Eine Verfilmung der wohl bedeutendsten Graphic Novel (einzige Graphic Novel in der Literatur Top 100 des Time Magazin) ist schon seid über zwei Jahrzehnten im Gespräche und als Regisseure wurden große Namen wie Terry Gilliam (12 Monkeys, Time Bandits) und Darren Aronofsky (Pi, Requiem for a dream) gehandelt. Nach etlichen Verschiebungen nahm sich nun Zack Snyder der Sache an, welcher zuletzt mit „300\" zumindest audiovisuell für Aufsehen sorgte. Ob er jedoch auch eine solch komplexe Geschichte erzählen kann sorgte für Skepsis.
Originaltitel: Watchmen
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Carla Gugino, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Stephen McHattie
Laufzeit: 162
FSK: 16
Ton: TrueHD 5.1 (Englisch), DD 5.1 (Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch und andere
Regionalcode: B
Bildformat: 2,40:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2009
Erschienen: 20.08.09
Vertrieb: Paramount Home Ent.
Preis: 29€
Film:
Watchmen spielt in einer alternativen Realität in den Achtzigern, wo die Welt am Abgrund steht. Die glorreichen Zeiten der Superhelden (einige bereits in der zweiten Generation) sind längst vorbei und wurden dank des „Keene Erlasses\" durch Richard Nixon (mittlerweile in seiner fünften Amtsperiode) in den Ruhestand geschickt und dürfen maskiert nicht mehr agieren. Nur der Comedian und Doc. Manhattan, welcher als einziger über Superkräfte verfügt, haben sich Vater Staat verschrieben und dürfen weiterhin im Staatsdienst als Superhelden auftreten. Auf der anderen Seite geht das nukleare Wettrüsten in die entscheidende Phase und die bevorstehende Apokalypse scheint unabwendbar. Neben den politischen Problemen kommt es zudem noch zu einem mysteriösen Attentat auf den Comedian. Für den letzten noch aktiven Rechteverfechter Rorschach stinkt dies gehörig nach einer Verschwörung und er vermutet ein fieses Komplott, welches alle ehemaligen Superhelden den gar aus machen soll. In bester Film Noir Manier schnüffelt sich Rorschach nun immer weiter Richtung Auflösung der ganzen Geschichte. Unterstützung erhält er dabei durch seine Ex-Kollegen Nite Owl II und Silk Spectre II.

Die recht komplexe Graphic Novel wurde zwar ziemlich runter gekürzt, doch ist das übrig gebliebene noch immer ausreichend facettenreich und tiefgründig. Snyders Einführung in die Materie wird gekonnt mit den wohl besten Anfangscredits aller Zeiten verbunden, während er sich danach Episodenhaft den einzelnen Charakteren widmet und diese nach und nach demontiert. Wahres Heldentum gibt es bei den Watchmen eben nicht! Dies sorgt zwar dafür, dass die Story lange Zeit nicht wirklich vorangetrieben, dass große Finale dabei aber nie aus den Augen verloren wird. Nach der aufwendigen Einführung in das „Watchmen\" Universum kommt es in der zweiten Hälfte dann auch öfters zu der ein oder anderen Actionszene, wobei diese bei weitem nicht so überbordend wie bei „300\" inszeniert wurden. So ganz konnte Zack Snyder aber doch nicht über seinen Schatten springen und die bekannte Slow-Fast-Slow Motion Inszenierung kommt auch hier zum Zuge, wobei diese Art den Stakkato Actionszenen anderer Filme vorzuziehen ist. Trotz der Komplexität kommt aber auch der Humor nicht zu kurz und Freunde ordentlicher One Liner kommen gut auf ihre Kosten.

Ein Genuss sind auch die wundervollen Sets, welche nicht im Greenscreen Studio entstanden sind, sondern detaillverliebt aufgebaut wurden. Das gleiche gilt auch für die Kostüme, welche zum einen den naiven Charme der ersten Generation an Superhelden einfangen und zum anderen aus Rorschach eine neue Kultfigur machen. Man bewahrte sich zudem auch stehts einen Comiclook, was bei der Maske von Nixon auch etwas zum schmunzeln anregt. Auf nicht ganz so hohem Niveau befindet sich allerdings der Score aus der Feder von Tyler Bates, welcher etwas zu belanglos vor sich her dudelt. Dafür kann wiederum die restliche musikalische Untermalung mit Songs aus den jeweiligen Epochen begeistern und passt bei jeder Szene perfekt. Sei es Bob Dylans Song „The times they are changing\" während der Anfangscredits, Nenas Naives „99 Luftballons\" beim Treffen von Dan Dreiberg (alias Nite Owl II) und Laurie Jupiter (alias Silk Spectre II) oder „The sound of silence\" von Simon & Garfunkel sowie Leonard Cohens „Hallelujah\". Die so entstandene Atmosphäre während des Filmes ist einfach grandios.
Ebenfalls grandios sind die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Allen voran Jackie Earle Haley als Rorschach dürfte mit dieser Rolle in die Geschichte eingehen! Er spielt den Psychopathen einfach grandios und kommt damit nahe an Heath Ledgers Joker Interpretation heran. Aber auch die anderen geben sich keine Blöße. Sei es Matthew Goode als Ozymandias, der eine unerschütterliche Ruhe ausstrahlt, Billy Crudup als Doc. Manhattan, der mit seinen übernatürlichen Kräften überfordert scheint oder Jeffrey Dean Morgan als Comedian.

