Man kann ihn mögen oder man kann ihn hassen: Mario Barth. So oder so sollte man sich Männersache nicht antun ...
Originaltitel: Männersache
Regie: Gernot Roll, Mario Barth
Darsteller: Mario Barth, Dieter Tappert, Anja Kling, Michael Gwisdek
Laufzeit: 95min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch
Untertitel: keine
Ton: DTS HD 5.1 (deutsch)
Regionalcode: B
Bildformat: 1,85:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2009
Erschienen:2009
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 19€
Film:
Es wäre eine Floskel zu schreiben, dass es bei einem so erfolgreichen Komiker wie Mario Barth nur eine Frage der Zeit war, bis der erste Kinofilm mit ihm in den Startlöchern stand. Und es wäre nicht nur eine Floskel, es wäre auch noch falsch, schließlich gibt es genug von seinen Komiker-Kollegen die sich aus Spielfilmen heraushalten. Und wenn man sich Männersache so anschaut wünscht man sich, dass Herr Barth diese Weisheit auch gezeigt hätte.
Aber immer der Reihe nach: Es ist ja nicht so, dass Mario Barth eines Tages einen Anruf von Bernd Eichinger bekam, der sich nichts besseres vorstellen konnte, als einen Film mit ihm zu drehen. Das Gegenteil war der Fall: Barth setzte sich mit seinem alten Kumpel Dieter Tappert, auch bekannt als „Paul Panzer\", zusammen und gemeinsam schrieben sie ein Drehbuch, dass sie dann leider auch verwirklichen wollten. Klar, dass da kein Produzent und kein Vertrieb lange zögerte, schließlich sind Komödien nicht nur billig, sondern der äußerst beliebte Mario Barth auch finanziell eine sichere Bank.

Und so nahm das Unheil seinen Lauf, denn bei der Produktionsfirma schien das Drehbuch vor Drehbeginn niemand gelesen zu haben. Die Geschichte einer Männerfreundschaft ist nämlich zwar ganz nett, aber nie wirklich witzig oder spannend. Das merkte auch bei den Dreharbeiten irgendwie keiner, was übrigens auch schön am Making Of in den Extras zu sehen ist. Da scheint die ganze Crew noch Feuer und Flamme für ihre Geschichte zu sein.
Doch als die erste Schnittfassung vorlag, wurde selbst den Produzenten klar, dass dieser Film unmöglich im Kino gezeigt werden konnte. Viel zu viel Drama, viel zu wenig Mario Barth. Man muss allerdings gestehen, dass diese weit über 100 Minuten lange Fassung zumindest noch als „Film\" zu bezeichnen war. Es gab eine Handlung, Plot Points, Aktionen und logische Reaktionen und für eine Komödie recht interessante Charaktere. Aber eben viel zu wenig Mario Barth. Also setzte man die Schere an und schnitt den Film um fast eine halbe Stunde runter. Nun gab es so gut wie keine Szenen mehr ohne Mario Barth. Dafür war der Film nicht mehr logisch und lustiger wurde er so natürlich auch nicht. Also wurde wieder um geschnitten und nachgedreht. Dabei flogen einige Szenen des ersten Nachdrehs wieder raus (Gottseidank auch der Großteil von Marek) und neue kamen rein. Gut war das trotzdem noch lange nicht. Also wieder ein Umschnitt. Immernoch kein guter Film. Also nahm sich Bernd Eichinger \"Männersache\" persönlich vor und regte einen weiteren Umschnitt an. Doch da der Releasetermin drückte und keine Zeit mehr für viel Neuschnitt oder Nachdrehs war, wurde der Film schließlich veröffentlicht.
Das Ergebnis dieses unglaublichen Postproduktion Chaos ist eine mittelschwere Katastrophe.
War die erste, ursprüngliche auf Tapperts und Barths Drehbuch basierende Version zumindest noch so etwas Ähnliches wie eine Geschichte, spottete das, was schließlich ins Kino und auf DVD/Blu Ray gelangte, jeder Beschreibung.
