The Host

02. September 2007

The Host
Der Film schlug in Südkorea mit einem Einspielergebnis von fast 100 Millionen Doller ein wie die sprichwörtliche Bombe. Damit avancierte der Blockbuster immerhin zum erfolgreichsten Film aller Zeiten in Südkorea. Nicht schlecht für einen Monsterfilm. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen 08/15 Monsterfilm, denn wie bei vielen koreanischen Filmen üblich, wurden auch hier wieder verschiedenste Genre miteinander vermischt.

Originaltitel: Gwoemul
Regie: Bong Joon-ho
Darsteller: Kang-ho Song, Hee-bong Byun, Hae-il Park, Doo-na Bae, A-sung Ko
Laufzeit: 115
FSK: 16
Ton: DD 5.1 (Deutsch), DD 2.0 (Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: 2
Bildformat: 1:1,78 (16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2006
Erschienen: 20.09.2007
Vertrieb: MFA+/Ascot Elite
Preis: 16€

Film:
Südkorea im Jahre 2000 in einer US-Militärbasis in Yonggsan. Ein US-Arzt befiehlt seinem asiatischen Assistenten eine nicht gerade geringe Menge an Giftstoffen in den Ausguss zu kippen (dies geschah im Jahre 2000 wirklich!). Nach anfänglichem Zögern befolgt der Assistent den Befehl. Von nun an nimmt das Unheil seinen Lauf, denn der Ausguss befördert die giftigen Chemikalien geradewegs in de Han Fluss. Zwei Jahre später entdecken dort zwei Fischer ein kleines seltsames Tier, welches ihnen leider wieder entfleucht. Dann gibt es einen Sprung ins Jahr 2006 und zeigt Kang-du (Kang-ho Song) im Kiosk seines Vaters bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem schlafen. Es ist ein recht schöner Herbsttag und am Han Fluss herrscht ein reges Treiben, als einige Picknickfreunde plötzlich an einer Brücke etwas hängen sieht. Nachdem sich das Tierchen ins Wasser hat fallen lassen, taucht es wenig später am Flussrand wieder auf und genehmigt sich ein paar Menschen zum Mittagessen. Nachdem sich das Monster ein paar Happen genehmigt hat, verschwindet es allerdings so schnell wie es gekommen war wieder im Fluss. Allerdings schnappt sich das Vieh noch die kleine Hyun-Seo, die Tochter von Kang-du. Nachdem die Army alle, welche Kontakt zu dem Monster hatten, in Quarantäne steckt, erhält Kang-du einen Anruf seiner Tochter. Leider glaubt nur die Familie an den Anruf und muss jedoch erst einmal aus der Quarantäne ausbrechen und dann kann die Sache in die eigene Hand genommen werden.


Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich bei „The Host“ nicht um einen schnöden 08/15 Monsterfilm nach bekanntem Raster, sondern richtet das Augenmerk mehr auf die Menschen und die Familie. Das Monster dient eher als Aufhänger, um die zerrüttelte Familiengeschichte aufzuarbeiten. So kämpft die Familie mehr mit den Medien, dem Militär und anderen Institutionen als mit dem eigentlichen Monster. Die unterschwellige Kritik hat Regisseur Bong Joon-ho sehr gut in den Film integriert. Vor allem die Amerikaner kommen nicht sonderlich gut weg und es gibt viele Anspielungen auf die Außenpolitik Amerikas. Aber auch deren Vergangenheit wird aufgearbeitet und somit erinnert die chemische Waffe im Film mit dem Namen „Agent Yellow“ nicht von ungefähr an Agent Orange. Wie damals wollen auch im Film die Amerikaner einem weismachen, dass die Chemikalie für alle völlig ungefährlich ist. In einer anderen Szene, wird Kang-du am Kopf operiert, während die Amerikaner davor eine fette Grillparty machen.

Ebenfalls für einen Monsterfilm untypisch, wird das komplette Monster bereits nach zirka 10 Minuten dem Zuschauer komplett vorgeführt und am Ende sind es keine Panzer oder Muskelbepackte Schwarzenegger Imitate, welche das Monster niederstrecken. Am Ende des Filmes steht eine ganz normale Familie dem Monster gegenüber, welche sich immer mehr zusammengerauft hat. Hier wirkt der Showdown auch irgendwie etwas planlos und tollpatschig, was die Sache aber auch realistischer macht. Auch kann ich sagen, dass nicht alle Hauptdarsteller überleben werden, was ebenfalls eher untypisch ist. In den meisten westlichen Monsterfilmen, kann man bereits am Anfang des Filmes sagen, wer überlebt und wer wann den Löffel abgibt. Hier geht es einem dagegen ziemlich nahe, da man sich auch sehr mit den Darstellern identifiziert.


