Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

15. April 2007

Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

„Das Parfum“ ist mit einem Budget von über 50 Millionen Euro einer der teuersten deutschen Filme überhaupt. Doch wird er damit automatisch auch der bekannten Buchvorlage von Patrick Süskind gerecht?

Originaltitel: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Regie: Tom Tykwer
Darsteller: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood
Laufzeit: ca. 142min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch, Hörfilmfassung für Blinde
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 5.1 (deutsch, englisch); DTS 5.1 (deutsch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2006
Erschienen: 2007
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 29€


Film:
Viel Schelte musste „Das Parfum“ von Kritikern, Freunden der Romanvorlage und auch von den Nicht-Kennern des Buches einstecken. Den einen war es zu weit weg von der Vorlage, den anderen zu nahe dran, manche störten die fantastischen Elemente, manchen war zu nah am Mainstream. Dabei hat Tom Tykwer den Film auf die einzige Weise verfilmt, wie man einen so schwierig zu visualisierenden Roman mit einem so hohen Budget verfilmen kann, ohne einen finanziellen Schiffbruch zu erleiden. Die Geschichte des Frauen Mörders Jean-Baptiste Grenoullie (Ben Whishaw), der mit einem unglaublichen Geruchssinn ausgestattet durch das Frankreich des 18.Jahrhunderts reist, wurde in phänomenalen Bildern eingefangen. Kameramann Frank Griebe schuf zusammen mit Tykwer eine Visualisierung, die dem Stoff mehr als angemessen ist und die Gerüche des Films fast schon „riechbar“ macht. Dabei wurde nicht mit aufwendigen Kulissen und Spezialeffekten gespart, die allerdings nie zum Selbstzweck verkommen.

 

Die Geschichte selbst wird trotz der stattlichen Lauflänge zügig erzählt (um ein paar Kürzungen des Romans kam man trotzdem nicht herum) und bleibt immer nachvollziehbar. Ausnahme ist, wie schon im Roman, das gewöhnungsbedürftige Ende. Aber für das kann Tykwer ja nichts. Außerdem finde ich, dass er es durch seine Inszenierung mit Bravour gelöst hat. Im Gegensatz zum Buch ist die Massenorgie kein tierischer Ausbruch der Lust, sondern vielmehr ein „Reigen der Liebe“. Das verändert die Gesamtaussage der Geschichte allerdings nicht sehr, stattdessen macht es sie noch deutlicher. Den Zuschauer erwartet mit „Das Parfum“ ein sehr gut gemachter, wunderbar gespielter Film, dessen Anspruch nie auf Kosten der Unterhaltung geht. Unglaublich, was für gute und aufwendige Filme inzwischen wieder in Deutschland produziert werden. Bitte mehr davon!

Bild:
Die ersten Bilder des Filmes trügen: So schlecht ist die Bildqualität wirklich nur die ersten Sekunden. Danach freut man sich vor allen Dingen über die schöne Farbgebung. Leider rauscht der Film durchgehend, was besonders bei dunklen Szenen deutlich ins Gewicht fällt. Auch die Schärfe will für eine aktuelle Produktion nicht wirklich überzeugen. Hier wäre noch mehr drin gewesen, aber ich schätze, durch die Länge des Films und die vielen Extras auf DVD 1 war einfach kein Platz mehr vorhanden.

Ton:
Auch der Ton ist gut, aber leider nicht hervorragend. Besonders die Musik verteilt sich wunderbar harmonisch auf alle Lautsprecher, aber an direktionalen Effekten mangelt es (bis auf die Massenszenen) leider etwas.
Der englische und deutsche Dolby Digital Ton unterscheidet sich nicht, der DTS Ton fällt qualitativ seltsamerweise etwas ab (da er leiser abgemischt zu sein scheint). Den Speicherplatz hätte man sich sparen und lieber ins Bild investieren sollen.

 

Extras:
Bei der 2-DVD Premium Edition von das Parfum hat sich Constantin wirklich Mühe gegeben. So wartet sie mit einer großen Fülle an Extras sowie liebevoll gestalteten Menüs auf.

- Audiokommentar von Regisseur Tom Tykwer
- Audikommentar von Produktionsdesigner Uli Hanisch und Assisten Kai Karla Koch
- Audiokommentar von Kameramann Frank Griebe und Cutter Alexander Berner
- Filmografien der Darsteller
- Making of „Das Parfum“ (ca. 54min)
- Interviews mit Cast und Crew (ca. 40min)
- Motivsuche (ca. 11min)
- Visualisierung der Gerüche (ca. 13min)
- Kameraarbeit (ca. 11min)
- Deutsche Synchronisation (ca. 10min)
- Mischung Originalversion (ca. 3min)
- Die Düfte zum Film (ca. 10min)
- Trailer (The Dark, Brücke nach Terabithia, Hui Buh, Elemtarteilchen, Ask the Dust, Die Kinder des Monsieur Mathieu, Apoclaypto, Der Untergang, Step Up, die weiße Massai, La Vie en rose)

Die drei Audiokommentare sind alle in deutsch und bieten eine schier unendliche Fülle an Informationen. Allein schon deshalb lohnt sich der Kauf der DVD.
Die Filmografien sind wie immer geschenkt. Das Making Of, die Motivsuche, die Visualisierung der Gerüche, die Kameraarbeit, die Deutsche Synchronisation und die Mischung Originalversion sind alles aufwendig und liebevoll gemachte Dokus, die alle Aspekte der Dreharbeiten beleuchten und eigentlich fast keine Wünsche offen lassen. Auch wird man Gott sei Dank von dem sonst oft üblichen PR-Gequatsche weitgehend verschont.
Die Interviews mit Cast und Crew sind wieder sehr ausführlich, wurden aber teilweise schon in den Making Ofs gezeigt.

Die Düfte zum Film ist eine Werbesendung für eine Parfümkollektion, die ein französischer Hersteller für den Film herausgebracht hat. Na ja, wenn’s interessiert ... Zusätzlich zu den Extras bietet die DVD mit dem Spielfilm noch eine sehr gut gelungene Hörfilmfassung für Blinde.

 

FAZIT:
Schöner Film auf einer vorbildlich ausgestatteten DVD, die leider ein paar kleine Defizite beim Bild und Ton hat.

Bild - 7/10
Ton - 7/10
Bonus - 9/10
Film - 8/10


[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]