Hooligans - Deluxe Edition

28. November 2005

Hooligans - Deluxe Edition

Wie wird man am besten ein Image los? Im Falle von Elijah Wood war es sicher keine leichte Angelegenheit den Schatten von Frodo schnell wieder loszuwerden. Immerhin gibt es viele Beispiele die an einer Rolle zerbrochen sind. Am besten dafür geeignet sind Rollen, die man einen nie vermutet hätte und am besten das genaue Gegenteil von dem sind, was man vorher gemacht hat. Wer hätte Eijlah Wood die Rolle des Kevin in „Sin City“ zugetraut und auch abgenommen? Ich nicht, aber letztendlich die Ideale Besetzung. Und als ich gelesen habe, dass er einen Hooligan in einem Film spielt, wurde ich wieder hellhörig. Ob es Ejilah Wood nun endgültig geschafft hat aus Mittelerde zu fliehen, soll dieser Film nun endgültig zeigen.



Originaltitel: Green Street Hooligans
Regie: Lexi Alexander
Darsteller: Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani, Marc Warren, Leo Gregory
Laufzeit: 104
FSK: 16
Ton: Deutsch (DD 5.1./2.0), Englisch (DD 5.1./2.0)
Untertitel: Deutsch (Zwangsuntertitel)
Regionalcode: 2
Bildformat: 1:1,85 (anamoprh 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen: 15.10.2005
Vertrieb: Mc One/Ascot Elite
Preis: 15€


Story:
„Matt (Elijah Wood) fliegt durch die Intrige seines Mitbewohners von Harvard, doch anstatt seinen Vater aufzusuchen und die Sache noch irgendwie wieder hinzubiegen, reist er kurzentschlossen zu seiner Schwester Shannon (Claire Forlani) nach England. Durch ihren Ehemann lernt Matt auch dessen Bruder Pete (Charlie Hunnam) kennen, der ihn auch gleich Mitschleifen muss. Wirklich angetan ist Pete von dem Yankee nämlich nicht wirklich, da er heute was besonders vor hat. Leider lässt sich Matt nicht abhängen und somit muss er halt mit zu Fußball Derby. Nur leider ist das Spiel nicht der eigentlich Grund ins Stadion zu gehen, denn der eigentlich Grund sitzt im gegnerischen Fanblock des Stadions. Nach einiger Überredungskunst schafft es Pete doch noch Matt nach dem Spiel nach Hause zu schicken. Nachdem Matt weg ist, kann sich Pete dann auch endlich auf das eigentliche konzentrieren und schon ist der Zuschauer mittendrin in einer brutalen Straßenschlägerei. Pete ist nämlich Anführer der Hoolgang Westham United, Green Street Elite. Leider sind die „Fans“ der anderen Mannschaft nicht die Dümmsten und fangen Matt doch noch ab, der nun umkehren muss. Doch weit kommt er nicht. Nun lernt er auch gleich die erste Lektion. Freundschaft und Verbundenheit ist das was zählt! Denn Pete und seine „Firma“ eilen schon zur Hilfe. Von jetzt an gehört er ebenfalls dazu und lernt das, was ihm Harvard hätte nie beibringen können.“


Einen Film über eine solche Szene zu machen ist nicht leicht. So kann man schnell in die üblichen Klischees verfallen und jemand der sich damit nicht auskennt, bekommt schnell ein falsches Bild. Regisseurin Lexi Alexander hat es letztendlich recht gut auf die Reihe bekommen und der Film hat wenig mit üblichen Klischees zu kämpfen. Es wird recht gut gezeigt, dass Hooligans keine pöbelnde Asoziale sind, sondern eigentlich ein recht „normales“ Leben führen. Zudem befinden sie sich beruflich teilweise in höheren Stellungen, wie zum Beispiel Lehrer, wieder. So haben Hooligans halt nichts mit Skins oder Rechtextremen zu tun, wie es in den Medien häufig dargestellt wird, sondern leben nach ihrem eigenen Kodex (sofern dieser in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich respektiert wird). Dies sieht man auch gut im Film selber, dass es eben auch Hooligans gibt, die nicht nach dem Kodex handeln (keine Frauen oder Kinder schlagen, es werden keine normalen Fans angegriffen oder auch das am Bodenliegende in Ruhe gelassen werden). Hier geht es noch um richtige Werte und Freundschaften. Hier hält jeder zu jedem und respektiert sich gegenseitig.

