King Kong: Original vs. Remake (Kinoreview)

15. December 2005

King Kong: Original vs. Remake (Kinoreview)

Ich habe es mir nicht nehmen lassen und habe mir zur Premiere des neuen King Kong Remakes von Peter Jackson das Double Feature mit dem Original von 1933 angeschaut. Leider war ich, als ich das Kino nach fast 6 Stunden verlassen habe, etwas vom Remake enttäuscht. Aber der Reihe nach... Wer King Kong (egal ob Orginal oder Remake) nicht kennt, sollte vielleicht nicht weiterlesen.



Zuerst lief 22Uhr das 99 minütige Original "King Kong und die weiße Frau" von 1933 über die Leinwand und ich war ziemlich begeistert. Die Geschichte um den Riesenaffen, der sich in eine Frau verliebt, kennt sicher jeder. Aber hier noch einmal kurz zusammengefasst. Der Dokumentarfilmer Carl Denham (Robert Armstrong) will sich auf eine geheimnisvolle Insel begeben um dort seinen neusten Film drehen. Dieses mal benötigt er allerdings noch eine Frau, doch seine Agenten weigern sich, eine Frau auf so eine ungewisse Fahrt zu schicken. So muss er sich im New York der Dreißiger selbst auf die Suche machen und wird bei der verarmten Schauspielerin Ann Darrow (Fay Wray) fündig. Nun macht sich die Crew auf, die sagenumwobene Insel zu finden. Natürlich finden sie die Insel und werden auch gleich Zeuge, wie die Eingeborenen eine Zeremonie vorbereiten, wo eine Frau geopfert werden soll. Diese werden aber auf das Filmteam aufmerksam und wollen auch gleich die „weiße Frau“ haben. Natürlich macht die Crew das nicht mit und sucht erst mal das Weite. Wieder auf dem Schiff, wird allerdings Ann entführt und die Crew macht sich auf den Weg sie zu retten. Auf der Insel angekommen, ist es für eine schnelle Rettungsaktion allerdings zu spät, da sich der Riesenaffe Kong schon Ann geschnappt hat. Natürlich will man Ann nicht zurücklassen und sendet ein Rettungsteam aus. Doch auf der Insel warten neben Kong noch andere Gefahren wie Dinosaurier auf das Team. Letztendlich schaffen sie es Ann zu befreien und Kong einzuschläfern, um ihn als „Das achte Weltwunder“ mit nach New York zu nehmen. In New York angekommen, wird er auch gleich der Öffentlichkeit vorgestellt, doch als Ann vor den Affen tritt, rastet er aus und flieht mit Ann in der Hand auf das Empire State Building...


Klar sind die Stop Motion Effekte aus heutiger Sicht für viele einfach nur schlecht und langweilig, doch ich hab immer noch großen Respekt vor den Machern. Besonders in Szenen, wo Kong und Ann zusammen im Bild sind, sehen sehr beeindruckend aus. Höhepunkt wäre hier, wo Kong der steht’s kreischenden Ann einige Kleider vom Leib reist. Auch schaute der Kampf zwischen Kong und einem T-Rex sehr genial aus. So wurden die Judowürfe recht flüssig in Szene gesetzt und wirken sehr dynamisch. Der finale Kampf auf dem Empire State Building mit den Flugzeugen, muss natürlich ebenfalls noch erwähnt werden. Die Gesellschaftskritik kam zwar nicht so stark rüber wie erwartet, aber war dennoch ausreichend. Menschen würden für die eigene Sensationsgier schlicht alles tun. Am Ende dann auch der legendäre Satz von Carl Denham: „Es waren nicht die Flugzeuge die ihn getötet haben. Es war die Schöne die das Biest getötet hat.“

Aufgrund des Charmes und in anbetracht des Alters 8/10

Kurz nach 0Uhr folgte dann das Remake "King Kong" und nach einer kurzen Ansprache des Kinochefs, der im übrigen sehr enttäuscht war, da nur ca. 20 Leute im Saal waren, wünschte er uns in den folgenden 187min (!!!) viel Spaß. Aber so recht konnte ich mich für das Remake nicht begeistern. Man hielt sich zwar recht nahe am Original, doch Peter Jackson hat es sich nicht nehmen lassen, etwas am Skript zu ändern. So ist der Regisseur Carl Denham (Jake Black) hier eher auf der Flucht vor seinen Geldgebern. Auch war der Lover im Original der Schiffsoffizier, während es hier der Drehbuchautor ist. Beide haben zumindest mit Jack Driscoll den gleichen Namen. Letztendlich sind die Änderungen nicht weiter schlimm und sicher auch dafür gedacht, um mehr aus dem Film zu machen, da einige Szenen sonst nicht funktioniert hätten.


