Die letzte Schlacht

20. December 2005

Die letzte Schlacht

Obwohl die Inhaltsbeschreibung, der Titel und das Cover auf einen Trittbrettfahrer vom Erfolgsfilm „Der Untergang“ schließen lässt, ist „Die letzte Schlacht“ weit mehr als das und stellt sich als kleine Überraschung unter den Kriegs-Dokus heraus.



Originaltitel: Die letzte Schlacht
Regie: Hans-Christoph Blumenberg
Darsteller: Anna Maria Mühe, Tom Schilling, Tim Bergmann, Christian Redl, Katharina Wackernagel, Jörg Schüttauf
Laufzeit: 103min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch
Untertitel:
Ton: DD 5.1
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,78:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen:
Vertrieb: McOne
Preis: 19€


Film:
Berlin im April 1945, wenige Tage vor Kriegsende: Ob im Führerbunker unter der Reichskanzlei oder auf den zerstörten und unter Beschuss stehenden Straßen: Jeder will überleben und jeder macht seine Erfahrungen mit Soldaten, Ärzten, Russen, Verwundeten. Der Film beleuchtet die Schicksale einiger dieser Überlebenden und schildert ihren Weg durch die Ruinen des tausendjährigen Reichs.

 

Dazu werden Dokumentaraufnahmen mit Interviews und gedrehten Filmszenen vermischt und das funktioniert besser als erwartet. Denn im Gegensatz zu manch Fernsehproduktion, die es genauso versuchte, ist hier richtig Geld reingesteckt worden: Die Spielfilmszenen sehen nicht stümperhaft gefilmt, schlecht beleuchtet und mies gespielt aus, sondern haben fast schon Kinoniveau. Natürlich erlaubte das Budget von 2 Millionen keine großartigen Action- und Kampfszenen, doch durch die Inszenierung werden diese geschickt ausgelassen oder durch Dokumentaraufnahmen „greifbar“ gemacht.
Man darf natürlich trotzdem keinen mitreißenden Blockbuster erwarten, aber für eine Doku wird ungewohnt viel Unterhaltung geboten. Darunter leidet aber leider die Tiefgründigkeit ein wenig, so dass die Themen stellenweise recht oberflächlich abgehandelt werden. Besonders strategische und politische Vorgänge werden so gut wie gar nicht angesprochen, die menschlichen Schicksale stehen an erster Stelle.
Zusammengefasst eine empfehlenswerte Doku, die den Krieg und die Stimmung der letzten Kriegstage etwas greifbarer macht.

 

Bild:
Der erste Eindruck täuscht: Das Bild rauscht nicht immer! Nein, vielmehr handelt es sich scheinbar um ein Stilmittel, um die gedrehten Spielfilmszenen „echter“ wirken zu lassen. Allerdings wurde es dafür vielleicht etwas zu dezent eingesetzt, so dass es eher wie ein Fehler der Komprimierung und nicht wie gewollt aussieht. Dafür erscheinen die Interviewszenen rauschfrei und gestochen scharf.
Insgesamt ein sehr sauberes Bild, was durch den sauberen Videolook die TV-Herkunft aber leider nicht ganz verleugnen kann.

Ton:
Die deutsche 5.1 Tonspur bietet für einen TV-Film ein erstaunlich räumliches Klangerlebnis. Die Klasse von aktuellen Kinofilmen wird zwar nicht ganz erreicht, aber durch viele direktionale Effekte und eine 1A Klangqualität nähert sich der Film ihr zumindest sehr nah an.

Bonus:
Leider konnte es McOne mal wieder nicht lassen, vor die DVD diverse Firmentrailer und vor allen Dingen den „Anti-Raubkopiertrailer“ („Wann kommt Papa wieder nach Hause?“ „…noch viermal singen!“) vorzukopieren. Daher muss man diesen Quark jedes Mal von neuem ansehen, wenn man die DVD einlegt. Ansonsten befindet sich auf der Disc:

- Trailer (ca. 30sek)
- Making Of (ca. 3min)
- Zeitzeugen Kurzbios (Texttafeln)
- Interviews (sieben Stück, insgesamt ca. 61min)
- Entfallene Szenen
- Programmhinweise
- Fotogalerie
- Audiokommentar mit dem Regisseur

Das viel zu kurze Making Of gibt unerwartet viele Einblicke in die Entstehung des Films, sogar der Regisseur kommt zu Wort. Natürlich ist die Länge von 3 Minuten trotzdem absolut indiskutabel.
In den „Kurzbiographien“ befinden sich ein paar Texttafeln zu vier der Hauptpersonen. Das ist zwar nicht mal die Hälfte der handelnden Charaktere, aber besser als nichts.
Die Interviews sind da schon ausführlicher und interessanter und beleuchten ausführlich sowohl die Entstehung des Films als auch den historischen Hintergrund.
Die entfallenen Szenen und die Programmhinweise ließen sich auf meinen und zwei weiteren DVD-Playern leider nicht abspielen, weshalb ich davon ausgehe, dass ein Press- oder Authoring-Fehler vorliegt. Daher ist es mir natürlich auch nicht möglich, diese Extras zu bewerten.
Die Fotogalerie zeigt einige nette Fotos vom Film und vom Dreh.
Der deutsche Audiokommentar ist sehr interessant, gibt Hans Christoph Blumenberg doch einige Anekdoten zum Dreh und viele Hintergrundinfos zum Besten.

 

FAZIT:
Unerwartet gute Dokumentation, die informiert und (!) unterhält. Die DVD kann da fast mithalten, bis auf das viel zu kurze Making Of und die nicht abspielbaren Extras. Insgesamt also zu empfehlen!

Bild - 9/10
Ton - 8/10
Bonus – nicht zu bewerten
Film - 7/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von McOne zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]