Cloverfield

01. September 2008

Cloverfield

Blairwitch Project war gestern...

Originaltitel: Cloverfield
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Lizzy Caplan, Jessica Lucas, T.J. Miller, Michael Stahl-David
Laufzeit: 81min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Ton: DD 5.1 (Deutsch; Englisch, Türkisch)
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,78:1 (Anamorph / 16:9)
TV-Norm: PAL
Produktion: 2008
Erschienen:2008
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 15€

Film:
New York, eine ganz normale Nacht. Mitten in Manhattan findet eine Abschiedsparty statt. Doch plötzlich erschüttern mehrere Explosionen die Stadt, Panik bricht aus, die Leute fliehen auf die Straße. Dort herrschen Zustände wie nach einem terroristischen Anschlag: Gebäude stürzen zusammen, Menschen rennen, schreien, sterben. Die Ursache des Chaos ist ein riesiges Monster, welches eine Spur der Verwüstung durch die Stadt zieht und in seiner Zerstörungswut keine Grenzen kennt. Die einzige Möglichkeit zu überleben ist, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen ...

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Klingt nach Godzilla, ist aber ganz anders. Cloverfield ist ein Film, wie er wohl nur nach dem elften September entstehen konnte. Weit entfernt von trashig-naiven Zerstörungsorgien wie „Independence Day\", bietet er nervenzerreißenden Terror pur. Das Besondere dabei ist, dass er ähnlich wie „Blairwitch Project\" quasi aus der subjektiven Perspektive einer der Flüchtlinge gefilmt wurde, der die Anfangsparty auf Video aufnehmen wollte. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Inszenierung auf alle sonst gängigen Mittel verzichtet und ein äußerst chaotisches Bild der Zerstörung zeichnet. Da gibt es ewig lange Szenen scheinbar ohne Schnitt, dann werden ganze Passagen komplett weggelassen und man erfährt nur durch Gespräche der Charaktere davon und schließlich passieren wichtige Dinge außerhalb des sichtbaren Bildbereiches - in einem gewöhnlichen Film undenkbar! Wenn man sich mit dieser Inszenierung erst mal abgefunden hat, was schon ein paar Minuten dauert, wird man förmlich ins Geschehen hineingezogen und erlebt die Todesangst und Panik der New Yorker haut nah. Nicht nur zufällig erinnern viele Szenen und Kameraeinstellungen an die Amateurvideos von den Anschlägen auf das World Trade Center.

So lässt „Cloverfield\" dem Zuschauer keine Atempause und hetzt in seiner kurzen Laufzeit von einer Katastrophe zur nächsten, das Credo scheint „alles muss immer schlimmer werden\" gewesen zu sein. Informationen über die Herkunft des Monsters oder die Rolle des Militärs in der ganzen Geschichte erfährt man nicht, man sieht und hört nur das, was der Kameramann aufgenommen hat. Das Ende ist schließlich pessimistisch und lässt großen Raum für Fortsetzungen und Spekulationen, ist jedoch trotzdem nicht unbefriedigend.

Doch die Tour de Force durch alle Grundängste der Menschheit hat leider auch Schattenseiten. So sind die Teeniecharaktere nicht sonderlich interessant und die Exposition auf der Abschiedsfeier etwas zu lang geraten. Stellenweise hat man zu Beginn das Gefühl eine Soap und nicht einen Katastrophenfilm zu sehen. Aber nach spätestens einer viertel Stunde ist das alles vergessen und „Cloverfield\" zieht einen in seinen Bann.

Eine besondere Erwähnung muss überdies den exzellenten Spezialeffekten gelten: Mit einem für so einen Film äußerst geringen Budget (ca. 30 Millionen), bietet der größtenteils vorm Blue Screen gedrehte „Cloverfield\" perfekte, atemberaubende CGI-Effekte die man selbst in Big Budget Movies so nur selten zu sehen bekommt.
„Cloverfield\" ist durch und durch ein Film der Zeitgeschichte, ein Film unserer Generation, der wahrscheinlich mit den Jahren an Faszination verlieren wird. Aber im Moment gibt es kaum einen Streifen, der die allzeit präsente Terrorangst besser einfängt.

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Bild:
Für einen Film, der fast komplett nachts spielt, sind natürlich besonders die Kontrastwerte wichtig. Und hier leistet sich die DVD keinerlei Fehler. Egal wie dunkel es ist, der Zuschauer erkennt immer genug und nie driftet das satte schwarz in ein matschiges Grau ab. Die Bildschärfe ist okay, aber da ist trotzdem noch Raum nach oben. DVDs wie „Roadtrip\" zeigen, was für ein Detailreichtum auch auf einer DVD noch möglich ist. Bei „Cloverfield\" wirken besonders die Totalen doch etwas matschig. Dafür gibt es so gut wie keine Kompressionsfehler.

Ton:
Der Ton wurde nicht umsonst von George Lucas‘ Firma „Skywalker Sound\" produziert und ist State of the Art! Sowohl in der deutschen als auch in der englischen Tonspur kracht es mit einer unglaublichen Dynamik gewaltig. Den ganzen Film werden ausnahmslos alle Boxen mit direktionalen Effekten dauerbeschossen, so dass der Zuschauer mittendrin statt nur dabei ist. Besser geht es einfach nicht!

Bonus:
Bei den Extras hat Paramount geklotzt und nicht gekleckert und die Single DVD randvoll mit Extras gefüllt:

-Das Making Of von Cloverfield (ca. 27min)
-Die Visuellen Effekte (ca. 21min)
-Ich sah es! Es lebt! Es ist gigantisch! (ca. 5min)
-Cloverspaß (ca. 4min)
-Entfernte Szenen (ca. 3min)
-2 Alternative Enden
-Trailer (Indiana Jones 4; No Country For Old Men)

Das Making Of ist wirklich äußerst gelungen und zeigt vom ersten Drehtag an, begleitet von vielen Interviews, die Dreharbeiten von Cloverfield. Klar, dass da keine kritischen Worte geäußert werden, trotzdem sind es 27 sehr informative Minuten. Auch das Special zu den visuellen Effekten ist ähnlich hochwertig wie das Making Of. Stück für Stück werden alle großen Effekte des Films besprochen und erklärt. In „Ich sah es! Es lebt! Es ist gigantisch!\" erklärt Produzent J.J. Abrahams und sein Creature-Designer, was sie sich beim Aussehen und der Motivation des Cloverfield Monsters gedacht haben. Unter „Cloverspaß\" verbergen sich einige wirklich witzige Outtakes des Films. Die entfernten Szenen mit zuschaltbaren Audiokommentar sind recht nett, aber unspektakulär.Die alternativen Enden sind eher enttäuschend und die Unterschiede zum Ende aus dem Film marginal. Immerhin gibt es zu ihnen einen zuschaltbaren Audiokommentar des Regisseurs. Der Audiokommentar von Regisseur Matt Reeves ist zum Glück deutsch untertitelt und der Mann redet den kompletten Film über ohne Unterlass. Dabei kommen ne Menge Infos rüber, auch wenn er natürlich nicht annähernd so spaßig wie andere Audiokommentare ist.

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FAZIT:
„Cloverfield\" ist ein sehr guter, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftiger Film und Paramount hat dem Zuschauer eine fast makellose DVD dazu spendiert. Da gibt\'s nichts zu meckern!

Bild - 8/10
Ton - 10/10
Bonus - 7/10
Film - 8/10

[Diese DVD wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]