Optisch macht der Film auch so einiges her und gefällt mir besonders durch die dreckigen Bilder und wunderbare Kamera. Diese ist steht’s nah am Geschehen und kommt auch teilweise arg verwackelt daher. Besonders die Knallharten und toll choreographierten Prügelszenen sehen richtig gut aus! Der Score und Soundtrack passt ebenfalls sehr gut und die, bis auf Elijah Wood, recht unbekannten Darsteller machen ihre Sache hervorragend. Nur die Einführung in die Story hab ich für ziemlich ausgelutscht empfunden. Wie oft sah man schon einen jungen Mann der von irgendeiner Elite Uni geflogen ist und auf der Straße das „wahre“ Leben kennen lernt. Auch das Ende hätte nicht ganz so klischeehaft sein müssen. Etwas weniger, wäre hier mehr gewesen.


Bild:
Das Bild hat den kompletten Film eine deutliche Grobkörnigkeit, doch ist dieses gewollt und macht den Film schön dreckig. Auch hat die Regisseurein mit einigen Farbfiltern gearbeitet. Nicht desto trotz hat das Bild keine Probleme auch Details dazustellen und der Kontrast überzeugt ebenfalls. Das leichte Rauschen auf einfarbigen Flächen stört nicht weiter und ist zu verschmerzen.

Ton:
Die Dialoge kommen gut rüber und besonders bei den vorhandenen Umgebungsgeräuschen freuen sich die Gehörgänge. Der Score hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Der Stereo Ton hat jedoch gegenüber der Dolby Spur mit zu lauten Dialogen zu kämpfen.

Bonus:
Leider ist das Bonusmaterial der Einzel DVD ziemlich dürftig, obwohl das Thema eigentlich mehr zugelassen hätte. So findet man neben dem deutschen und englischen Trailer noch einen Teaser, eine Slideshow, sowie ein Featurette mit Interviews und Aufnahmen vom Set. Des weiteren gibt es noch ein Interview mit Elijah Wood und Charlie Hunnam. Dazu gibt es die gewohnten Trailer mit Filmen aus dem Mc One Programm. Leider bietet der Film deutsche Zwangsuntertitel, womit sich der Originaltonfan sicherlich nicht so recht anfreunden kann.

Die Doppel Deluxe Variante kommt da schon etwas umfangreicher daher. Verpackt in ein schickes Steelbook bietet die Special Edition von „Hooligans“ einiges mehr an Extras als noch die Single DVD-Edition.

-Deutscher Audiokommentar von Regisseurin Lexi Alexander
-BBC Spielfilm „The Firm“ (ca. 67min)
-Deutsches Interview mit Regisseurin Lexi Alexander (ca. 11min)
-Featurette mit Cast und Crew (ca. 6min)
-Interviews Cast & Crew (ca. 52 min)
-Hinter den Kulissen „Werft“ (ca. 19min)
-Hinter den Kulissen „Pub“ (ca. 12min)
-Spiegel TV Beiträge zum Thema Hooligans (ca. 15min)
-Storyboard Vergleich (ca. 4min)
-Bildergalerie
-Musikvideo One Blood von Terence Jay (ca. 4min)
-Trailer

Das erste Extra ist auch gleich das Beste: der Audiokommentar von Lexi Alexander! Benutzerfreundlich in Deutsch gehalten, gibt sie mit niedlichem amerikanischem Akzent sehr viele wissenswerte Informationen zum Filmdreh und zu den Hintergründen der Hooliganszene zum Besten. Zudem werden einige, im Film offen gelassene Fragen, geklärt.

Der Spielfilm „The Firm“ mit Gary Oldman von 1988 ist ein sehr eigenwilliges Stück Fernsehgeschichte. Halbdokumentarisch inszeniert, erzählt er die Geschichte eines Londoner Hooligans (Gary Oldman), der sich mit seinen Freunden auf die Europameisterschaft vorbereitet. Dabei kommt es immer wieder zu Reibereien mit einer anderen Londoner „Firma“.
Das ganze wird sehr trocken und distanziert rübergebracht, was aber durch die geringe Laufzeit nicht den Unterhaltungswert schmälert. Das niedrige Budget sieht man den Film zwar an, aber das erschreckende und im Gedächtnis bleibende Ende machen das wieder wett.
Der Film ist in 4:3. mit englischen Dolbydigital 2.0 Ton und (sehr schlechten) deutschen Untertiteln auf der DVD enthalten. Die Bildqualität ist durchaus zu gebrauchen. Wenn man bedenkt, dass der Film eine TV-Produktion war, kann man bis auf das ständige Rauschen eigentlich nichts dran aussetzen.

