Million Dollar Baby

22. August 2007

Million Dollar Baby

Wenn man an Clint Eastwood denkt, denkt man zwangsläufig zuerst an seine knallharten und brutalen Italowestern oder seine Rolle als Dirty Harry, welche das in meinen Augen geilste Filmzitat aller Zeiten beherbergt: "Go ahead, make my day!" Doch hat sich Eastwood wie kein anderer gewandelt und beglückte uns seit den 90ziger Jahren mehr mit einfühlsamen Dramen wie zuletzt „Mystic River“ oder seinem brillanten Spätwestern „Erbarmungslos“. Er schafft es wie kein anderer ohne bombastische Special Effekte oder sonstigem Blendwerk brillantes Kino zu machen und sein mehrfach Oscarprämiertes Werk „Million Dollar Baby“ stellte dies erneut unter Beweis.

Originaltitel: Million Dollar Baby
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman
Laufzeit: 132
FSK: 12
Sprachen: dts-HD (Deutsch, Englisch) Headphone-Surround (Deutsch)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2004
Erschienen: 17.08.2007
Vertrieb: Kinowelt/Arthaus
Preis: 26€


Film:
Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) ist der Inbegriff des White Trash mit nur einem Wunsch. Sie will eine erfolgreiche Boxerin werden und würde alles dafür tun! In Frankie Dunn (Clint Eastwood) glaub sie den richtigen Trainer gefunden zu haben und stellt sich vor. Nur hat Frankie nichts für Frauen im Boxsport übrig und hält Maggie zudem für viel zu alt. Sie lässt jedoch nicht locker und stellt sich einfach vor den Punchingball und trainiert. Frankie aber lässt sich nicht umstimmen, also muss sein langjähriger Freund und Weggefährte Eddie „Scrap-Iron“ Dupris (Morgan Freeman) ihr vorerst ein wenig unter die Arme greifen. Mit der Zeit lässt sich Frankie letztendlich aber doch auf Maggie ein und trainiert sie, nachdem er spürt das diese Frau sonst nichts anderes hat. Das Verhältnis wird im Sinne von Vater und Tochter immer enger, was Frankie eigentlich gar nicht so recht passt, aber die Einsamkeit beider lässt dies unweigerlich geschehen.



Wer allerdings ein Sportlerdrama oder einen Rocky Verschnitt erwartet, wird spätestens ab der Hälfte des Films eines besseren belehrt, doch dazu will und darf ich nichts verraten. In „Million Dollar Baby“ geht es nur vordergründig um den Boxsport, denn vielmehr geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Einsamkeit. Die Dialoge des Trios, und ganz besonders die Anfangs zynischen Bemerkungen Eastwoods, sind punktgenau getimed und passen steht’s. Die Kameraführung ist sehr spartanisch gehalten, genau wie die Ausleuchtung der Sets. Visuell und von den Dialogen her gibt es eigentlich nichts zu meckern, doch leider hat der Film mit einigen Klischees zu kämpfen die so hätten nicht sein müssen. So verdient Maggie als Kellnerin so wenig Geld, dass sie von den Resten der Kunden leben muss. Auch die Weltmeisterin auf die Maggie im Laufe des Filmes zwangsläufig trifft, hätte nicht wirkliche eine ehemalige DDR Nutte sein müssen...zudem ist sie dunkelhäutig. Nebenbei hat Maggie fast nie Probleme ihre Gegnerinnen innerhalb von Sekunden zu Brei zu schlagen.

Eastwood mimt den zynisches Trainer hervorragend und läuft im letzten Drittel zur Höchstform auf! Auch Freeman als Weiser Mann weis zu begeistern, aber der größte Respekt geht an Hillary Swank die sich neben den beiden Ursteinen keine Blöße gibt und wahrlich großes leistet. Eastwood hätte hier sein Lebenswerk abliefern können, den auch die Regie und der von ihm komponierte Soundtrack (lag ja der DVD Limited Edition bei) sind absolut erstklassig, doch leider machen ihm die kleinen Klischees einen Strich durch die Rechnung.



Bild:
Zwar beweißt Kinowelt beim „Million Dollar Baby“ Release, dass das schlechte Bild bei der Veröffentlichung von „Die Reise der Pinguine“ wirklich durch das mittelprächtige Ausgangsmaterial zustande kam, doch wirklich überzeugend ist das Bild der „Million Dollar Baby“ Blu-ray leider auch nicht. Das Rauschen hält sich zwar vornehm im Hintergrund, doch leider weis die Schärfe nicht vollends zu überzeugen, was zu Punktabzug führt. Dafür weis wiederum der Kontrast zu gefallen, was bei den vielen dunklen Szenen natürlich von Vorteil ist. Bei denn Kämpfen gibt es dann auch farbenprächtige Bilder in natürlichen Farben zu bestaunen.

Ton:
Hier kann man nicht viel negatives finden. Die Dialoge sind alle samt hervorragend zu verstehen und während der Boxkämpfe, kommt die Soundkulisse mit ihren tollen Umgebungsgeräuschen sehr stimmig rüber. Der tolle Soundtrack tut sein übriges.

Bonus:
Die Bonussektion beinhaltet die gleichen Extras der 2er Special Edition der DVD Veröffentlichung. Sprich es ist folgendes enthalten:
- "Zum Kämpfen geboren"
- Die Produzenten - Runde 15
- Gesprächsrunde mit James Lipton und den drei Hauptdarstellern
- Dokumentation über Clint Eastwood
- B-Roll
- TV-Spots, Trailer
Unter den ersten drei Punkten findet man nur Interviews, die nicht sonderlich aufregend sind, doch dafür weis die Reportage über Clint Eastwood zu gefallen. Unter B-Roll findet der Bonusfan ein Making Of zu einigen Boxszenen. Leider sind alle Extras nur in SD gehalten, was natürlich etwas schwach ist und auf die Wertung drückt.



FAZIT:
Zwischen all dem inspirationslosem Popcornkino, meist unwürdigen Comicverfilmungen und Remakes bekannter Streifen, bringt Clint Eastwood den Lichtblick. „Million Dollar Baby“ ist brillantes Schauspielkino mit drei super aufgelegten Darstellern und einem fast brillantem Drehbuch. Nur ein paar Klischees und die berechenbare Story – bis auf den Bruch in der Mitte – trüben etwas. Ein Drama, welches einen nicht unberührt lassen wird. Anschauen! Ich zumindest habe nun drei Versionen (Special Edition, Limited Edition und nun auch die Blu-ray Fassung) des Filmes zu Hause und bereue keine einzige. Die Blu-ray kann technisch zwar nicht vollends überzeugen, dennoch kann eine Empfehlung locker ausgesprochen werden.

Bild - 7,5/10
Ton - 10/10
Bonus – 5/10
Film - 9/10


[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Kinowelt/Arthaus zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]