Nach dem farbenprächtigen Märchen „Moulin Rouge“ und dem zynisch genialen „Chicago“, war es lange Zeit ruhig um Musicalverfilmungen. Das ging anscheinend auch dem Drehbuchautor von „Chicago“ gegen den Strich, welcher sich sogleich an einem neuen Musical versucht. Die Rede ist von „Dreamgirls“, einem Broadway Musical, welches sich zuerst auf die große Leinwand begab und nun als Blu-Ray und DVD den Weg in die Wohnzimmer findet.
Originaltitel: Dreamgirls
Regie: Bill Condon
Darsteller: Beyoncé Knowles, Jamie Foxx, Eddie Murphy, Jennifer Hudson, Keith Robinson, Anika Noni Rose, Danny Glover
Laufzeit: 130
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Ton: DD 5.1 (Deutsch, Englisch), DD 2.0 Surround (Französisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2006
Erschienen: 21.06.2007
Vertrieb: Paramount Pictures
Preis: 17€
Film:
In den frühen Sechzigern in Detroit wollen drei junge Mädchen (Beyoncé Knowles, Jennifer Hudson, Anika Noni Rose) als die „The Dreamettes“ ganz groß rauskommen und nehmen an etlichen Talentwettbewerben teil. Curtis Taylor Jr. (Jamie Foxx), ein Autoverkäufer und Hobbymusikmanager, entdeckt die Mädels bei solch einer Talentshow und hat großes mit ihnen vor. Vorerst müssen sie sich allerdings erst als Backgroundsängerinnen des etablierten Rock ´n´ Roll-Stars James „Thunder“ Early (Eddie Murphy) bewähren. Curtis reicht dies aber nicht und will mehr. Da hilft es nur neue Märkte zu erschließen, da der Stil von James „Thunder“ Early ziemlich speziell und für Weiße auch etwas zu anzüglich daherkommt. Als „The Dreams“ bekommen sie nun also ihre Solochance, doch leider mit einem gehörigen Haken. So ist die Stimme von Leadsängerin Effie (Jennifer Hudson) zwar über jeden Zweifel erhaben, doch leider zu markant und kantig. Daher soll nun Deena (Beyoncé Knowles) als Leadsängerin fungieren, was natürlich bei Effi auf taube Ohren stößt. Sie macht trotzdem mit, doch nach ein paar Eifersüchteleien schmeißt sie das Handtuch. Effie taucht nun mit ihrer Tochter sechs Jahre unter, während Deena Curtis heiratet und beide Kohle ohne Ende scheffeln. Doch es kriselt immer mehr, da Curtis immer mehr die Zügel in die Hand nimmt und den künstlerischen Aspekt völlig in den Hintergrund schiebt. Es kommt ihm nur noch auf das schnelle Geld an.

