gutem Humor. Davon abgesehen ist die Story altbekannt und wurde schon öfters verwurstet, etwa in Rush Hour. Material Arts Fans wird zwar auch bei Little Big Soldier etwas geboten, jedoch nicht ganz so viel wie in anderen Jackie Chan Filmen. Abschließend muss ich sagen, das Little Big Soldier ein lustiger, sehr gut gemachter Film ist, welcher aber dennoch nichts wirklich Besonderes. Oder anders: leichte, gute Unterhaltung, welche perfekt für einen Popcorn Abend mit Kumpels geeignet ist.


Wertung: 7,5 / 10


Nach der Vorstellung hat Jackie Chan noch ein bisschen über den Film erzählt und anschließend gab es noch eine kleine live Material Arts Show (nicht mit Jackie) - ein Video davon findet ihr im Anschluss.

Jackie:

Vielen Dank liebes Publikum, ich habe wirklich lange und viel an diesem Film gearbeitet und freue mich, dass er ihnen so gut gefallen hat. Wissen Sie, es ist mir sehr wichtig, dass bei diesem Film auch eine Aussage rüberkommt. An der einen Stelle im Film (Anm. des Redakteurs: Ich sage nicht welcher, wegen Spoilern, aber es fehlten 1x Untertitel) werden noch Untertitel eingefügt, diese Stelle ist sehr wichtig. Also keine Angst, das war nicht die finale Fassung und die Untertitel kommen auf jeden Fall noch rein. Überhaupt wurde der Film hier erst zum zweiten gezeigt, vorher war er nur einmal in China zu sehen.

Ich selbst habe den Film aber bestimmt schon 100x gesehen *lacht*, das liegt daran das ich beim Schneiden immer mit dabei war. Dabei entstand zwischen dem Redakteur und mir schon fast eine Art Kampf darüber, welche Szenen drinnen bleiben und welche wir leider schneiden müssen. Also das Sie heute in diesem Publikum den Film wirklich gemocht haben, das ist etwas was wir uns redlich verdient haben.

Wie Sie wissen war ich vor einiger Zeit bereits mehrere Monate in Berlin als wir „In 80 Tagen um die Welt“ in Babelsberg gedreht haben. Und die Leute in Berlin waren alle so unglaublich freundlich. So hat mich zum Beispiel ein Taxifahrer an einen Ort in Berlin gebracht welchen ich nicht kannte und als ich ihn bezahlen wollte sagte er nur: „Neineinein Jackie, ich liebe deine Filme, du zahlst nix“. Kurz darauf war ich essen und wollte bezahlen und der Kellner meinte nur „Hey, ich liebe deine Filme, du brauchst hier nichts zu bezahlen!“ … ICH LIEBE BERLIN wirklich! Und obwohl ich momentan sehr, sehr viel zu tun habe, zögerte ich keinen Moment als ich den Anruf von der Berlinale bekam und nach Berlin eingeladen wurde.

Darauf hin gab es tobenden Applaus, welcher nicht aufhörte, sondern in Standingovations überging. Als Jackie merkte, das er selbst mit 10x Danke den Applaus nicht zum Ruhen bringen konnte, fing er an das Titellied des Songs LIVE zusammen mit den anderen Leuten seiner Crew zu singen - danach redete er weiter:

Jackie (zum Publikum):

Ich liebe euch alle - Fans wir ihr seid es, weshalb Little Big Soldier mein 99 Film war und Leute wie ihr seid es, weswegen ich noch bis 999 weitermachen werde *lacht*. Auf Wiedersehen und vielen Dank!!!