Endlich in See gestochen, finden sie schließlich die Insel im dichten Nebel. Aber da Jackson ja alles größer, pompöser und fetter machen musste, legt das Schiff erst mal einen ordentlich Crash hin. Im Original fand man die Insel noch etwas gemütlicher und legte gesittet am Strand an. Auch sah das Eingeborenen Dorf ziemlich düster aus und die Eingeborenen erinnerten eher an viele Golems aus „Herr der Ringe“. Gegenüber dem Original kommt es hier auch zur einer ziemlich brutalen Auseinandersetzung zwischen den Eingeborenen und der Filmcrew. Man schafft jedoch dank Captain Englehorn (Thomas Kretschmann) die Flucht zurück aufs Boot. Nachdem dann Ann Darrow (Naomie Watts) wie im Original vom Schiff gekidnappt wurde, macht sich das Team wieder zurück zur Insel auf, um sie zu retten. Doch leider ist es dafür schon zu Spät, da sich Kong bereits Ann geschnappt hat und im Wald verschwunden ist. Das Filmteam macht sich nun auf die Suche und Jackson hält sich wiederum ziemlich nahe am Original. Nur wird der originale Weg ab und an verlassen, schließlich muss man ja noch die CGI Muskeln spielen lassen. Während die Crew im Original nur vor einem Brontosaurus fliehen musst, muss hier eine ganze Herde herhalten, die sich durch eine enge Schlucht zwängt. Das ganze war jedoch so übertrieben, dass es mich einfach nur langweilte! Da rennen ein paar Menschen zwischen den Füßen der Riesensaurier umher und finden immer wieder ein Loch für den rettenden Sprung. Selbst wenn die Saurier stürzen, schlüpfen die wichtigen Charaktere durch die kleinste Lücke. Das Kong dann auch gleich gegen 3 (!!!) T-Rex gleichzeitig kämpfen musste, fand ich ebenfalls übertrieben. Die Kamera geht dabei auch leider so hektisch zu werke, das es nicht wirklich Spaß macht zuzuschauen. Einige hübsche Einstellungen aus der Sicht von Ann, sahen allerdings schon recht gut aus. Nach der CGI Action gibt es dann den Kampf zwischen einem T-Rex und Kong, welcher fast genauso geschnitten und inszeniert wurde wie im Original. Die Szene gegen die Insekten, hätte Jackson auch eher mit in Herr der Ringe packen können. Dort wären die Szenen besser aufgehoben gewesen.


Neben dem CGI Overkill, störten mich aber auch noch ein paar andere Sachen. Zum einen halte ich Thomas Kretschmann als völlig fehlbesetzt, was vor allem an seiner Stimme liegt. Des weitern spricht er dauernd davon die anderen zurückzulassen, nur um in einer ausweglosen Situation nach der anderen den großen Retter zu spielen. Die Laufzeit von 187 Minuten empfand ich ebenfalls als störend, da in diesen über 3 Stunden die Charaktere bis auf Carl, Ann und Kong allesamt blass bleiben. Das Thema hätte man auch gut und gerne in 60 Minuten weniger abhandeln können. Ganz großes Kino waren aber die Szenen zwischen Kong und Ann. Zwar war die Tanzeinlage von Ann vor Kong auf dem Felsen in meinen Augen unpassend, aber alles was sonst kam, waren ganz große Emotionen. Besonders wo Kong gegen den T-Rex kämpf und Ann in der Mitte steht und dann zu Kong läuft, da sie sich dort sicherer fühlt, war sehr schön. Auch wo Kong auf der Insel gefangen genommen wurde, oder die erste Begegnung zwischen Kong und Ann in New York waren sehr emotional, wie auch die unbeschwerte Szene auf einem zugefrorenen See. In solchen Szenen, spielte der Film ganz groß auf!

Die Darsteller sind nicht wirklich der Rede wert und neben Naomi Watts und Kong, kann nur noch Jack Black glänzen, welcher wirklich exzellent besetzt wurde! Er ist wie für die Rolle des Profit- und Sensationsgeilen Carl Denham prädestiniert und kann einige große Szenen für sich verbuchen. Besonders in der Szene als Ann gerettet wurde und sie an Denham vorbeiläuft und er ihr keines Blickes würdigt, da er mit sturem Blick auf Kong wartet, um ihn endlich einzufangen, glänzte Jack Black. Von der Regie her, gibt es eigentlich bis auf die zu schnelle CGI Action nicht viel zu bemängeln und wirkt sehr routiniert. Man sieht sofort das Jackson hinter der Kamera steht, da auch viele Einstellungen und Schwenks auch aus der "Herr der Ringe" Trilogie stammen könnten. Die Effektschmiede WETA hat, wie schon beim Herr der Ringe, teilweise etwas zwiespältige Ergebnisse erzielt. So schaut Kong wirklich sehr, sehr gut aus, doch manche Szenen mit den Dinos wirkten viel zu unecht und unrealistisch. Da sahen die Massenszenen in Jurassic Park authentischer aus.


Was mir aber wiederum sehr gefallen hat, war die Detailversessenheit von Jackson. So hat er unzählige Dialoge aus dem Original 1:1 übernommen und selbst die Werbetafeln in New York sind die gleichen wie damals 1933. Viele Szenen mit Kong wurden ebenfalls so belassen wie zum Beispiel als Kong den T-Rex getötet hat und in der gleichen Einstellung und Mimik nachschaut, ob der T-Rex wirklich tot ist. Auch nette Gags wie die Verwendung der Originaloutfits der Eingeborenen bei der Show in New York oder das die gewünschte Darstellerin Wray gerade an einem neuen Film für RKO arbeitet (diese Frima produzierte damals das Original King Kong und Fay Wray war bekanntlich die Hauptdarstellerin), haben mich zum schmunzeln gebracht. Letztendlich ist aus King Kong pures Eventkino mit dickem CGI Overkill geworden, welchem jedoch die Charaktertiefe fehlt und in den Actionszenen, mich zumindest, einfach gelangweilt hat. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen! Actionfans werden sich aber wiederum an den ruhigen Szenen zwischen Ann und Kong stören und somit wird keiner so recht vollends von diesem Remake begeistert sein. Ich bin nach dem Double Feature etwas enttäuscht aus dem Kino gegangen...

7/10