Night of the shorts – European Award Winners

02. September 2007

Night of the shorts – European Award Winners
Kurzfilme sind leider ein ziemlich vernachlässigtes Genre, was sich dank dem Label „Kurts Filme“ endlich ändern soll. Diese veröffentlichen nun nach ihrer - mittlerweile fünfteiligen - Kurts Filme Reihe einige mit diversen Awards ausgezeichnete Kurzfilmen aus Europa auf einer DVD. Ob der Best Of Mix was taugt und in der Kürze auch Würze liegt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Originaltitel: Night of the shorts – European Award Winners
Regie: siehe Text
Laufzeit: 105
FSK: 12
Ton: alle Kurzfilme im jeweiligen Originalton
Untertitel: Deutsch, Englisch
Regionalcode: 2
Bildformat: von Vollbild bis hin zu diversen Breitbildformaten
TV-Norm: PAL
Produktion: 1998 - 2003
Erschienen: 2007
Vertrieb: Ascot Elite, W-film, Kurts Filme
Preis: 14€

Film:
Den Anfang macht der Film „J´attendrai le suivant“ (von Phillipe Orreindy) aus Frankreich mit einer Laufzeit von gerade einmal 5 Minuten. Ein Mann betritt die U-Bahn und hält einen Vortrag darüber, das er das Singledasein satt hat und endlich Mrs. Right treffen möchte. Während er von den meisten Fahrgästen Gelächter erntet, fühlt sich eine Frau angesprochen und mit jedem weiteren Wort wird ihr wärmer ums Herz. Selbst der Zuschauer wird schnell überzeugt, amüsiert sich prächtig und man weis, dass die Oscarnominierung 2003 berechtig war.


Als zweiten Betrag findet sich der intalienische Kurzfilm „Goodbye Antonio“ (von Michael Zampino) mit einer Laufzeit von 20 Minuten auf der DVD. Hier geht es um die Orientierungslosigkeit einen kleinen Ehestreit. Nach langen Jahren in der steht’s gleichen Firma, steht die Pension an und als Geschenk gibt es eine Reise in die Ferne. Genauer gesagt New York! Wirklich begeistert ist Antonio nicht, immerhin hat er sein geliebtes Dorf noch nie verlassen. Letztendlich begibt er sich mit seiner Frau doch auf die Reise und bekommt sogleich Probleme beim amerikanischen Zoll und die Sprachbarriere lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Leider schwächelt der Film in der Mitte etwas, was auf einen zu ausführlichen Ehestreit zurückzuführen ist. Erst am Ende bekommt der Regisseur noch die Kurve, doch da ist es leider schon zu spät. Ein netter Film, mehr aber auch nicht.

Mit „The most beautiful man in the world“ (von Alicia Duffy) erwartet uns der schwierigste Beitrag der DVD. Der mit 6 Minuten recht kurze Film aus Großbritannien zeigt ein kleines Mädchen, wie es sich langweilt bis ein Mann auftaucht und ihr ein Insekt von der Schulter entfernt. Daraufhin beordert die Mutter ihr Kind zurück ins Haus, während der Mann alleine auf dem Feld zurück bleibt. Der Film ist wirklich sehr schwer zugänglich und ich muss zugeben, dass ich den Zugang nicht gefunden habe und eine Menge Fragen übrig blieben.

Mit „Beans“ (von Lieve Vets) aus Belgien kommen wir nun zum ersten Animationfilm der Kurzfilmsammlung. Dabei wurde die gleiche Technik wie bei den „Wallace & Gromit“ Filmen angewendet, auch wenn die Animationen dabei nicht so flüssig und detailreich geworden sind. Hier geht es um Jim, welcher dem wohlwollenden Duft leckerer Bohnen nicht widerstehen kann und sich einen Teller voll genehmigt. Leider kommt hier das Sprichwort „Jedes Böhnchen ein Tönnchen“ voll zum Einsatz und Jim pustet ordentlich aus dem Hinterteil wohl duftende Gase. Wieder zu Hause wartet auch schon das Eheweib mit einer Überraschung auf Jim, welche es wirklich in sich hat und dem Zuschauer ein Schadenfrohes Lächeln beschert. Ein kleines herrliches Filmchen, welches wirklich Spaß macht.


Weiter geht es mit poetischen Bildern. Der slowenische Kurzfilm „Adrian“ (von Maja Weiss) ist 15 Minuten lang und wartet ohne Dialoge auf. Es geht um eine Mutter und ihren Sohn, welche an der Adria ihren Urlaub verbringen. Die Beziehung ist dabei sehr innig, wird jedoch von einem Sunnyboy gestört. Raus kommen ein Urlaubsflirt für die Mutter und ein Eifersüchtiger kleiner Junge. Den kompletten Film durchzieht ein Siebziger Jahre Flair, welches sehr schön passt. Leider kann der Film aber nicht die komplette Laufzeit über begeistern und zieht doch etwas in die Länge.

