fatigue

10. November 2005

fatigue

Wenn Studenten einen Film drehen, ist das Ergebnis meist durchwachsen und vor allen Dingen sehr, sehr schwierig. Zu oft wird der schmale Grat zwischen Anspruch und Unterhaltung nicht gehalten, so dass die Filme entweder herrlich blödsinnig oder unverstehbar sind. Auch „fatigue“ ist gutes Stück davon entfernt, diesen Balanceakt zu bestehen, überzeugt aber durch viele nette Einfälle trotzdem mehr als die Konkurrenz.



Originaltitel: Fatigue
Regie: Michael Barnes
Darsteller: Mark Faiers, Chris Dawson, Simon Spree, Sophie Coryndon
Laufzeit: 81min
FSK: Keine Jugendfreigabe
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (für Hörgeschädigte)
Ton: DD 5.1 (Deutsch); 2.0 (Englisch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,33:1 (anamorph / 4:3) – laut Cover, tatsächlich: ca. 156:1 (nicht anamorph)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2005
Erschienen: 2003
Vertrieb: I-On New Media
Preis: 19€


Film:
"Mitchel Willow ist ein Verlierer. Arbeitslos hockt er Tag für Tag in seiner dreckigen Wohnung und schlägt die Zeit tot. Bis ein Gangster an seiner Tür klingelt und ihn bittet, für ihn als Bote zu arbeiten. Obwohl Willow mit seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen hat, nimmt er den Auftrag an und überbringt eine Zeit lang erfolgreich ominöse Päckchen von Person A zu Person B. Doch bei einem Auftrag geht etwas schief, der Empfänger und sein Auftraggeber sterben und Mitchel steht allein mit einem Säckchen voll Diamanten da. Gegen jede Vernunft behält er das Diebesgut und flieht von nun an vor der Mafia. Verläuft dies Anfangs auch noch recht erfolgreich, läuft es spätestens an der Stelle, an der er auf die Idee kommt, sich bei seiner Ex zu verstecken, aus dem Ruder."

 

Die Story gab es so wohl schon unzählige Mal. Und auch diesmal erwarten den Zuschauer leider keine großen Überraschungen, der einzige Unterschied zwischen „Fatigue“ und seiner Hollywood-Konkurrenz ist nur der schmuddelige Look und der gehobene Härtegrad. Ersterer ist wohl hauptsächlich dem niedrigen Budget verschuldet und mochte zumindest mir gar nicht gefallen. Dabei hab ich gar nichts gegen düstere Filme, bloß dieser hier ist eher in der Sparte schmutzig und vor allen Dingen billig einzuordnen. Das gilt leider auch für ein Großteil der Gewalt, die durch ihre Kompromisslosigkeit und Schonungslosigkeit zwar an Intensität gewinnt, durch die stellenweise recht amateurhaften Effekte aber mehr als einmal lächerlich wirkt. Zudem wird man ihrer nach der x-ten Leiche und dem hundertsten Body-Shot überdrüssig. Die Schauspieler machen ihre Sache ganz vernünftig, auch wenn eigentlich nur der Hauptdarsteller den ganzen Film über aktiv ist. Alle anderen Figuren kommen so schnell, wie sie auch wieder verschwinden.
Was bleibt ist ein kleiner, trashiger, brutaler Gangsterfilm, der Independent-Fans zwar durchaus gefallen könnte, für alle anderen aber nicht zu empfehlen ist.

 

Bild:
Grieseln, Rauschen, Unschärfe – Mit diesen drei Worten lässt sich am besten das Bild von „Fatigue“ beschreiben. Die Schuld daran hat aber nicht der Publisher I-ON New Media, sondern eher das niedrige Budget der Macher des Films. So wechselt die Schärfe fröhlich zwischen „relativ scharf“ und „nur noch matsch“ und auch die Farben sind mal kaum vorhanden, mal kurz vor der Übersteuerung. Nur auf das ständige Rauschen, auf das kann man sich verlassen. Insgesamt das gewohnte Bild eines Amateurfilms, nicht mehr und nicht weniger. Warum I-On New Media auf die DVD-Packung allerdings so einen Quatsch wie „anamorphes 4:3“ schreibt, bleibt wohl ein Geheimnis der Produktionsfirma. Mal abgesehen, dass ein derartiges 4:3 Bild unmöglich ist, ist das Format etwas breiter und dürfte so um die 1,56:1 liegen. Anamorph ist da allerdings auch nichts.

Ton:
Vom deutschen 5.1 Ton ist, wie zu erwarten, nicht viel zu bemerken. Scheinbar hat man den Stereoton einfach nur auf die Rears gelegt. Dafür ist die Synchronisation gelungen und die Stimmen sind klar verständlich. Scheinbar hat man allerdings auch die Geräusche für die deutsche Fassung stellenweise neu aufgenommen. Der englische Ton ist größtenteils leider einfach nur eine Zumutung (auch hier liegt die Schuld wohl beim Filmteam selbst). Oft versteht man die Dialoge nicht, da sie einfach viel zu leise und dumpf sind und von den Umgebungsgeräuschen überlagert werden. Durch das Nuscheln und den Akzent der Darsteller würde der Zuschauer also weitgehend über die Inhalte der Gespräche im Dunkeln bleiben, doch zum Glück gibt es da ja noch die deutschen Untertitel.

Bonus:
Der Bonus der DVD ist ganz nett und klärt den Interessierten etwas über die Hintergründe der Produktion auf. Verpackt wurde das Amaray zudem noch mit einem Pappschuber, der jedoch das gleiche Motiv besitzt, wie das Cover des Amaray.
- Video-Scrapbook (Videotagebuch, ca. 8min)
- Deleted Scene (ca. 1min)
- 3 Interviews mit der Crew (ca. 45min)
- animierte Bildergalerie
- 14 Trailer für Filme, die von I-ON New Media vertrieben werden
Dafür, dass es sich bei „Fatigue“ um eine absolute Independent-Produktion handelt, sind die Extras sehr gelungen. Besonders die Interviews wissen zu begeistern und waren für mich interessanter als der Film selbst. Die drei Hauptmitglieder der Crew sprechen darin über die schlechten Drehbedingungen, das Budget, ihre Intention und geben Tips, wie man einen Film ohne Geld dreht. Etwas seltsam ist nur, dass allen dreien exakt die selben zehn Fragen gestellt wurden. Das Videotagebuch zeigt ein paar Minuten lang unkommentiert Making Of Schnipsel, ist dafür aber recht interessant. Das selbe gilt für die Bildergalerie, die fast ausschließlich Bilder der Dreharbeiten präsentiert. Auch die Deleted Scene weiß zu gefallen und wirft die Frage auf, warum man so eine stimmige Szene aus dem Film entfernt hat. Insgesamt sind die Extras sicher nicht der große Wurf, aber durchweg interessant und stimmten zumindest mich mit dem Film versöhnlicher.

 

FAZIT:
Sehr gewöhnungsbedürftiger, stellenweise trashiger Film für Fans des Genres. Die DVD geht absolut in Ordnung, mehr war aus dem Material wohl nicht rauszuholen

Bild - 4/10
Ton - 4/10
Bonus -7/10
Film - 5/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von I-On New Media zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]