Kill Bill: Vol. 1 / Vol. 2

07. December 2008

Kill Bill: Vol. 1 / Vol. 2

Kein anderer als wie Filmejunkie Quentin Tarantino vermag auf die Idee zu kommen, so viele Genre und Stilmittel wie möglich in einem Film unterzubringen. Spagetti-Western, Eastern, Action, Samurai Film, Anime-Sequenz oder auch Blaxpoitation Elemente und mehr haben es letztendlich in die beiden Kill Bill Filme geschafft. Ob die vielen Elemente dem Konzept gut tun, oder nicht, versuchen wir zu klären.

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Originaltitel: Kill Bill: Vol. 1/Vol. 2
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, Lucy Lui, David, Carradine, Darryl Hannah, Michael Madsen, Michael Parks, Sonny Chiba, Chia Hui Liu
Laufzeit: 110 (Vol. 1), 136 (Vol. 2)
FSK: keine Jugendfreigabe (Vol. 1), 16 (Vol. 2)
Ton: dts (Deutsch, Italienisch, Spanisch), DD 5.1 ( Deutsch, Italienisch, Spanisch, Englisch), PCM 5.1 (Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Spanisch
Regionalcode: A, B, C
Bildformat: 2,40:1 in 16:9
TV-Norm: 1080p (MPEG-4 AVC)
Produktion: 2003/2004
Erschienen: 13.11.2008
Vertrieb: Buena Vista
Preis: je 28€

Film:
Die Story kommt stark reduziert daher. Bei einer Hochzeitsprobe tritt der Ex-Freund (David Carradine) der Braut (Uma Thurman) auf den Plan und metzelt mit seinem Killerkommando alles nieder. Nachdem die Braut blutüberströmt am Boden liegt, jagt der Ex-Geliebte ihr noch eine Kugel in den Kopf. Nach all dem Unglück, hat die Braut allerdings doch noch Glück. Sie fällt „nur\" vier Jahre ins Koma und sinnt nach ihrem Erwachen auf Rache. Ohne Ausschmückungen oder Umwege hakt Die Braut einen Namen nach dem anderen auf ihrer List ab, bis es am Ende nur noch eines gibt: Kill Bill!

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Vol. 1

Tarantino wollte einen einfachen Film ohne Balast, ohne Story bla bla und sonstige Umwege drehen. Während es zum Beispiel ein Martin Scorsese bei „Gangs of New York\" nicht schaffte, ein simples Rachedrama mit beeindruckender Laufzeit zu inszenieren, schaut die Sache bei „Kill Bill\" ganz anders aus. Die dünne Story wird ähnlich wie bei „Pulp Fiction\" nicht linear erzählt und springt in der Zeit beliebig nach vorn und wieder zurück. Das wirklich geniale bei „Kill Bill Vol. 1\" ist aber die Inszenierung. Tarantino wiedersetzt sich allen bekannten Sehgewohnheiten und schuf einen spektakulären - und vor allem handgemachten - Actionfilm mit hektoliterweise Blut und abgetrennten Gliedmaßen. Während Splatterfans sich die Hände reiben, hat der Otto-Normal-Zuschauer sicher an der Darstellungsweise der Actionszenen zu knabbern. Er versteht es zudem seine Bilder mit grandiosen Kamerafahrten, tollen Farbverfremdungen, stylischen schwarz/weiß Szenen, Anime Einspielungen (aus dem Hause Produktion IG) und perfekt passender Musik zu inszenieren. Man kann schon von einem Blut-Ballett sprechen. Nicht viele beherrschen das Audiovisuelle so konstant wie er. Ohne Verschnaufpause schnetzelt sich Die Braut also bis zum Ende von Volume 1 gegen O-Ren Ishii (Lucy Liu).

Vol. 2

Der erste Film war in Sachen Charakterzeichnung recht dünn, bot aber einen audiovisuellen Genuss, wie man ihn nur selten serviert bekommt. Um dem Ganzen Gemetzel doch noch einen Sinn zu geben, bricht Tarantino wieder mit Bekanntem und geht einen völlig anderen Weg. Die Action und die Brutalität wird auf ein Minimum reduziert, während im Gegenzug die einzelnen Charaktere mehr Tiefe bekommen. Eine Stärke waren immer die genialen Dialoge in Tarantinos Filmen, welche in Volume 1 eindeutig zu kurz kamen. Diese gibt es nun geballt in Volume 2, was aber auch eine Gefahr darstellt. Reduzierte Action und lange Dialoge ... da kommt es automatisch zu einigen Längen, welche eigentlich nicht hätten sein müssen. So hätte man einige Szenen ruhig weglassen oder kürzen können. So bekommen zwar Budd (Michael Madsen) und Elle (Darryl Hannah) um einiges mehr Screentime, doch leider erreichen die Charaktere nicht die Tiefe, welche man aufgrund der Laufzeit eigentlich erwartet. Dafür bekommt endlich der Namensgebende Bill alias David Carradine seinen großen Auftritt. Trotz der Dialoglastigkeit, schafft es Tarantino wieder diverse Stile gekonnt einzubinden. Besonders die Pai Mei Episode oder die Lebendig-Begraben Szene sind hier herausragend.