Bei „Flatlife“ (Jonas Geirnaert) handelt es sich um ein kleines persönliches Highlight von mit. Der Elfminütige Animationsfilm aus Belgien zeigt immer vier Wohnungen gleichzeitig mit die darin wohnenden Personen. Dabei wird sehr überzeichnet dargestellt, wie sich bestimmte Aktionen auf die umliegenden Wohnungen auswirken. Dies führt natürlich zu einer Reihe von lustigen und komischen Ereignissen und wird dabei auch nie langweilig. Das ganze Endet in einem sehr witzigen Finale.

Der vorletzte Beitrag der Sammlung kommt aus Spanien, läuft 13 Minuten und heißt „Mariposas de Fuego“ (von Luis Prieto). Es geht um eine hübsche Spanierin, welche von ihrem Vater vergewaltigt wurde und eine große Dummheit begannen hat. Des Weiteren gibt es noch einen jungen Nordafrikaner, welcher sich illegal in Spanien aufhält und keinerlei Hoffnung hat. Beide sitzen nun in einem Abbruchhaus vor einem Lagerfeuer und erzählen sich gegenseitig ihre Geschichten. Daraufhin freunden sich beide an und geben sich so neue Hoffnung. Der Film kommt zwar sehr poetisch daher und versprüht auch die gewünschte Hoffung, welche der Regisseur erreichen wollte, doch irgendwie kommt der Film zu zaghaft rüber. Insgesamt dennoch sehenswert.

Kommen wir nun zum letzten und zugleich auch besten Beitrag der Kurzfilmsammlung. Der dänische Film „The charming man“ (von Martin Strange-Hansen) ist zugleich auch mit 29 Minuten der längste Film. Es geht um den arbeitlosen Lars Hansens, welcher endlich wieder Aussicht auf einen Job hat. Bevor er diesen Job allerdings antreten kann, muss er erst in ein Job Programm des Arbeitsamtes aufgenommen werden. Hier kommt es allerdings zu einer Bürokratischen Verwechslung und die ID von Lars wird mit der ID des pakistanischen Einwanderers El Hassan verwechselt. Statt der Bestätigung seiner staatlichen Unterstützung, wird er aufgefordert an einem Sprachkurs für Dänisch teilzunehmen. Dabei erfährt er zusätzlich, dass seine Jugendliebe Ida als Sprachlehrerin angestellt ist und um ihren neuen Job fürchten muss. Wird die Klasse nämlich nicht voll, wird dass Sprachprogramm eingestellt. Dies kann Lars natürlich nicht mit ansehen und klebt sich einen Schnurrbart ins Gesicht. Zusätzlich noch etwas Gesichtsfarbe und schwarze Farbe und fertig ist der neue El Hassan. Dabei findet Ida ihn mit der Zeit immer sympathischer und verliebt sich auch in ihn … also El Hassan. Denn Lars an sich wird Ida immer unsympathischer und sie unterstellt ihm auch Rassismus. Dies alles wurde sehr spritzig umgesetzt und die beiden Charaktere wachsen einem schnell ans Herz. Alles wurde zudem sehr überspitzt dargestellt, wirkt aber dennoch glaubhaft, auch wenn das Ende dann etwas kitschig ausfällt. Dabei werden viele kritische Themen wie Rassismus, die undurchsichtige und langwierige Bürokratie sowie Arbeitslosigkeit gekonnt eingefügt und angesprochen. Über die gesamte Laufzeit wird der Kurzfilm nie langweilig und überzeugt durch tollen Witz. Ganz klar das Highlight dieser DVD!


Bild:
Hier schwankt das Bild natürlich von Beitrag zu Beitrag. Während der Film „Adrian“ wie ein Siebziger Jahre Film mit für diese Zeit typischen Farben und auch gewollten Verunreinigungen daherkommt, überzeugt „This charming man“ mit einem DVD würdigem Bild.

Ton:
Jeder Film kommt im Originalton daher und es gibt keine deutsche Synchronisation. Die Sprecher sind dabei immer gut zu verstehen und auch der restliche DD 2.0 Ton geht in allen Filmen in Ordnung. Für solche Filme alles ausreichend.

Bonus:
Leider gibt es keinerlei Bonusmaterial auf der Scheibe. Dabei wären Infos über die Entstehung solcher Filme recht interessant. Nur ein paar Trailer aus dem KurtsFilme Programm findet der Käufer auf der DVD.



FAZIT:
Die Kompilation ist recht gut, auch wenn nicht alle Beiträge begeistern können. Wirklich erstklassig sind eigentlich nur die Verwechslungskomödie „The Charming Man“, der bitterböse Beitrag „J´attendrai le suivant“ und der Animationsfilm „Flatlife“. Der Rest überzeugt nicht durchweg, ist jedoch auch nicht wirklich schlecht. Für eine Kompilation mit solch einem großen Namen, hab ich dennoch mehr erwartet. Kurzfilmfans werden dennoch ihre Freude an der DVD haben.

Bild – 5/10
Ton – 7/10
Bonus – 0,5/10
Film – 7/10

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]