Der Baader Meinhof Komplex + Gewinnspiel

06. June 2009

Der Baader Meinhof Komplex + Gewinnspiel

Was Bernd Eichinger anpackt, wird zu Gold - Das gilt auch für den oscarnominierten „Der Baader Meinhof Komplex\", der nicht nur in Deutschland die Kinokassen klingeln ließ, sondern hoffentlich auch bald im Ausland noch mehr auf den deutschen Film aufmerksam machen wird...

Originaltitel: Der Baader Meinhof Komplex
Regie: Uli Edel
Darsteller: Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz
Laufzeit: 149min
FSK: 12
Ton: dts-HD 5.1 (Deutsch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Regionalcode: B
Bildformat: 1,78:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2008
Erschienen: 2009
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 20€

Film:
Mit dem Buch „Der Baader Meinhof Komplex\" von Stefan Aust nahm sich Produzent Bernd Eichinger einen ganz schönen Brocken zur Verfilmung vor. In der Tradition seiner Filme wie „Der Untergang\" oder „Das Boot\" sollte dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt werden. Das bedeutet: Ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte soll ausführlich und detailliert in originalen Kulissen, mit einem hohen Budget, Überlänge und bekannten Schauspielern realisiert werden - die noch längere zweiteilige Fernsehauswertung natürlich inklusive.

Als Regisseur für dieses Mammutprojekt verpflichtete er seinen alten Kommilitonen Uli Edel, der sich auch gleich monatelang in Recherchen rund um das Thema RAF stürzte. Als Darsteller wurden Moritz Bleibtreu (Andreas Baader), Martina Gedeck (Ulrike Meinhof), Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin), Bruno Ganz (Horst Herold) und über ein Dutzend weitere große Namen der deutschen Schauspielerriege verpflichtet. Das Budget liegt über dem 13,5 Millionen teuren „Untergang\", wie teuer genau ist offensichtlich Geheimsache.

\"\"

Es geht um ... Ja, um was eigentlich? Um alles, um wirklich alles was irgendwie mit der RAF zu tun hat. Mit Hauptaugenmerk auf die erste Generation unter Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Und so viel sei gleich gesagt: Wer vorher noch nie was von der RAF gehört oder sich nicht einmal den Wikipedia Eintrag zu Gemüte geführt hat, kann gleich zu Hause bleiben. Keine Chance! Denn der Film ist kein „Biopic\", kein „Historienepos\" im herkömmlichen Sinne. Er ist kein Drama, in dem vom Aufstieg und Fall einer Person berichtet wird, keine klassische Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Schluss. Er ist ein Sammelsurium von Episoden aus der Geschichte der RAF oder wie es ein Kritiker so schön bezeichnete, ein „Best of RAF\".

Ganz so zynisch muss man es natürlich nicht ausdrücken, sicher ist nur, dass Uli Edel bzw. Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch mit verfasste, es dem Zuschauer nicht einfach macht. Bei über 120 Sprechrollen (gewöhnlich bei einem Film dieser Länge sind vielleicht 20-30) wird schnell klar, dass es unmöglich wäre, auf all diese Charaktere näher einzugehen. Stattdessen tauchen sie einfach auf und verschwinden wieder genauso schnell, ohne dass je wieder über sie gesprochen wird. Wer sich in der Geschichte der RAF nicht auskennt, wird von einem Wust von Handlungswendungen und Charakteren überrollt, die unmöglich zu begreifen oder nachzuvollziehen sind, weil sie sich im Gesamten nur durch die Geschichte der RAF erklären. Und die wird bei diesem Film als Vorwissen vorausgesetzt.

Das kann man jetzt positiv oder negativ sehen. Der Vorteil ist auf alle Fälle, dass man als Sachkundiger an dem hyperrealistischen Film seine Freude haben wird: Akribisch werden die einzelnen Vorfälle so realistisch wie möglich nachgestellt, die zeitgenössischen Kulissen und die Ausstattung sind eine wahre Freude und sogar ein Großteil der Dialoge sind genau so damals aufgezeichnet worden.

Die Schauspieler machen ihre Sache großartig. Zu diskutieren, inwieweit sie den Originalen entsprechen ist natürlich müßig, da es unmöglich ist, die Komplexität eines Menschen in einem Spielfilm wiederzugeben bzw. nach so langer Zeit überhaupt noch zu wissen, wie sich dieser Mensch in dieser oder jener Situation verhalten hätte. Auf alle Fälle entsprechen sie optisch voll und ganz ihren „Vorbildern\" und verleihen allesamt ihren Charakteren trotz der teilweise extrem kurzen Screentime sehr viel Tiefe.