Willkommen bei Männersache. Der Gag im Vorspann mit dem aus der Rolle laufenden Constantin Logo ist zwar lahm, aber trotzdem noch der Gipfel des Humors in diesem Film. Wer kann, sollte spätestens jetzt abschalten. Alle anderen erwartet eine absurde Geschichte von zwei Freunden, Paul (Barth) und Hotte (Tappert), die so dicke miteinander befreundet sind, dass Hottes Frau Susi (Anja Kling) nur noch die Nummer zwei ist. Paul ist außerdem ein erfolgloser Komiker, der erst Lacher für sich verbuchen kann, als er private Geschichte aus dem Eheleben seines Kumpels Hotte erzählt. Das findet der nicht wirklich lustig, aber stört sich auch nicht wirklich dran. Da hat er auch kaum Zeit zu. Denn schon nach Pauls ersten Auftritt stehen am nächsten Tag schlimme Schmutzartikel über ihn in der Tagespresse, die ihn des Verrates an seinem Freund bezichtigen. Warum schon einen Tag nach der ersten kleinen Show eines unbekannten Komikers sein Leben in der Presse auf Seite eins ausgebreitet und zerrissen wird? Egal. Ursprünglich war dafür mal Anja Kling verantwortlich, die so einen Keil zwischen die Freundschaft ihres Mannes und dem Chaoten Paul treiben will. Wie gesagt, ursprünglich. Jetzt passiert es einfach, der ganze Subplot um Frau Kling wurde weggeschnitten. Schade, ist sie doch eine echte Schauspielerin. Das kann man von Mario Barth leider nicht behaupten, er ist... schwierig. Auf alle Fälle nicht lustig. Das liegt aber nicht immer nur an ihm und den lahmen Gags, sondern auch am oft misslungenen Schnitt, der Witze falsch timed, Pointen zu schnell vorwegnimmt oder zu langsam kommen lässt und stellenweise auch einfach keinen Sinn ergibt. Da waren neun Monate Postproduktion wohl noch nicht ausreichend.
Jedenfalls liegen Paul und Hotte nun im Streit, was sie allerdings nicht davon abhält, in einer nicht witzigen, nachgedrehten und dreist eingeschobenen Szene zusammen bowlen zu gehen. Barth sagt da, dass er nie einen Menschen verletzen könnte, holt mit der Bowlingkugel Schwung und lässt sie im falschen Moment los. Die Kugel trifft eine Frau am Kopf, die fällt um (wahrscheinlich tot). Autsch.
Durch ein nicht nachvollziehbares Fernsehinterview, welches Tappert einer Reporterin gibt und in dem er über seinen Freund herzieht, gerät die Lage noch mehr außer Kontrolle. Oder sollte es zumindest. Auf alle Fälle bietet das genug Raum, um Barth durch die Gegend ziehen und sich an alte Zeiten mit seinem besten Kumpel Tappert erinnern zu sehen. Diese Ausschnitte aus vergangenen Tagen sind natürlich einem der Nachdrehs entsprungen, passen nicht in den Film und sind auch wieder mal nicht lustig. Aber das ist ja hier nichts Neues.
So geht das dann hin und her, zwischendrin springen noch der arme Michael Gwisdek und Michael Brandner rum, die hier ihr Talent auf unmögliche Art und Weise verschwenden. Aber das muss man Männersache gleichzeitig zu Gute halten: Bis auf den katastrophalen Mario Barth sind alle Rollen prominent oder zumindest gut besetzt. Sogar Dieter Tappert schlägt sich äußerst wacker und überzeugend als Hotte durch den Film. Es wäre sicherlich interessant, ihn mal in einer anspruchsvolleren Rolle zu sehen.
Was man noch erwähnen sollte ist, dass Paul von Anfang an den Traum hat, in einer Art „Deutschland sucht den Superstar\" Show mitzumachen und die Fahrt zu dieser Show das Finale des Films darstellt. Funktionieren tut das deshalb nicht, weil schon in der Mitte des Films Bilder von Pauls Aufstieg als Komiker in einer Montage zu sehen sind. Und da steht er unter anderem im Berliner Olympiastation vor 70.000 Zuschauern (klar, wenn man die Aufnahmen hat muss man sie ja auch verwursteln). Was es für einen Sinn für so einen bekannten Komiker macht, auch nach der Hälfte des Film noch von einem Auftritt bei Deutschland sucht den Superstar zu träumen - egal.