Ich konnte dem Film allerdings nicht nur gutes abgewinne. Vor allem störte es mich etwas, dass es eigentlich keinerlei Schockeffekte gibt und der Spannungsbogen ebenfalls sehr stark abfällt. Letztendlich ist der Film doch mehr Familiendrama als Monsterfilm. Auch das gewohnte Overacting störte etwas, wobei die deutsche Syncro diesen Aspekt etwas Wind aus den Segeln nimmt. Gut dagegen gefiel mir, dass die Erzählweise nicht trocken ist, sondern wie schon bei „Save the green planet“ mit viel Augenzwinkern erzählt wurde. Teilweise artet das alles schon in Slapstick aus und ist für westliche Augen eher ungewohnt in traurigen Szenen solch eine Einlage zu sehen. Die Darsteller sind durch die Bank weg sehr gut und überzeugen durchweg mit einem tollen Schauspiel, sieht man vom Overacting etwas ab.

Abschließend will ich noch ein paar Worte über das Monsterdesign verlieren. Dies wurde von den Spezialisten von Orphanage unter der Aufsicht von Kevin Rafferty (MIB 2, Jurrasic Park) umgesetzt, welche schon bei Sin City und Harry Potter ihr Können demonstriert haben. Anfangs wollte der Regisseur zwar die Weta Studios verpflichten, doch die sagten glücklicherweise ab (ich fand die Effekte in den Herr der Ringe Filmen nie so prickelnd). Das Design und die Umsetzung finde ich ziemlich gut, da dass Monster nicht wirklich perfekt ist und man sieht, dass es nur 6 Jahre Zeit hatte sich so zu entwickeln. Vor allem an Land wirkt das Monster sehr unbeholfen, während es sich im Wasser perfekt bewegen kann. Die Effekte gehen auch weitestgehend in Ordnung und werden nur selten als CGI entlarvt. Nur beim Endkampf merkt man, dass die Leute von Orphanage etwas Probleme mit der Darstellung von Feuer hatten. Alles in allem für einen asiatischen Film sehr gut.


Bild:
Hier überzeugt die DVD leider nicht ganz, da dass Bild die gewisse Schärfe vermissen lässt. Auch wirkt mir das Bild immer ein wenig zu dunkel und der Kontrast weis ebenfalls nicht ganz zu überzeugen. Die Farben sind dafür wiederum recht gelungen.

Ton:
Der Soundtrack ist wirklich erstklassig und deckt mit Jazz und Klassik diverse Genre ab, wirkt einmal bedrohend und in einer anderen Szene eher belustigend und passt somit steht’s zur jeweiligen Situation. Der Soundtrack sowie die Soundeffekte kommen dabei sehr differenziert über alle Kanäle und wissen immer zu begeistern. Die deutsche Synrco kommt auch ganz gut daher und nimmt so ein bisschen das Overacting der Schauspieler aus der Stimme, welches im koreanischen Original sehr aufdrängend wirkt.

Bonus:
Es gibt ein paar interessante Extras auf der Disk, zumindest laut Überschrift, denn unverständlicher Weise, gibt es bei den Extras keinerlei Untertitel und ich verweise noch einmal darauf, dass es sich hierbei um eine koreanische Produktion handelt! Zum Glück sind einige Extras immerhin teilweise in Englisch und man bekommt dadurch wenigstens ein paar wenige Einblicke. Abgerundet werden die Extras durch den deutschen Kinotrailer von „The Host“ sowie drei Trailern aus dem MFA+ Programm.


FAZIT:
Ich gebe zu, dass ich bei „The Host“ etwas anderes erwartet hatte, als letztendlich über den Bildschirm flimmerte. Als der Film zu Ende war, war ich allerdings nicht enttäuscht, dass es sich hierbei um keinen normalen Monsterfilm gehandelt hat. Ich war eher positiv überrascht, dass es Bong Joon-ho geschafft hat, dem Genre neue Impulse zu geben. Zwar wirkt das Ende etwas unrealistisch, doch wollen wir mal ehrlich sein, ein einzelner Marine im Dschungel gegen einen „Pretador“ ist auch nicht gerade realistisch. Wer auf komplexere Filme und eine Genreverwurstelung steht, ist hier Gold richtig, alle anderen, welche nur einen Monsterfilm wollen, werden hier leider nur begrenzt glücklich werden. Enttäuschend sind dagegen die Extras, welche keine deutschen Untertitel besitzen, was bei einer koreanischen Produktion natürlich mehr als unverständlich ist.

Bild – 7/10
Ton – 9/10
Bonus – 3/10
Film – 8/10

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von MFA+/Ascot Elite zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]