Trash TV wird seit langem im deutschen Fernsehen großgeschrieben und allerlei Reality Schott tummelt sich auf jedem erdenklichen Sendeplatz. Hans Weingartner versucht uns nun über die Auswirkungen aufzuklären, während wir versuchen zu klären, ob Weingartner an seinen Hit „Die fetten Jahre sind vorbei\" anknüpfen kann.
Originaltitel: Free Rainer
Regie: Hans Weingartner
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Elsa Sophie Gambard, Simone Hanselmann, Gregor Bloéb, Urs Conradi, Thomas Jahn, Irshad Panjatan
Laufzeit: 124
FSK: 12
Ton: DD 5.1 (Deutsch) DD 2.0 (Audiokommentar)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,85:1 (anamorph / 16:9)
TV-Norm: Pal
Produktion: 2007
Erschienen: 26.06.2008
Vertrieb: Kinowelt
Preis: 17€
Film:
Trash Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) hat solch erfolgreiche Formate wie „Hol dir das Superbaby\" erfunden, wo derjenige gewinnt, dessen Sperma am schnellsten ist. Genau das richtige für die Unterschicht und zum Kohle scheffeln. Als ihm eines Tages jedoch die junge Pegah (Elsa Sophie Gambard) mit voller Absicht ins Auto rast, um ihn zu töten, wandelt sich seine Lebenseinstellung. Pegah verlor nämlich durch ein TV Format von Rainer ihren Großvater und einzigste Bezugsperson. Der von nun an geläuterte Rainer versucht nun mit anspruchsvollem Fernsehen sein Leben zu ändern. Doch wie zu erwarten war, floppt sein neues Format brutalst und wird sogleich wieder abgesetzt. Rainer fühlt sich als Opfer einer Verschwörung und glaubt, dass die Quoten alle manipuliert sind. Leider muss er feststellen, dass die Quoten echt sind und Deutschland wirklich dieses Müll Fernsehen sehen will. Daraufhin manipuliert er mit Hilfe diverser Hart4 Empfänger selbst die Quoten, was erstaunliches zu Tage bringt.

Der Film startet am Anfang voll durch und zeigt einen zugekoksten und unter Alkohol stehenden Moritz Bleibtreu als Rainer, wie er mit seinem Sportwagen Rücksichtslos durch die Berliner City rast. Nach einem Auffahrunfall zückt er sogleich noch seinen Baseballschläger und imponiert dabei sogar ein paar Glatzen. Leider schaltet der Film dann mehrer Gänge runter und verliert auch sonst an Spritzigkeit. Die Story wirkt zu konstruiert und wurde zudem noch mit den üblichen deutschen Komödienklischees bedacht. Zudem kommt alles recht vorhersehbar daher und lässt Spannung vermissen. Auch ist der Wandel von Bleibtreu nicht wirklich glaubwürdig und die daraus resultierende Traumsequenz recht lächerlich. Das einem die Medienkritik zudem noch mit dem Holzhammer eingebläut wird, gibt dem Film fast den Rest. Während man bei Weingartners Film „Die fetten Jahre sind vorbei\" noch selber denken durfte, übernimmt dies nun der Regisseur selbst. Warum muss man alles vorgepredigt bekommen? Es schein so, als ob er mittlerweile selber glaubt, dass das deutsche Fernsehen alle verdummt hat. Was bleibt ist eine durchschnittliche Komödie, welche hinter den Erwartungen an den Regisseur deutlich zurückbleibt. Zwar gibt es ein paar Szenen, welche wenigstens etwas bissig daherkommen, um einer Satire gerecht werden, doch leider gibt es solche Momente viel zu selten.

Bild:
Zu meckern gibt es hier nicht viel. Die Schärfe ist sehr gut und auch die Farben kommen sehr natürlich zu Geltung. Das einzigste was stört sind die auftretenden Rauschmuster. Am Kontrast gibt es ebenfalls nichts weiter zu beanstanden.
Ton:
Viel Raumklang sollte man von solch einem Film natürlich nicht erwarten. Die Abmischung ist aber recht gut geworden und alle Dialoge sind immer hervorragend zu verstehen. Auch Tonaussetzer sucht man vergebens. Sehr schön ist auch der Soundtrack, welcher immer gut passt.
Bonus:
Das Highlight ist hier der Audiokommentar, welcher ab und an mehr Gesellschaftskritik äußert als der Film an sich. Die Interviews kann man leider getrost links liegen lassen, da diese nicht sonderlich informativ sind. Das Making Of hat hier leider das Problem, dass es recht kurz geworden ist und daher auch recht uninteressant. Sehr schön sind auch die drei vorhandenen Kurzfilme, welche recht interessant die Fernsehlandschaft und ihren Einfluss zerlegen. Abgerundet wird alles durch ein paar witzige Outtakes, ein paar Premierenfeiern, einer Fotogalerie und den gewohnten Trailer.

FAZIT:
Nach dem Hit „Die fetten Jahre sind vorbei\" habe ich mir echt viel von der Mediensatire „Free Rainer\" erhofft. Leider verpuffte die Hoffnung recht schnell und wich der Ernüchterung. Der Film fängt recht stark an und hat auch einige gute Momente, doch die Längen im Mittelteil und der Holzhammer verhindern eine höhere Wertung. Das die Charaktere recht blas bleiben, tut sein übriges.
Bild - 9/10
Ton - 9/10
Bonus - 7/10
Film - 6/10
[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Kinowelt zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]