Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

30. April 2008

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

Ben Affleck zählt dank Filmen wie „Pearl Harbor\", „Armageddon\" und „Daredevil\" nicht gerade zu meinen Lieblingsdarstellern. Auf der anderen Seite, hat er mit „Good Will Hunting\" bewiesen, dass er hinter der Kamera durchaus Qualitäten besitzt. Nicht umsonst gewann er für das Drehbuch zu „Good Will Hunting\" einen Oscar. Nun hat er mit „Gone Baby Gone\" sein Regiedebüt abgeliefert und ich war auf das Ergebnis wirklich gespannt, zumal die Buchvorlage von Dennis Lehane (schrieb auch den Roman „Mystic River\") stammt.

Originaltitel: Gone Baby Gone
Regie: Ben Affleck
Darsteller: Morgan Freeman, Casey Affleck, Michelle Monaghan, Ed Harris, Robert Wahlberg, Mark Margolis, Michael K. Williams, John Ashton, Amy Ryan
Laufzeit: 114
FSK: 16
Ton: dts 5.1 (Deutsch, Italienisch), PCM 5.1 unkomprimiert (Englisch), DD 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch), DD 2.0 (Audiokommentar Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Englisch für Hörgeschädigte
Regionalcode: B
Bildformat: 1,85:1 in16:9
TV-Norm: 1080p VC-1 (ca. 25Mbit/s)
Produktion: 2007
Erschienen: 17.04.2008
Vertrieb: Walt Disney Home Entertainment
Preis: 29€

Film:
Nachdem in einem heruntergekommenen Stadtteil von Boston die vierjährige Amanda McCready (Madelain O´Brien) spurlos verschwindet und die Polizei recht hilflos dasteht, beauftragen Amandas besorgte Tante Bea (Amy Madigan) und ihr davon wenig begeisterter Ehemann Lionel (Titus Welliver) das Detektivpärchen Patrick und Angie. Ihre Hoffnung dabei ist, dass die Beiden aus der Nachbarschaft mehr Infos bekommen können, als die Polizei, die hier kein allzu großes Ansehen besitzt. Zwar ist der Polizei Chef (Morgan Freeman) nicht sonderlich angetan davon, stellt den Beiden aber letztendlich die Ermittler Bressant (Ed Harris) und Poole (John Ashton) zur Seite. Das Engagement der zwei Schnüffler fruchtet erstaunlich schnell und man verdächtigt recht bald einen örtlichen Drogendealer. Mit zunehmender Recherche wird der Fall allerdings immer verzwickter und Patrick muss Entscheidungen fällen, welche sein und das Leben anderer für immer verändern wird ...

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„Gone Baby Gone\" punktet vor allem bei der Authentizität und dem sehr realistischen Look der Stadt. Boston wirkt sehr lebendig, aber auch nie künstlich. Die Kamera fängt das Geschehen steht\'s realitätsnah ein (auf ein künstlich schmutzigeren Look wurde zum Glück verzichtet), was vor allem auch dem Treiben der Statisten zu verdanken ist. Dabei besitzt der dreckige und heruntergekommene Stil des Stadtteils dennoch den gewissen Charme der Vertrautheit.

Während die erste Hälfte gekonnt die Vorarbeit für die zweite Hälfte des Filmes leistet, wird dem Zuschauer mit zunehmender Laufzeit klar, dass neben der Story noch etwas anders den Film bestimmt. Der Hauptdarsteller muss zwei mal eine wichtige Entscheidung treffen, doch was richtig und was gerecht ist, verwischt zusehends und kann nicht mehr deutlich voneinander getrennt werden. Das dabei noch mit der Entführung eines Kindes ein sehr kontroverses Thema gewählt wurde, sorgt zusätzlich am Ende für ordentlich Gesprächsstoff.

Die Darsteller machen ihre Sache auch sehr gut. Vor allem Ed Harris als Bressant und Amy Ryan als „White Trash\" Mutter können überzeugen. Dabei kann man Amy Ryan gewisse Sympathien nicht absprechen, wobei auf der anderen Seite große Antipathien existieren. Die Oscar-Nominierung ist letztendlich mehr als gerechtfertigt. Nur Casey Affleck kann nicht vollends überzeugen, da er ab und an etwas ausdrucksschwach rüberkommt.

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Bild:
Viel zu meckern gibt es nicht. Die Schärfe ist bei Nahaufnahmen wirklich sehr gut und zeigt viele Details. Leider trifft dies nicht auf zu dunkle Szenen zu, welche mit Detailverlust und etwas zu starken Filmkorn zu kämpfen haben. Auf der anderen Seite weis der Kontrast zu überzeugen wie auch die Plastizität. Das Bild wirkt auch etwas farbarm, doch dies ist beabsichtigt und unterstütz die allgemeine Stimmung des Filmes.

Ton:
Zwar handelt es sich hier um einen eher dialoglastigen Film, dennoch werden alle Kanäle gut mit einbezogen und es kommt auch zu vielen direktionalen Effekten. Aber auch in Actionszenen ist die Abmischung richtig gut und kann vollends überzeugen! Leider ist die PCM Tonspur wieder nur in Englisch abgelegt.

Bonus:
Die Extras sind alle recht kurz geraten und geben nicht sonderlich viele Infos über die Produktion preis. Die zwei Features in 1080i schneiden ein wenig die Besetzung an und zeigen auch, warum man Boston als Handlungsort wählte. Wer mehr wissen möchte, sollte sich hier den Audiokommentar anhören. Abgerundet wird alles durch einige zusätzliche Szenen, welche allerdings nur in SD Auflösung vorliegen. Hier gibt es dann auch ein alternatives Ende, welches mit einem kontroversen Monolog endet. Startet man die Disc, gibt es zudem noch einige Trailer aus dem Walt Disney Programm zu sehen.

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FAZIT:
Mit „Gone Baby Gone\" lieferte Affleck in seinem Debüt einen wirklich erstaunlich guten Suspense Thriller ab. Die Inszenierung und Erzählweise ist herausragend und zeigt nach Filmen wie „Mystic River\" oder auch „Als das Meer verschwand\" das es hinter den Fassaden teilweise ganz schön bröckeln kann. Nichts ist, wie es auf dem ersten Blick scheint und wartet letztendlich mit einem bösen Erwachen auf. Das Ende des Filmes ist phänomenal und man stellt sich die Frage. Was ist Recht, aber was ist Richtig? Einziger Kritikpunkt des Filmes ist leider wieder ein Affleck, den Ben\'s Bruder Casey scheint etwas mit der Hauptrolle überfordert. Dennoch ist „Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel\" für Freunde des anspruchvollen Kinos ein Muss und in Zukunft wünsche ich mir Ben Affleck lieber hinter, als vor der Kamera.

Bild - 9/10
Ton - 9,5/10
Bonus - 7/10
Film - 9/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Walt Disney Home Entertainment zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]