Pulp Fiction, Reservoir Dogs, Bang Boom Bang…Der Eisbär? Wohl eher nicht…
Originaltitel: Der Eisbär
Regie: Til Schweiger, Granz Henman
Darsteller: Til Schweiger, Karina Krawczyk, Benno Fürmann, Florian Lukas
Laufzeit: ca. 87min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch
Untertitel: keine
Ton: DD 5.1, DTS 5.1
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (16:9 / anamorph)
TV-Norm: PAL
Produktion: 1998
Erschienen 2006
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 15€
Film:
Nach vielen erfolgreichen Rollen als Schauspieler versuchte sich Til Schweiger auch als Regisseur und schuf dabei, zusammen mit Co-Regisseur Granz Henman, „Der Eisbär“. Henman schrieb auch das Script und Schweiger hätte lieber auf die alte Regel, dass aus einem schlechten Drehbuch nie ein guter Film werden kann hören und sich einen anderen Stoff suchen sollen.
Das tat er aber leider nicht, sondern suchte sich stattdessen eine Riege vorzüglicher Haupt- und Nebendarsteller und eine Reihe Schlagerklassiker als Soundtrack. Klingt nach Quentin Tarantino? Ist er aber leider nicht, auch wenn jede Szene danach zu lechzen scheint, auf sein Niveau gehoben zu werden. So ist sogar die Montage des Films verschachtelt, wie wir es sonst hauptsächlich vom amerikanischen Kollegen kennen: Der Film beginnt mit der Explosion einer Autobombe, in dem zufällig noch der mysteriöse Gesundheitsinspektor sitzt. Dann folgt eine Rückblende auf wenige Stunden zuvor. Nico (Karina Krawczyk) soll eben jenes Auto zu dem Inspektor fahren, lässt es sich aber auf der Fahrt von zwei durchgeknallten Jugendlichen (Bennö Fürmann und Florian Lukas) klauen. Deprimiert darüber betrinkt sie sich in einer Bar, in der zufällig auch Killer Leo (Til Schweiger) sitzt, der eben einen Auftrag vermasselt hat und dadurch nun auch tödliche Konsequenzen zu erwarten hat. Die beiden verlieben sich nach langen Gesprächen ineinander, bis zufällig vor der Bar sowohl das gestohlene, bombenbehaftete Auto, die Polizei (Ralph Herforth und Ralf Richter) und eine Menge Killer wieder auftauchen.

So laufen in dieser Nacht viele Handlungstränge zu einem Showdown zusammen oder sollten es zumindest, denn so richtig funktioniert das ganze nicht. Das erste Problem sind die vielen, vielen Anleihen an Pulp Fiction, beginnend bei den coolen Charakteren und endend bei Stammtisch-Dialogen über scheinbar nichtige Themen. Das funktioniert manchmal, etwa wenn Fürmann und Lukas einen Hamburgerladen ausrauben, aber meistens nicht. Dann wirken derartige Witze einfach nur bemüht bis langweilig. Stellenweise ist es sogar richtig peinlich, wie dreist Schweiger seine Vorbilder kopiert, etwa wenn er selbstzweifelnde Monologe vorm Spiegel hält oder beim finalen Showdown, der wohl eine Reminiszenz an John Woo darstellt, aber nicht einmal annähernd dessen Genialität erreicht. Aber das alles könnte man irgendwie noch verkraft, schließlich helfen einen die begeistert spielenden Schauspieler gern dabei, würde das Drehbuch vor allen Dingen gegen Ende hin nicht dermaßen aus dem Ruder laufen. Ich will nicht zuviel verraten, aber eine richtige Auflösung gibt es bei „Der Eisbär“ nicht. Die Rahmenhandlung (das explodierende Auto) wird nicht befriedigend geschlossen und an den Showdown ist noch ein Ende dran gehangen, was mehr als unnötig ist. Zudem nimmt der Film plötzlich eine dramatische, witzlose Grundhaltung ein, die nicht nur zum Rest nicht passt, sondern aufgrund dieses Restes auch nicht funktioniert. Man stelle sich vor, Quentin Tarantino hätte Pulp Fiction im letzten Drittel zu Drama verkommen lassen, hätte das irgendjemand dramatisch gefunden? Aber auch schon vorher hat „Der Eisbär“ diverse Durchhänger, die meistens an den Szenen in jener Bar liegen, in denen auch noch unser Hauptdarsteller und die Hauptdarstellerin sitzen. Vielleicht wollten Henman und Schweiger dem Zuschauer in diesen Sequenzen die Möglichkeit geben, „wieder runterzukommen“ vom heißen Treiben, aber das war nicht nur unnötig, sondern regelrecht falsch. Denn die Barszenen ziehen sich wie Kaugummi, bieten kaum einen Handlungsfortschritt und wem kommt es nicht seltsam vor, dass ein Film über einen Profikiller diesen zu 90% in einer Kneipe beim Quatschen zeigt? So ist „Der Eisbär“ letztendlich ein enttäuschender, schwacher Film, der mehr ein Armutszeugnis für Henman als für Schweiger darstellt und den man sich getrost sparen kann.