Neben den vielen verschiedenen Stilen, welche in Kill Bill flossen, sind es auch die vielen kleinen Details, welche Quentin Tarentino gekonnt einfügte. So gibt es viele Zitate und unzählige Genrefans bekannte Darsteller, welche sich in Kill Bill die Klinke in die Hand geben. Besonders die asiatischen Uhrgesteinen Sonny Chiba und Chia Hui Liu sind coole Details, wenn man ihre Vorlagen kennt. Musikalisch werden auch wieder alle Register gezogen und vor allem in Vol. 1 ist der Mix aus Western und Eastern Klängen famos. Leider fällt die musikalische Begleitung in Vol. 2 etwas ab, was wohl daran liegt, dass Tarantino die Arbeit an seinen Kumpel Robert Rodriguez abtrat.

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Bild:
Das Bild kommt ungemein plastisch daher und überzeugt mit einer fast perfekten Schärfe. Der Detailgrad ist sehr hoch und selbst in dunklen Szenen fällt der Schärfegrad nicht ab. Auch der Kontrast und die meist natürlichen Farben wissen zu begeistern. Zu meckern gibt es nicht viel. Die ab und an überstrahlenden Szenen, dienen wohl eher als Stilmittel, da dies vor allem in schwarz/weiß Szenen (Gemetzel im Restaurant in Vol. 1 oder die Hochzeitsszene in Vol. 2) der Fall ist. Die Pai Mei Szene (Vol. 2) fällt auch beim Schärfegrad ab, ist aber auch eher einem Stilmittel zuzuschreiben. Ein leichtes Filmkorn ist ebenfalls vorhanden. Der HD Wow Effekt ist aber durchweg vorhanden.

Ton:
Vol. 1 artet in ein beeindruckendes Soundgewitter aus und bietet eine perfekte Abmischung. Viele direktionale Effekte und ein druckvoller Basseinsatz lassen das Wohnzimmer erzittern. Dabei wurden die Effekte, Dialoge und die Musik perfekt aufeinander abgestimmt. Was hier abgeht, ist einfach nur fett! Vol. 2 kommt Inszenierungsbedingt etwas ruhiger daher, weiß aber ebenfalls noch zu begeistern. Denn auch hier gibt es Szenen, welche sich förmlich in die Gehörgänge fressen. Hervorzuheben wäre der Fight zwischen der Braut und Elle, bzw. die Sargszene, wo die auf den Sarg prasselnde Erde das eigene Wohnzimmer unter sich begräbt. Mittendrin statt nur dabei! Leider gibt es keine deutsche PCM Abmischung.

Bonus:
An Extras geben sich beide Volumes recht knausrig. So findet man bei Vol. 1 neben einem gelungenen Making Of (ca. 20min) nur noch drei Trailer und zwei Songs der Band „5, 6, 7, 8\'s\", welche im japanischen Restaurant einen Auftritt im Film hatten. Bei Vol. 2 geht das Making Of ca. 5min länger und ist ebenfalls recht ansehnlich. Man hört Tarantino einfach gerne zu, wenn er voller Enthusiasmus von seinen Filmen redet. Des Weiteren gibt es noch eine zusätzliche Szene und den Auftritt der Band „Chingon\" bei der Premieren. Alle Extras sind leider nur in SD Auflösung.

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FAZIT:
Während einem der erste Film kurzweilig und knackig in die Materie einführt, gibt der zweite Film dem Ganzen erst einen Sinn. Klar hätte man den Film auch zu einem dreieinhalbstündigen Epos zusammen schneiden können und ja, Volume 2 hat auch ein paar Längen, doch erst diese Zweiteilung macht das Konzept so genial. Die Erzählweise ist mit seinen Zeitsprüngen herrlich inszeniert und die zusammengeklauten Stile hat Tarantino fast immer perfekt für sich benutzt und zu einem Ganzen zusammen gesetzt. Technisch gibt sich die Blu-ray Referenzverdächtig und nur die traurige Bonussektion gibt Anlass zur Kritik.

Bild - 9,5/10
Ton - 9,5/10
Bonus - 4/10
Film - 9/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Buena Vista zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]

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