Die Musik von Peter Hinderthür und Florian Tessloff passt gut, klingt gut, war teuer, orientiert sich aber ganz klar an John Powells Bourne-Soundtracks, die stellenweise auch munter zitiert werden. Schade, da hätte man sich von den Deutschen etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht.

All das ergibt zusammen einen unglaublich unterhaltsamen und kurzweiligen Historienfilm der A-Kategorie, der allerdings mehr einer Dokumentation als einem Spielfilm entspricht. So versucht das Drehbuch und die Regie die Ereignisse so wenig wie möglich zu werten (insofern das bei einem Film überhaupt möglich ist) und das Urteil dem Zuschauer zu überlassen. Auf den prasseln zahlreiche, oft zusammenhangslose Episoden der RAF-Geschichte nieder, mit denen er sich dann irgendwie auseinandersetzen muss.

Das kann gefallen, muss aber nicht. Der „Baader Meinhof Komplex\" ist mehr ein filmisches Experiment als ein Spielfilm, hat als solches aber durchaus seine Daseinsberechtigung und sei jedem ans Herz gelegt, den die deutsche Geschichte auch nur einen Funken interessiert.

\"\"

Bild:
Die Bildqualität vom „Baader Meinhof Komplex\" ist überragend und bietet so gut wie keinen Anlass zur Kritik. Einzig der FIlmgrain und die stellenweise nicht ganz überzeugenden Kontrastwerte bei dunklen Szenen könnten etwas stören.

Ton:
Auch der Ton ist hervorragend und entspricht voll und ganz dem aktueller Hollywoodproduktionen. Alle Boxen werden ausgenutzt, direktionale Effekte gibt es zu Hauf und hinter den vielen Schüssen und Explosionen liegt ein ordentlicher Druck.

Extras:
Über die Extras vom Baader Meinhof Komplex kann man sich nicht beschweren. Glücklicherweise sind sie aufgrund der Herkunft des Films alle auf deutsch und komplett in HD.

Audiokommentar von Regisseur Uli Edel
Die Entstehung des Films (ca. 28min)
Über Uli Edel (ca. 13min)
Über Authentizität (ca. 21min)
Die Musik (ca. 12min)
Die Schauspieler und ihre Rollen (ca. 38min)
Stefan Aust über die RAF und ihre Zeit (ca. 42min)
Bernd Eichinger über die Annährung an den Film und die 60er und 70er Jahre (ca. 15min)
Bernd Eichinger über die Dramaturgie des Films (ca. 10min)
Darstellerinfos (Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek, Nadja Uhl, Bruno Ganz)
Trailer (Der Untergang, Das Parfum, Die Welle, Anonyme, Das Geisterhaus, Alexander)

Der Audiokommentar ist leider etwas enttäuschend, da Uli Edel oft nicht viel zu sagen hat und so immer mal für einige Zeit stille herrscht. Wenn er dann mal redet, geht es meist um die Authentizität der Szenen und leider recht selten um den Dreh an sich. Trotzdem handelt es sich um ein interessantes Extra, das für Interessierte auf alle Fälle eine Empfehlung wert ist.

Die restlichen Extras beleuchten äußerst ausführlich die Produktion des Films, und zwar in allen Details und Produktionsstufen, untermalt von vielen Interviews mit den Schauspielern, Uli Edel und vor allem Bernd Eichinger. Für jeden, der sich für den deutschen Film interessiert oder sogar in diesem Bereich arbeitet, sind die Extras also ein wahres Fest und eine Informationsquelle aller erster Güte. In „Stefan Aust über die RAF und ihre Zeit\" erzählt Stefan Aust ausführlich und informativ über die RAF und seine Bekanntschaften mit den einzelnen RAF-Mitgliedern.

\"\"

Fazit:
Die Blu-Ray von „Der Baader Meinhof Komplex\" lässt so gut wie keine Wünsche offen. Der Film selbst ist gewöhnungsbedürftig, aber letztendlich doch ganz großes Kino.

Bild - 9/10
Ton - 10/10
Bonus - 8/10
Film - 8/10

[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von anno nym]

Gewinnspiel

Dank Constantin Film, ist es uns wieder einmal möglich zwei Blu-ray an euch weiterzugeben. Ihr müsst nur die Frage richtig beantworten und mit ein bisschen Glück, wird eine der Blu-ray bei euch im Briefkasten landen.

1. Wer war das promineteste Entführungsopfer der RAF?
a) Hans Dietrich Genscher
b) Hanns Martin Schleyer
c) Helmut Schmidt

Schick die hoffentlich richtige Antwort bitte an: shagy onpsx.de

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und Mitarbeiter dieser wunderschönen Seite und dürfen ebenfalls nicht teilnehmen. Die Gewinner werden schließlich auf der Seite OnPSX.de bekannt gegeben.

Einsendeschluss ist der 18.06.09.