Wer kennt sie nicht, die „Schulmädchen Report\" Teile und andere Filme, die in den 60er und 70er scheinbar für Aufklärung sorgen sollten, aber eigentlich nur eine Fleischbeschau ersten Ranges waren? Endlich nimmt sich mit „Pornorama\" eine Komödie dieses Themas an...
Regie: Marc Rothemund
Darsteller: Benno Fürmann, Tom Schilling, Karoline Herfurth, Michael Gwisdek
Laufzeit: 90min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DD 5.1 (Deutsch); DTS 5.1 (Deutsch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,85:1 (Anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2007
Erschienen:2008
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 19€
Film:
Nach dem recht sympathischen „Weißt was geil wär...?!\" ist „Pornorama\" nun schon der zweite deutsche Film 2007, bei dem es sich um die Amateurproduktion eines Spielfilms handelt. Es geht um den jungen Polizeianwärter Benjamin (Tom Schilling), der sich von seinem großen Bruder Freddie (Benno Fürmann) Ende der 60er Jahre dazu überreden lässt, als Regisseur einen Sexfilm zu drehen. Schließlich ist durch „Schulmädchen Report\" und co. zu der Zeit eine Menge Kohle in diesem Genre zu verdienen. Natürlich klappt das alles nicht so einfach wie vorgestellt und problematischer Weise hat sich Benjamin in die rebellische Kommunardin Luzi (Karoline Herfurth) verliebt. Und die darf auf keinen Fall rauskriegen, dass er eigentlich bei der Polizei arbeitet und was er da genau für einen Film dreht...

Was auf dem Papier noch ganz interessant klingt, entpuppt sich leider ganz schnell als Rohrkrepierer. Schade, hätte sich die Sexfilmwelle der späten 60er und 70er doch perfekt für eine augenzwinkernde Komödie geeignet. Aber das Drehbuch nutzt dieses Potential leider überhaupt nicht, das Thema Sexfilm wird allerhöchstens als Aufhänger verwendet. Doch statt Erotik, irgendeiner Form von Auseinandersetzung mit dem Genre oder wenigstens platter Sexwitze spielt das Thema schnell überhaupt keine Rolle mehr. Der Film könnte sich genauso gut um Dokumentar- oder Actionfilme drehen und zu jeder anderen Zeit spielen, für die Story würde das keinen Unterschied machen. Schade, denn so hat der Film schon seine größte Chance verspielt. Aber trotzdem könnte er dem Zuschauer ja noch eine spritzige Komödie zum Thema Filme drehen bieten. Aber auch hier: Fehlanzeige. Die Filmproduktion wird oberflächlich und unrealistisch behandelt. Klar, dass keiner hier einen wirklichkeitsnahen, detaillierten Ablauf eines Filmdrehs erwartet, aber wenigstens etwas könnte man der Realität schon verhaftet sein. Immerhin ist eine Sexfilmproduktion der Titel und das Thema des Films!
Es bleibt die Liebesgeschichte zwischen Luzie und Benjamin, einem in einer Kommune lebenden Fast-Hippie und einem Polizeianwärter. Das böte doch reichlich Konfliktpotential und einen ironischen Blick auf die 60er Jahre. Oder auch nicht. Stattdessen eine platte Liebesgeschichte mit den üblichen Eckpunkten, die jeder schon einmal so gesehen hat. Ein mittelmäßiges Drehbuch ist das eine, die Inszenierung das andere. Und leider muss man Regisseur Marc Rothemund hier ein Totalversagen bescheinigen. Man muss es wirklich selber sehen, um es zu glauben, aber „Pornorama\" ist so zäh, dass die Metapher „Zäh wie Kaugummi\" schon eine Beschönigung darstellt. Die Szenen beim Filmdreh sind das Langweiligste, was der deutsche Film in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Aber wer weiß, vielleicht wollte der Regisseur ja das Feeling einer echten Filmproduktion einfangen und die ist nun mal für Außenstehende den Großteil der Zeit langweilig. Man kann nur sagen: Schade. Schade, um das interessante Thema. Schade, um die engagierten und zum Großteil begabten Schauspieler. Schade, um das Geld, welches Bernd Eichinger und diverse Filmförderungen in so einen Gähner gepumpt haben. Und Schade, um die 90 Minuten, die dem Zuschauer niemand zurück gibt.