Es gibt noch einige solcher „egal\" Handlungen. Die alle aufzuzählen würde jeden Rahmen sprengen, der Film selbst fasst sie aber in 95 Minuten recht übersichtlich zusammen.
Was haben wir mit Männersache also: Ein von Anfang an mittelmäßiges Drehbuch, was alle Grundregeln zum Erzählen einer Geschichte vermissen lässt und dann durch etliche „Verbesserungen\" im Schnitt auch noch vollkommen in sich selbst aufgelöst wurde. Einen Mario Barth, der zwar auf der Bühne witzig sein mag, aber dessen Gags im Film einfach nicht funktionieren, was seine fehlenden schauspielerischen Fähigkeiten auch nicht unbedingt ausgleichen. Einen recht billigen HD Look (gefilmt wurde auf HD Cam), dem zumindest in der Farbkorrektur so etwas wie Film-Feeling verliehen wurde. Musik, die zwischen erstaunlich gut und (vor allem in den nachgedrehten Szenen) Fahrstuhlgedudel schwankt. Und eine Riege von ernstzunehmenden Schauspielern, die auf diesen Film wohl alle nicht besonders stolz sein werden.
Männersache ist schlecht. Allerdings nicht so schlecht, dass es für einen lustigen Bierabend mit Kumpels ausreicht. Sondern nur schlecht, auf eine langweilige Art. Auch oder besser gesagt grade für Barth Fans gilt: Finger Weg! Die 95 Minuten gibt euch niemand wieder...

Bild:
Da „Männersache\" digital gedreht wurde, konnte natürlich beim Transfer auf die Blu Ray nicht viel schief gehen und so präsentiert sich das Bild im schönsten HD-Look. Allerdings kann es im Gegensatz zu Filmen wie „Benjamin Button\" die Video-Herkunft nie ganz verleugnen und sieht immer ein klein wenig nach Fernsehfilm aus...
Ton:
Nur eine einzige Tonspur hat es auf die Blu Ray geschafft, aber bei einer deutschen Komödie reicht das auch vollkommen aus. Direktionale Effekte gibt es naturgemäß selten, nur die Musik oder Atmotöne verirren sich ab und zu auf die hinteren Boxen oder den Subwoofer. Trotzdem, eine für eine Komödie mehr als gute Tonabmischung!
Bonus:
Das Bonusmaterial ist hochauflösend, aber leider nicht besonders umfangreich. Auf einen Audiokommentar wurde leider komplett verzichtet.
* Making Of (ca. 20min)
* Mario Barth am Set (ca. 13min)
* Darstellerinfos (Texttafeln)
* Trailer
Die beiden Videos sind sehr gut und aufwändig produziert, inhaltlich aber leider nur Werbung. Im Making Of sieht man, wie sich Barth und Tappert durchs Set blödeln und ab und zu nicht ganz ernst gemeinte Interviews geben und in „Mario Barth am Set\" sieht man genau das Selbe. Trotzdem ist das witziger als der Film selbst und ein recht vergnüglicher Einblick in so einen Dreh.

FAZIT:
Ein schlechter Film auf einer technisch sauberen Blu Ray. Auf vielsagende Extras scheint man bei Constantin aber leider (bewusst?) verzichtet zu haben.
Bild - 9/10
Ton - 7/10
Bonus - 6/10
Film - 2/10
[Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Constantin Film/Highlight zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]
Gewinnspiel
Dank Highlight/Constantin Film, ist es uns wieder einmal möglich vier Blu-ray an euch weiterzugeben. Ihr müsst nur die Frage richtig beantworten und mit ein bisschen Glück, wird eine der Blu-ray bei euch im Briefkasten landen.
1.Wie viele Besucher waren bei seinem Weltrekord im Olympiastadion?
a) 50.000
b) 60.000
c) 70.000
Schick die hoffentlich richtige Antwort bitte an: shagy onpsx.de
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und Mitarbeiter dieser wunderschönen Seite und dürfen ebenfalls nicht teilnehmen. Einsendeschluss ist der 22.10.09.