Allzu oft treibt es mich nicht mehr ins Kino – schließlich gibt es kaum einen Film, den ich unbedingt sofort sehen muss. Zudem haut mich kaum ein Blockbuster von den Socken und die ganzen Geheimtipps bekommt man meistens eh nur im Nachhinein mit. Letztes Jahr war ich zum Beispiel nur zum Film „Heil“ im Kino, ansonsten ziehe ich das Home-Theatre vor – da kann man wenigstens Pause drücken, wenn man mal auf die Toilette muss.
Nun begab es sich, dass ich eine Einladung zur Pressevorstellung von Hardcore erhielt und das in Dresden und noch an einem Tag, an dem ich sowie so schon Urlaub beantragt hatte. Da ich bereits diverse Trailer zum Film kannte (im englischen heißt der Hardcore Henry), ließ ich mich auf die Liste setzen. Und bevor jemand fragt: Vormittags um 10:00 Uhr ins Kino zu rammeln, ist grenzwertig.
Aber ein paar Vorteile hat das auch: Erstens kam keine nervige Werbung davor und Zweitens war nur eine Handvoll Typen anwesend, weswegen man sich entspannt einen Platz aussuchen konnte. Ach ja, Getränke gab es auch noch gratis, aber ich habe nur eine Cola genommen, Bier am Morgen ist mir nix, aber der Film ist defi8nitiv ein Streifen, bei dem man auch ein Hopfengebräu zu sich nehmen kann.
Um was geht es?
Der Protagonist heißt Henry und wird wieder zum Leben erweckt, mehr Cyborg als Mensch. Was dann folgt ist eine turbulente Jagd mit furiosen Action-Szenen. Das klingt jetzt nicht sonderlich spannend, wäre da nicht der Umstand, dass der ganze Film in der Ego-Perspektive gedreht wurde. Man erlebt das Geschehen also immer aus der Sicht von Henry und genau das macht den Reiz des Films aus. Denn wenn man von einer Brücke stürzt, oder 10 Typen im Nahkampf die Fresse poliert, ist das aus der Ich-Perspektive nun mal viel intensiver.
Da ich nicht zu viel verraten möchte, halte ich mich kurz: Die Story könnte glatt aus einem Videospiel stammen. Sie ist nicht sonderlich anspruchsvoll oder komplex, strotzt vor Klischees, verrichtet aber ihren Zweck und verbindet die einzelnen Szenen zu etwas Ganzem. Es gibt sogar einen Endgegner! Und Kampfbabes mit Katanas und Titten! Also alles dabei, was man sich (als Mann) so wünscht. Natürlich wird im Film nicht zimperlich vorgegangen, da tut es schon mal beim Zuschauen weh, wenn Henry einem Gegner den Brustkorb öffnet, oder mit der Kneifzange, an der Nase wohlgemerkt, als menschliches Schutzschild missbraucht. Aber „Hardcore“ ist kein Splatterfilm! Und er nimmt sich auch nicht allzu Ernst – es gibt immer wieder witzige Momente, die das Geschehen auflockern. Trotzdem kracht es ab der Hälfte fasst permanent und mir fiel nach dem Ende spontan eine Umschreibung für dieses Erlebnis ein: Gewaltporno!
Natürlich gibt es auch ein paar Sachen, die Abzüge in der B-Note rechtfertigen: Der Film besitzt nicht das höchste Budget und das sieht man auch an einigen Stellen. Die Musik hätte kohäsiver sein können und manch Schauspieler muss das Schauspielern auch noch lernen! Dafür verdienen aber Kameraführung und die Stuntleute meinen vollen Respekt! Krass, was die da demonstrieren bzw. zeigen!
Noch eine kleine Anmerkung! In den meisten Action-Filmen haben Magazine von Schusswaffen immer hunderte Schuss Munition. Deshalb habe ich bei „Hardcore“ mal drauf geachtet, wie und ob Herny auch mal die Waffen wechselt bzw. nachlädt und wow – der schnappt sich immer wieder neue Waffen (Pistole, Shotgun, Messer, Sturmgewehr) – also ein bisschen realistisch ist der Spaß dann doch noch und man kann ihn definitiv nicht als schnöde Videospielverfilmung ohne Vorlage abtun.
Unterm Strich kann ich „Hardcore“ deshalb jedem Fan von kurzweiligen Action-Spektakeln, wo man nicht mitdenken muss, bedenkenlos empfehlen. Mit einer Spielzeit von 90 Minuten strapaziert „Hardcore“ auch nicht die Geduld des Zuschauers, sondern endet fulminant (und ich sage euch, wahrlich fulminant), bevor es langweilig werden könnte. Deshalb gibt’s von mir beide Daumen nach oben! Geiler Scheiss!
[ Review verfasst von .ram ]
[ Der Film lief in der Originalversion als Hardcore Henry ]
[ Deutscher Kinostart ist am 14. April 2016 ]