Metal: A headbanger’s journey

11. June 2006

Metal: A headbanger’s journey

Einige der meistverkauftesten Alben aller Zeiten stammen aus dem Rock und Metal Genre. Trotzdem ist das Genre steht’s verhasst gewesen, da es laut diverser Elternbewegungen immer die Musik des Bösen – Satan – war. Zwar wurden immer wieder Vergleiche zur Klassik gezogen, doch als angesehene Kultur wurde diese Musikrichtig nie anerkannt. Das dies selbst Jahrzehnte später noch der Fall ist, ist traurig, zeigt jedoch auch, dass Metal eine der größten Musikbewegungen aller Zeiten ist. Sam Dunn, seines Zeichen Regisseur der hier rezensierten Dokumentation, lässt die komplette Bewegung noch einmal Revue passieren und versucht uns noch etwas über den Metal an sich beizubringen.



Originaltitel: Metal: A headbanger’s journey
Regie: Sam Dunn
Darsteller: diverse Größen der Musikszene und Fans
Laufzeit: ca. 155
FSK: 12
Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: 2
Bildformat: 1.78:1 in 16:9
TV-Norm: PAL
Produktion: 2005
Erschienen: 01.06.2006
Vertrieb: Highlight/Constantin Film
Preis: 20€


Film:
Sam Dunn ist seit dem 12. Lebensjahr ein Metalhead und dies sieht man ihm auch an. Er schaut mit seiner schlaksigen Figur, seinen langen Haare und den ausgewaschene Bandshirts wie das typische Metal Klischee aus. Zudem verteidigt er „seine Musik“ wo es nur geht und am besten funktioniert dies natürlich mit einem Film. Nebenbei hat er Anthropologie studiert und nachdem er seine Abschlussarbeit über die schwierige Lage der Flüchtlinge aus Guatemala beendet hat, widmet er sich einem anderen Volk zu ... dem Volk der Metaller.


Nun beginnt seine lange Reise um die Welt und versucht dem Metal an Originalschauplätzen auf die Spur zu kommen. Dabei interviewt er nicht nur die Größen der Szene, sondern auch Journalisten und Kulturwissenschaftlern. Das er dabei dem Metal nicht nur von vorne bis hinten huldigt, sondern auch die ganzen Vorwürfe wie Gewaltverherrlichung, Satanismus und Sex von allen Seiten beleuchtet, ist sehr gut. Allerdings entkräftet er mit Hilfe von Alice Cooper, Dee Snider (Sänger, Twistet Sister) und Toni Iommi (Gitarrist, Black Sabbath) so ziemlich jeden Vorwurf. Besonders das ziemlich rare Filmmaterial als Dee Snider vor einem Elternkongress Stellung nahm und dort alles in Grund und Boden redete ist echt sehenswert. So dachte jeder dort, dass Dee Snider ein nichtsnutziger Analphabet sei und von Kultur keinen Schimmer hat. Dee Snider lies sich natürlich nicht zwei mal bitten und lieferte eine gelungene Show ab. Er kam in Jeans, zerschnittener Jacke, gestylter Frisur und Schminke zur Anhörung. Nebenbei holte er seine zerknitterte Rede aus der hinteren Hosentasche, nur um dann in seiner Rede alles von sich zu weisen, was ihm vorgeworfen wurde. Er trat mit einer Coolness auf, dass es allen dort die Sprache verschlug ... genial!


Ebenfalls genial sind die ganzen kleinen Anecktoden die man so erfährt. So hat ja Ronnie James Dio (Sänger, Dio) das Teufelszeichen Salonfähig gemacht, doch gibt er einige Seitenhiebe an Gene Simmons (Sänger, KISS), da er sich für den Erfinder des Handzeichen rühmt. Nebenbei erzählt Ronnie, das sich Gene Simmons etliche Sachen hat patentieren lassen, wie zum Beispiel die Abkürzung O.J. für Orange Juice. Immer wenn einer O.J. sagt, müsste er Geld an Simmons zahlen ... einfach nur locker. Ebenfalls sehr lustig ist das Kapitel der Sexualität. Dabei geht es neben Groupies noch um den Glam Rock der 80iger. Damals sprangen viele Bands wie Twistet Sister oder Mötley Crüe Geschminkt und in Rüschen über die Bühne. Es wird hier auch ein Plattencover der Band Poison gezeigt, wo wirklich anfragen kamen, ob man die nicht mal „vögeln“ könnte. Auch nicht schlecht ist die Erklärung von Dee Snider, warum die Bands in hautengen Outfits rumliefen, wo man steht’s eine Beule in der Hose sah und ihren Schritt immer gen Publikum streckten. So dachten laut Dee Snider die Fans nicht daran: „Der hält mir seinen Schwanz ins Gesicht.“, sondern: „Ja, fick die Schlampe! Ich wünschte, ich wäre an seiner Stelle!“ Bei Alice Cooper musste ich auch mehr als einmal lachen, als er zum Beispiel erzählt, dass ihn die bösesten Black Metaller ganz lieb und winselnd nach einen Autogramm für Mutti fragten. Ebenfalls nicht schlecht, ist das Interviewschnipsel mit Doro in Englisch. Die Frau sollte einfach mal den Mund halten, da sie auch hier nicht wirklich was brauchbares von sich lässt.