Bild:
Die Bildqualität ist ausgezeichnet. Bis auf einen minimalen Defizit bei der Schärfe, die noch ein klein wenig knackiger ausfallen könnte, gibt es keine Kritikpunkte. Satte Farben, ein detailreiches Bild, keine Störungen, Kompressionsprobleme oder ähnliches und ein ruhiger Bildstand - Was will man mehr?
Ton:
Auch der Ton kann punkten und nutzt die sechs Boxen wann immer es die Komödie zulässt. So erwarten den Zuschauer ein satter Bass und einige direktionale Effekte. Die DTS Spur ist wie so oft etwas lauter, weist aber sonst keinen Unterschied zum Dolby Digital Ton auf.
Bonus:
Das Bonusmaterial wirkt auf den ersten Blick umfangreich, kann aber leider nicht mal ein Making Of bieten.
-Interviews (19:02min)
-Outtakes (2:57min)
-Deleted Scenes (19:07min)
-Darstellerinfos
-Blick hinter die Kulissen (4:36min)
-Musikcollage (2:33min)
-Trailer (Sissi und der wilde Kaiser; Freche Mädchen; Kein Bund fürs Leben; Beste Zeit; Das Parfum; Elementarteilchen; Vom Suchen und Finden der Liebe; Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken)
Die DVD enthält Interviews von sieben der Schauspieler und dem Regisseur, die in kurzen 2-3 Minuten Schnipseln von dem Dreh oder den Intentionen des Films erzählen. Das ist sogar interessanter als der Film.
Die Outtakes sind wie immer nett anzuschauen und diesmal stellenweise sogar ganz witzig.
Die Deleted Scenes haben ihren Namen wirklich verdient und zeigen 20Minuten wirkliche Handlungserweiterungen. Ob man die bei einen eh schon langweiligen Film wirklich braucht ist eine andere Frage, aber wer will erhält so immerhin die Möglichkeit, noch tiefer in die Story einzutauchen.
Der Blick hinter die Kulissen zeigt 4 ½ Minuten unkommentiertes, wahllos zusammengestelltes Material vom Dreh.
Was das Extra „Musikcollage\" soll - Man weiß es nicht. Zu einem flippigen Oldie werden Szenen aus dem Film gezeigt. Wie ein Trailer ohne Handlung, nur noch sinnloser.

FAZIT:
„Pornorama\" ist nicht richtig schlecht, nur unglaublich träge und ideenlos. Schade um das schöne Thema. Die DVD ist technisch super umgesetzt, bloß an den Extras mangelt es.
Bild - 9/10
Ton - 8/10
Bonus - 6/10
Film - 4/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Constantin zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]
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Gewinnspiel
Dank Highlight, ist es uns wieder einmal möglich drei DVDs an euch weiterzugeben. Ihr müsst nur die Frage richtig beantworten und mit ein bisschen Glück, wird eine der DVD bei euch im Briefkasten landen.
1. Wie hies die wohl berühmteste Aufklrärungsdoku in den 60er und 70er Jahren in Deutschland?
a) O mei, haben die Ostfriesen Riesen
b) Schulmädchen Report
c) Zum Gasthof der spritzigen Mädchen
Schick die hoffentlich richtige Antworte bitte an: shagy@onpsx.de
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und Mitarbeiter dieser wunderschönen Seite und dürfen ebenfalls nicht teilnehmen. Die Gewinner werden schließlich auf der Seite OnPSX.de bekannt gegeben.
Einsendeschluss ist der 12.05.08.