Die Geschichte um die Dreamettes hat sich dabei einige Ahnleihen aus dem realen Leben geholt, da sie ziemlich an die Schaffensgeschichte von Diana Ross und den The Supremes erinnert. Geschickt und ziemlich unaufdringlich, wurden auch die Unruhen in Detroit und der Rassenhass im Film untergebracht. Auch das Label Rainbow wurde an das Motown Label angelehnt, welches als erstes schwarzes Plattenlabel dafür bekannt war, dass auch Weißen dessen Platten gekauft hatten. Dabei gibt es auch kleine Gastauftritte von Bands, welche z.B. an die Jackson 5 angelehnt wurden. Der Aufstieg der Mädels, der Schnitt in der Band und dann der Absturz wurden sehr gut und auch mehrschichtig inszeniert. Vor allem die Rolle von Jamie Foxx als fieser Manager wächst mit dem Film. Anfangs hasst er die großen Manager, wobei er später selbst deren Methoden annimmt. So dürfen seine Songs keine Massage haben, da sich solche Songs nicht verkaufen lassen. Und auch die Melodien sollten nicht zu komplex sein, damit man noch mehr Käuferschichten ansprechen kann. Leider merkt er nicht, dass er sich und sein Label mit seinen Geschäftspraktiken immer mehr zugrunde richtet. Auf der anderen Seite gibt es aber noch Effie, welche nach dem Rauschmiss im Gegenzug langsam wieder den Weg nach oben findet.
Die Inszenierung ist dabei steht’s Realtisch und nicht so ein bunter Overkill wie „Moulin Rouge“ oder ein spartanisches rot/schwarzes „Chigaco“. Auch die Musicalnummern beschränken sich nur auf die eigentliche Choreographie und bieten keine pompösen Bühnenbauten. Das will aber nicht heißen, dass „Dreamgirls“ eine langweilige Inszenierung hätte, denn bunt und farbenfroh ist „Dreamgirls“ dennoch. Wie in einem Musical typisch, wird die Geschichte hier anhand von Songs weitererzählt. Vor allem in der zweiten Hälfte nimmt dies überhand, was den Ottonormalseher wohl etwas abschrecken könnte. Diese vielen Gesangsnummern haben aber auch einen kleinen Vorteil, denn die Darsteller können in ihren Schauspielparts nicht alle überzeugen. Letztendlich sind es nur Jamie Foxx, Eddie Murphy und Jennifer Hudson (wurde durch eine „Americal Idol“ Staffel – dem US Pendant zu Deutschland sucht den Superstar – bekannt), welche sich wirklich ins Zeug legen und sich nicht nur Eindimensional von einer zur nächsten Gesangsnummer hangeln. So gibt Foxx den schmierigen Manager sehr gut und die Hudson singt, als würde ihr Leben davon abhängen! Eddie Murphy gibt dagegen als alternder Star und einer der großen tragischen Rollen des Filmes eine beachtliche Vorstellung ab. Denn letztendlich wird er nur benutzt und dann recht schnell wieder fallengelassen.
Jetzt hätte ich doch aber fast das wichtigste bei einem Musical vergessen. Die Musik! Während anfangs die Musik nur aus meist normalen Songs besteht, bekommt sie im zweiten Teil des Filme eine gewichtigere Rolle und erzählt auch die Geschichte weiter. Dabei hat der Soundtrack steht’s den gewissen Ohrwurmcharakter und konnte mich zumindest immer in ihren Bann ziehen. Am Ende des Filmes hab ich mir die einzelnen Songs auch immer wieder angehört und werde auch später immer mal wieder meinen Player mit der DVD füttern.

Bild:
Auf DVD macht der Film eine recht gute Figur und ist für DVD Verhältnisse ausreichend scharf. Leider scheint dem Bild die Farbe Rot etwas zu schaffen zu machen, da dies teilweise etwas zu stark ausblutet. Auch verschwinden ein paar Details ab und an in der Dunkelheit, was das Bild dem verbesserungswürdigen Kontrast verdankt.
Ton:
Beim Ton hat man eine englische und deutsche Dolby Digital 5.1 Tonspur zur Wahl. Dieser wurde jedoch sehr homogen auf alle Boxen verteilt und macht seine Arbeit sehr gut. Der französische Ton kommt übrigens nur in Dolby Digital 2.0 daher.
Bonus:
Alle Extras der Blu-Ray Fassung befinden sich auch auf der DVD, wobei es als zugabe noch eine Fotogalerie gibt. Auf der ersten Disc gibt es neben einem Musikvideo von Beyoncé auch noch alle Songs in voller Länge, was ich sehr lobenswert finde. Auf der zweiten Disc gibt es neben einem fast zweistündigen Making Of (man kann auch nur einzelne Teile daraus einzeln anwählen) noch ein paar Vorsprechen, ein paar Notizen aus der Vorproduktion inklusive Skizzen, Konzeptzeichnung und Storyboards. Abgerundet werden die Extras von Featurettes zu den Kostümen und der Bühnenausleuchtung. Das riesige Making Of ist aber leider nicht wirklich informativ und strotz nur so vor Marketing Gequatsche wie super und fabelhaft doch alle waren und überhaupt ist „Dreamgirls“ das Nonplusultra und alle Beteiligten die geilsten. Das Cover der DVD Veröffentlichung halte ich übrigens für etwas schwächer als das der Blu-Ray Veröffentlichung. Das Cover der Blu-Ray strahlt irgendwie mehr Glanz aus.

FAZIT:
Fans von Musicals werden hier ihre Freude haben, zumal „Dreamgirls“ realistischer daherkommt als ein „Moulin Rouge“ oder ein „Chigaco“. Der Aufstieg und der Zerfall der Band wurde sehr gut inszeniert und besitzt einen tollen Soundtrack. Die DVD ist ebenfalls recht gut geworden, wobei ich persönlich dennoch zur Blu-Ray greifen würde.
Bild – 8/10
Ton – 9/10
Bonus – 5,5/10
Film – 9/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Paramount Pictures zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]