Wie im Himmel

10. October 2006

Wie im Himmel

Filme aus Schweden sind rar gesät. Umso mehr erstaunte es, als letztes Jahr das Drama „Wie im Himmel“ wie eine Bombe einschlug und nicht nur in Schweden bei der Zuschauergunst ganz oben stand. Was ist also dran an dem „schwedischen Filmwunder“?



Originaltitel: Så som i himmelen
Regie: Kay Pollak
Darsteller: Michael Nyquist, Frida Hallgren, Lennart Jähkel, Helen Sjöholm
Laufzeit: 127min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch, Schwedisch
Ton: DD 5.1
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,85:1 (16:9 / anamorph)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen 2006
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 15€


Film:
Das hatte der weltberühmte Stardirigent Daniel Dareus eigentlich anders geplant: Anstatt nach einem Herzinfarkt des Rest seines Lebens in einem kleinen schwedischen Dorf in Frieden und vor allen Dingen ohne Musik zu verbringen, sieht er sich dort schon bald als Leiter des örtlichen Kirchenchors wieder. In der kleinen kauzigen Gemeinde ist die Musik das Einzige, was die Menschen den Problemen des Alltags entfliehen lässt und ehe sich Dareus versieht, wird er zum Heilsbringer des ganzen Dorfes. Doch wie immer gibt es Neider, die Dareus aus Angst vor Veränderungen am liebsten wieder aus dem Ort haben wollen, egal mit welchen Mitteln.Filme wie diesen kennt man sonst eigentlich nur aus England, wo verschrobene Menschen in kleinen Orten des öfteren für schwarzhumorige Komödien sorgten. Umso verwunderlicher ist es, dass grade das gefühlsmäßig scheinbar verschlossenen Schweden der Ort der Handlung ist. Doch entgegen den Erwartungen handelt es sich bei „Wie im Himmel“ auch nicht um eine unterhaltsame Komödie, sondern vielmehr um eine dramatische Auseinandersetzung mit menschlichen Schicksalen. Und wahrlich, davon gibt es in diesem Film genug:


Ob der kleinkarierte, gefühlskalte Pfarrer, der seine seelischen Unzulänglichkeiten hinter seinem Glauben zu verstecken versucht, der trinkende Grobian, der regelmäßig seine Frau verprügelt, der Fettsack, der seit der Schule gehänselt wird oder die von der Liebe enttäuschte Lena, die in Dareus ihr neues Glück sieht. Der Film reiht ein Schicksal nach dem anderen aneinander, immer wenn ein positives Ereignis eintritt, folgt diesem ein mindestens ebenso großes negatives. Ständig werden kurzzeitig neue Personen Handlungsmittelpunkt und erleben Höhen oder – meistens – Tiefen. Bei einer Filmlänge von 127 Minuten artet das stellenweise zu einem Geduldsspiel aus, der Film ist etwas überfrachtet mit Dramatik und Emotionen. Weniger wäre da mehr gewesen, man muss den Zuschauer schließlich nicht ständig wieder stimmungsmäßig in den Keller drücken. Im Gegensatz zu den schon genannten, britischen Komödien fehlt hier nämlich der schwarze Humor, der manch Schicksalsschlag etwas leichter zu ertragen lassen und mit einem Augenzwinkern versehen würde. Hier herrscht nur die raue Wirklichkeit.Auch die Regie unterstützt dieses Gefühl von Realismus, hält sie sich doch mit jeglicher Spielerei zurück, macht die Inszenierung nur zum Mittel zum Zweck. So ist die Kamera zwar durchgängig sehr bewegt, rückt aber nie in den Vordergrund und ist einfach nur dabei. Oft wähnt man sich aufgrund der Personenkonstellationen und der Dialoge sogar in einem Theaterstück, überhaupt hat die Dramaturgie viel Theaterhaftes. Personen halten, wie auf einer Bühne gegenüber stehend, lange, lautstarke, mit starker Mimik und Gestik unterstrichene Gespräche, alles andere tritt dabei in den Hintergrund.Auch sonst verlässt der Regisseur sich ganz auf seine starken Charaktere und nutzt Chancen, den Film auch inszenatorisch interessant zu machen nicht. Im Gegenteil., er lässt sie sogar bewusst aus. So folgt immer, wenn die voyeuristischen Neigungen des Zuschauers wie bei einer Sex- oder Gewaltszene, angesprochen werden, ein harter Schnitt zur nächsten Szene.Zum Glück können die Schauspieler den ihnen aufgelasteten Druck, den Film ganz alleine zu tragen, standhalten und bieten eine unglaublich gute Performance. Von der Hauptrolle bis zur kleinsten Nebenrolle, jeder Charakter ist mit unheimlich vielen Facetten und liebenswürdigen Eigenarten versehen und macht die Figur glaubwürdig. So bleibt ein guter, etwas zu langer und sehr schwieriger Film, der nicht umsonst ein Publikumserfolg und für den Oscar nominiert wurde.


Bild:
Die Bildqualität der DVD ist leider nur durchschnittlich. So ist die Schärfe zwar recht ordentlich, lässt aber besonders bei den Totalen einiges an Detailreichtum vermissen. Zudem wirken die Farben den ganzen Film über sehr blass und dunkel. Ob das nun an der DVD oder am Film selbst liegt lässt sich leider nicht sagen.

Ton:
Auch hier darf man nicht viel erwarten. Besonders der deutsche Ton klingt dünn und relativ kraftlos, von einer 5.1 Abmischung ist nichts zu merken. Weder werden die Rears, noch der Subwoofer eingesetzt. Der schwedische Ton ist klanglich ein klein wenig räumlicher und kräftiger, aber immer noch unter dem heutigen Durchschnitt einer DVD.

Bonus:
Es gibt zwar eine 2 DVD Special Edition von „Wie im Himmel“, das entschuldigt aber noch lange nicht, dass die 1 DVD Version überhaupt keine Extras bietet. Nicht mal ein Trailer ist zu finden. Sehr schwach!


FAZIT:
Anstrengender, aber doch sehenswerter Film auf einer nicht einmal mehr mittelmäßigen DVD.

Bild - 7/10
Ton - 5/10
Bonus – 0/10
Film - 7/10

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]


[Review verfasst von anno nym]