Das deutsche Interview mit Lexi Alexander ist, wie schon der Audiokommentar wieder sehr interessant und unterhaltsam, was wieder an der frischen und ehrlichen Art der Regisseurin liegen dürfte.

Die Featurette ist ein reiner Werbefilm und vermittelt mehr den Inhalt des Films, als irgendwelche Hintergrundinformationen.

Die Interviews mit Cast & Crew sind da schon interessanter. Durch die Vielfalt der Interviewten sowohl aus dem Produktionsteam als auch aus den Schauspielern kommen sehr viele verschiedene Aspekte des Films zur Sprache.

Die beiden „Hinter den Kulissen“ Filme sind leider verschenkte Zeit. Sie bestehen nur aus unkommentierten, nichts sagenden Videoaufnahmen vom Dreh.

Der Spiegel TV Beitrag hingegen ist sehr interessant und gibt einen Einblick in die wirkliche Hooliganszene.

Der Storyboardvergleich zeigt anhand der End-Prügelei inwieweit der Film sich an seine Storyboards hält. Naja, wen’s interessiert…

In der Bildergalerie darf man bildschirmfüllende Fotos vom Dreh und aus dem Film bewundern. Im Gegensatz zu anderen DVDs hat dieses Feature aufgrund der Größe der Fotos auch endlich mal einen Sinn.

Das Musikvideo ist ganz nett, besonders wenn man die Hintergrundinfos dazu aus dem Interview mit der Regisseurin kennt.

Insgesamt sehr viele, stellenweise sehr hochwertige Extras. Leider fehlte trotzdem ein richtiges Making Of, die ganzen Interviews kommen ohne die passenden Bilder doch etwas sehr theoretisch daher.


FAZIT:
Eijlah Wood kämpft tapfer gegen sein Hobbit Image an und das wirklich erfolgreich. „Hooligans“ ist ein sehr gutes Drama und zeigt auch das Hooligans mehr als nur pöbelnde Asoziale sind. Zwar ist der Film nicht ganz frei von Klischees und die Ideologie ist ebenfalls ziemlich fraglich, aber der Film zeigt dennoch einen guten Einblick in die Szene. Dazu ist „Hooligans“ hervorragend inszeniert und hat einen ziemlich rauen und dreckigen Style. Selbst einem Nicht Fußballfan (ich mag Fußball ebenfalls nicht sonderlich) kann man den Film wirklich empfehlen. Ein klarer Geheimtipp!

Bild - 7/10
Ton - 7/10
Bonus - 4/10 (Einzel DVD) - 8/10 (Deluxe Edition)
Film - 8/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Mc One zur Verfügung gestellt]

anno nym meint:
„Hooligans“ ist ein durchweg unterhaltsamer, technisch makellos gemachter Film. Sein hoch gestecktes Ziel, einen objektiven und zugleich kritischen Blick auf die Hooliganszene zu werfen, erreicht er aber leider nicht immer. Zu konstruiert wirt die Handlung bisweilen, zu unnachvollziehbar sind die Entscheidungen der Protagonisten. Es wäre realistischer gewesen, das Porträt eines Hooligans zu zeichnen, der von Anfang an die Szene hineingewachsen ist, statt einem studierten Amerikaner zu begleiten. Denn die Gründe, die Elijah Woods Charakter hat, können wohl kaum für die Londoner Hooligans geltend gemacht werden. Was die an dieser Szene so fasziniert bleibt weitgehend offen, einzig das Kameradschaftsgefühl wird immer wieder betont. Kann das denn alles sein? Trotzdem, Hooligans ist ein sehr ambitionierter, sehenswerter Film der bis auf die Gesamtaussage überzeugt.


8/10

[Review verfasst von Shagy und anno nym]