So und hier nun noch das kurze Video der Materialarts Vorstellung:

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Inhalt


Summer Wars spielt in einer nahen Zukunft, in welcher das Internet wichtiger den je ist. Aber anstelle von „lahmen“ Internetseiten besteht das Internet nur noch aus der virtuellen Stadt Oz, hier können alle Personen mit ihren interaktiven Avataren einkaufen, Nachrichten gucken und selbst Beamtengänge erledigen. In Oz ist jeder online und viele Behörden verfügen auch über einen voll funktionsfähigen Sitz in der virtuellen Stadt. Eines Tages erhält das Mathe-Genie Kenji, welcher in den Sommerferien für den Provider von Oz arbeitete, eine mysteriöse E-Mail. Mit viel Aufwand entschlüsselt er diese „gigantische Mathe-Aufgabe“. Doch was er für eine Mathe-Aufgabe hielt, ist in Wirklichkeit die Verschlüsslung der Oz Administration. Und so kommt es - Oz wird gehackt und die Welt stürzt ins Chaos. Hierfür wird Kenji verantwortlich gemacht. Um ein Problem dieser Größe zu richten, braucht Kenji die Unterstützung eines ganz besonderen „Netzwerkes“ - nämlich der Großfamilie seiner Schulfreundin Natsuki.


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Fazit


Meine Damen und Herren, ich präsentiere - den besten (neuen) Film, welchen ich auf der 60. Berlinale gesehen habe. Summer Wars ist unglaublich charmant, witzig und gut gemacht. Und dementsprechend war auch die Reaktion des Publikums, welches an einigen Stellen vor Lachen aus den Sitzen sprang. Bereits der letzte Film des Regisseurs, „das Mädchen das durch die Zeit sprang“, ist ein absolutes Highlight. Falls ihr also, genau wie ich, dem Blu-Ray Release von Summer Wars entgegenfiebert, könnt ihr euch bis dahin mit „das Mädchen das durch die Zeit sprang“ schon einmal die Zeit vertreiben.


Wertung: 9 / 10


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Inhalt


Ohne große Vorrede wird man gleich wieder in die Geschichte geworfen. „So lernt man einen Berufskiller (Leon Lai) - der an seinem Job so langsam zweifelt - und seine Auftraggeberin Agent (Michelle Reis) kennen. Diese organisiert nicht nur Aufträge, sondern hält nebenbei den Unterschlupf sauber und beseitigt Spuren. Zudem ist sie in „Killer“ verliebt, obwohl sie sich nie treffen und der einzige Kontakt das Faxgerät, der Müll und die Musik ist. Außerdem verliebt sich „Killer“ selbst in eine andere, nämlich Punkie (Karen Mok). Zudem gibt es da noch den Taubstummen Ho Chi Mo (Takeshi Kaneshiro), der nachts in Läden einbricht um Leuten seine Dienstleistungen im wahrsten Sinne des Wortes aufzuzwingen. Eines Tages lernt er dann die ziemlich aufgedrehte Cherry (Charlie Yeung) kennen - die auf der Suche nach einer Frau ist, die ihr den Freund ausgespannt hat - und verliebt sich in sie.“


Trailer



Fazit


Fallen Angels lief in der Kategorie „Retrospektive“ auf der Berlinale und obwohl ich Fallen Angels bereits mehrfach auf DVD gesehen habe, zögerte ich nicht eine Minute mit dem Kauf der Kinokarte. Warum - das sollte jedem klar sein: Fallen Angels ist ein Meisterwerk und neben Chunking Express der beste Film von Top Regisseur Wong-Kar Wai. Fallen Angels ist einer der Filme, welchen jeder Filmfan gesehen haben muss und er reiht sich direkt neben anderen Meisterwerken der Filmgeschichte mit ein. Wer noch mehr über Fallen Angels erfahren möchte, sollte sich mal unser gesondertes Review ansehen (KLICK)


FAZIT BERLINALE


Die Berlinale zählt für mich persönlich jedes Jahr zu den Highlights der Events in Berlin. Auch in diesem Jahr hatte ich wieder tolle Erlebnisse und kann die Berlinale nach wie vor nur jedem wärmstens empfehlen. Als Schlusswort trifft es dieses Zitat einer „twitterin“ (@ricksytricksy) ziemlich gut:

„Berlinale, viele schöne Eindrücke, tolle Bilder und interessante Menschen - Jetzt geht der Lebensfilm weiter.“

[ Special verfasst von Flek ] [ (c) 2010 www.onpsx.net ]

Anmerkung: Alle Interview / Q&A Texte sind aus dem Gedächtnis und keine Wort für Wort Wiedergaben.