Bild:
Die Firmenlogos am Anfang lassen schlimmes erwarten: Verschmutzungen, wie man sie sonst nur aus dem Kino kennt, säumen das das Bild. Doch zum Glück fallen diese bald nicht mehr negativ ins Gewicht. Viel schlimmer ist da das ständige, auf die Kompression zurückzuführende Bildrauschen und die mittelmäßige, oft schwankende Schärfe. Gut zu sehen ist das am (zugegebenermaßen sehr klein geschriebenen) unscharfen und so nicht mehr lesbaren Abspann. Wenigstens gibt es mit den Farben und den vielen Nachtszenen keine Probleme. Trotzdem ein höchstens mittelmäßiges Bild.
Ton:
Der Ton ist da schon einen Quantensprung besser als das Bild und nutzt die 6 Boxen sehr gut aus. Stellt man auf DTS, bekommt man sogar noch einen Tick mehr Bass und Räumlichkeit geboten.
Bonus:
Die DVD bietet ein Booklet mit Filmografien der Darsteller und ein hübsch anzusehendes, bewegtes Menü.
- Interviews (Til Schweiger, Karina Krawczyk, mit Benno Fürmann und Florian Lukas; ca. 10 Minuten)
- Blick hinter die Kulissen (ca. 3 Minuten)
- Darstellerinfos (Texttafeln)
- Videoclip: Eisbär (ca. 4 Minuten)
- Trailer (Apocalypto; Hui Buh; Französisch für Anfänger; Grandma’s Boy; Mord im Pfarrhaus; Wild Things; Der scharlachrote Buchstabe; Les Miserables; Der Eisbär)
Die Interview schwanken zwischen recht interessant (z.B. Karina Krawczyk ) bis hin zu absolut sinnlos (z.B. mit Benno Fürmann und Florian Lukas). Zudem sind sie sehr kurz, so dass sie kaum Einblick in die Entstehung des Films geben.
Den Blick hinter die Kulissen kann man sich schenken, handelt es sich doch nur um drei Minuten unkommentierte, wahllose Aufnahmen vom Dreh.
Die Darstellerinfos findet man schon im Booklet.
Der Videoclip ist keiner Erwähnung wert, witzigerweise wird nirgendwo die Gruppe genannt, die das dargebotene Lied performt.
Insgesamt sehr sehr dürftige Extras. Wenigstens einen Audiokommentar hätte man spendieren sollen.
Seltsamerweise wurden die Interviews und der Blick hinter die Kulissen auf manchen Playern übrigens nur fehlerhaft abgespielt.

FAZIT:
Ein schwacher Film auf einer mittelmäßigen DVD. Dann doch lieber zum x-ten Mal „Bang Boom Bang“.
Bild -6/10
Ton - 8/10
Bonus 4 /10
Film - 4/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]