Bild:
Die Schärfe ist einfach super und rückt die detaillierten Sets perfekt ins rechte Licht. Egal ob Totale oder Close Up, kritisieren kann man hier nichts. Das Bild wirkt zudem sehr plastisch, bietet einen hervorragenden Kontrast und schöne, sowie kräftige Farben. Einzig das Filmkorn könnte man kritisieren, aber lieber ein Filmkorn und super Detailzeichnung, als kein Korn und matschiges Bild.
Ton:
Die deutsche Tonspur gibt ebenfalls wenig Anlass zur Kritik, kommt aber gegenüber der englischen True HD Tonspur etwas kraftlos und weniger dynamisch daher. Alle Dialoge sind verständlich und wurden mit den anderen Effekten ausgewogen gemixt. Es wäre aber mal schön, dass auch die deutsche Tonspur als Standard eine TrueHD Spur erhält.
Bonus:
Paramount protzt ja immer wieder gerne mit dem Slogan „Special Edition\", was meist nicht wirklich zutrifft. Im Falle von „Watchmen\" ist der Titel aber mal gerechtfertigt, da das Bonusmaterial recht ansprechend ist.
-Das Phänomen: Der Comic, der die Comics änderte
Hier wird die Enstehungsgeschichte des Comic näher erläutert. Es kommen allerhand Weggefährten von Alan Moore zu Wort und geben einige tolle Hintergrundinfos zum Besten. Untermalt werden die Interviews vom animierten Comic (separat auf DVD erhältlich) und einigen Szenen aus dem Film.
-Wahre Superhelden, echte Wächter
Hier geht es darum, wie aus normalen Leuten Superhelden werden, was anhand echter Vorbilder wie den Guardien Angels gut dokumentiert wird. Auch Selbstjustiz ist ein großes Thema, was anhand des Falles um Bernard Goetz erläutert wird. Dieser erschoss in den Achtziger vier schwarze und wurde dennoch freigesprochen. Selbst der Wilde Westen und einige maskierte Möchtegern-Superhelden werden in diesem Feature aufgenommen.
-Mechanik: Technilogie einer fantastischen Welt
Das Problem vieler Filme ist, dass es immer wieder zu Szenen kommt, welche in der Realität (meist von physikalischer Natur) einfach nicht möglich sind. Solange dies aber innerhalb eines Universum schlüssig ist, ist es auch glaubhaft. Genau dies versucht der Physiker James Kakalios uns in diesem Feature anhand diverser Beispiele wie der Maske Rorschachs, Doc. Manhattens Fähigkeiten oder Archie (Nite Owls II Schiff) näher zu erklären.
-11 kurze Making Ofs
Auf der offiziellen „Watchmen\" Hompage gibt es insgesamt elf kurze Making Ofs, welche es alle auch auf die Blu-ray geschafft haben und diverse Elemente in der Entstehung des Filmes näher beleuchten.
Abschließend gibt es noch das Musikvideo „Desolation raw\" von The Chemical Romance und eine Nachrichtensendung über Doc. Manhattens Geburtstag. Alle Extras kommen in HD und mit deutschen Untertiteln daher. Ein Booklet gibt es leider nicht (hätte sich aber als kleine Graphic Novel sicher gut gemacht) und der Directors Cut hat es ebenfalls nicht in diese Veröffentlichung geschafft. Wer auf nette Gimmicks steht, kann sich zudem über einen großen Online Versand den Film mit einer Rorschach Maske zulegen.

FAZIT:
Die Komplexität überrollt einem anfangs förmlich, doch Synder schaffte es den Zuschauer an die Hand zu nehmen und ihn gekonnt in das „Watchmen\" Universum einzuführen. Die einzelnen Charaktere werden detailliert auseinander genommen und die alternative Realität wirkt in sich schlüssig. Leider hat „Watchmen\" besonders bei den Monologen von Doc. Manhattan etwas mit Längen zu kämpfen und eine Straffung hätte ich für flüssiger gehalten. Dennoch ist „Watchman\" neben „The Dark Knight\" DIE Comic/Graphic Novel Oper schlechthin! Technisch gibt es an der Veröffentlichung ebenfalls nichts auszusetzen, wobei es sehr ärgerlich ist, dass man nur den Kinocut auf die Blu-ray presste, während es in den USA bereits den über 20 Minuten längeren Directors Cut gibt.
Bild - 9,5/10
Ton - 9/10
Bonus - 8/10
Film - 9,5/10
[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Paramount Home Ent. zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]