„Metal: A headbanger’s journey“ handelt aber nicht nur solch eher lustigen Themen ab, sondern stellt auch einen beachtlichen Teil der Laufzeit ernsten Themen wie „Religion und Satanismus“, bzw. „Tod und Gewalt„ zur Verfügung. So zieht es Sam Dunn ins Herz der Black Metal Szene nach Norwegen wo in den 90igern eine ganze Reihe von Kirchenbränden wüteten. Hier kommt neben einem Pastor auch einige Übeltäter (Jorn Tunsberg) zu Wort, welche ihre Sache als rechtens darstellen und in keinster Weise Reue zeigen.

Die Dokumentation ist übrigens in zehn Kapitel wie Ursprünge, Musikalische Wurzeln, Kultur, Zensur und die Fans unterteilt und wird steht’s mit vielen Originalaufnahmen unterlegt. So sieht man neben Fans die sich Slayer in den Arm ritzen noch etliche Konzertausschnitte und seltene Originalaufnahmen mit Dee Snider vor Gericht oder den Kirchenbränden. Die Interviews sind recht gut und reichen von ernsten Gesprächen bis hin zu einem stark alkoholisierten Gespräch mit Mayhem. Gut fand ich auch die Aufteilung der einzelnen Metal Richtungen anhand von Bands die einen guten Überblick vermitteln. Ob man mit den Einteilungen zufrieden ist, sei jedoch mal dahingestellt. Das einzige was mich etwas gestört hat ist, dass bei den Fans teilweise zu junge Kids (u.a. eine 14jährige Gothic Göre) als Interviewpartner hinzugezogen wurden. Des weiteren fand ich das Wacken Open Air Feature als zu lang. Bis auf Sam Dunn hat man übrigens glücklicherweise auf eine komplette deutsche Syncro verzichtet und nur deutsche Untertitel eingefügt.


Bild:
Durch die vielen Originalaufnahmen kann man das Bild natürlich nicht so recht bewerten. An den neu gedrehten Szenen gibt es allerdings nichts auszusetzen, auch wenn sie meist nur mit einer Handkamera gedreht wurden.

Ton:
Natürlich gibt es hier ordentlich was auf die Ohren, da es ständig im Film die entsprechende Musik zu hören gibt. Die Interviews sind ebenfalls gut verständlich und deutsche Untertitel benötigt man höchstens bei Lemmy.

Bonus:
Hier gibt es neben 16 Minuten Outtakes und Trailern zu Filmen aus dem Highlight Programm noch ziemlich interessante Interviews (Alice Cooper, Bruce Dickinson, Ronnie James Dio, Geddy Lee, Pantera, Tom Morello, Tony Iommi, Rob Zombie und Lemmy) noch eine 25minütige Dokumentation über den Black Metal aus Norwegen. Diese Dokumentation entstand nachdem der Film in Norwegen ziemlich kontrovers diskutiert wurde. So fühlte man sich zu sehr ins schlechte Licht gerückt, da im Film die Kirchenverbrennungen nicht differenziert genug behandelt wurden. Die Dokumentation ist wirklich interessant geworden und es kommen neben einigen Bands wie Darkthrone, Emporer oder der Schwachkopf Gaahl von Gogoroth noch diverse Schriftsteller, Journalisten und Psychologen zu Wort. Somit kommen alle Parteien zu Wort, selbst die Kirche. Leider speist man uns hierzulande mit einer Einzel DVD ab, während die Amis eine schicke Doppel DVD bekommen (es fehlt in der deutschen Fassung unter anderem der Metal Stammbaum)


FAZIT:
Ich selbst hatte von der Materie in Bezug auf die ganzen Richtungen und Anfänge nie so den rechten Durchblick. Eigentlich hab ich mich auch nie so recht dafür interessiert, da es mir ziemlich egal war, ob nun Black Sabbath den Metal erfunden haben oder doch Cream oder Deep Purple. Die Antwort wird man zwar auch hier nicht eindeutig finden, doch die Dokumentation zeigt ziemlich gut, was Metal ausmacht und warum er wohl immer wieder ins schlechte Licht gerückt werden wird. Ein wirklich gelungener, wenn auch leider zu kurzer, Film über eine der größten Musikbewegungen unserer Zeit und eigentlich für alle Metalheadz Pflicht! Eine super DVD zum ausspannen nach einer hitzigen Guitar Hero (PS2) Session.

Bild - 7/10
Ton - 7/10
Bonus - 7/10
Film - 9/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Highlight/Constantin Film zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]