Aus „Defiance\" wurde im Kino „Unbeugsam\" und auf Blu-Ray nun wieder „Defiance\" und auch die ständig wechselnden Catch-Lines des Filmes zeugen nicht unbedingt davon, dass Verleiher Constantin viel Vertrauen in sein Produkt hat. Dabei ist das Holocaust-Drama alles andere als schlecht ...
Originaltitel: Defiance
Regie: Edward Zwick
Darsteller: Daniel Craig, Liev Schreiber, Jamie Bell
Laufzeit: 136min
FSK: 12
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ton: DTS-HD High Resolution 5.1 (Deutsch, Englisch)
Regionalcode: B
Bildformat: 1,85:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2009
Erschienen:2009
Vertrieb: Constantin Film
Preis: 19€
Film:
Edward Zwick hat‘s nicht einfach. Trotz großen Talents und großer Produktionen hat er es nie ganz in die Riege von Hollywoods Top Regisseuren geschafft. Seinen Filmen fehlt immer das letzte Quäntchen, die geheime Zutat X, um sie zu einem Meisterwerk zu machen. So waren „Last Samurai\", Blood Diamond\", „Mut zur Wahrheit\" und „Glory\" zwar tolle, unterhaltsame Filme - aber eben auch nicht mehr.

Mit seinem zweiten Weltkriegs Drama „Defiance\" verhält es sich nicht nur ähnlich, im Gegensatz zu seinen vorherigen Werken fällt das mit Daniel Craig und Liev Schreiber prominent besetzte Holocaust-Drama sogar qualitativ etwas ab. Dabei klingt die auf wahren Begebenheiten basierende Handlung fast schon so, als wäre sie für einen Film geschrieben worden: Im zweiten Weltkrieg verstecken sich drei jüdische Brüder in den Wäldern, um so den Nazis zu entgehen. Schon bald schließen sich immer mehr Flüchtlinge ihnen an, bis sich schließlich eine richtige Gemeinschaft, eine Art Miniatur-Gesellschaft in den tiefen Wäldern Polens herausbildet.
Der Anführer dieser Gruppe bunt zusammengewürfelter Menschen aus allen Gesellschaftsgruppen wird dabei von Daniel Craig verkörpert, der den intelligenten, aber seine Bauernherkunft nicht verleugnen könnenden Tuvia Bielski beeindruckend spielt. Aber auch sein roher Bruder Zus wird von Liev Schreiber facettenreich dargestellt. So geht es in den undurchdringlichen Wäldern auch weniger um den zweiten Weltkrieg oder den Holocaust, sondern vor allem um das Leben in einer Gemeinschaft unter extremen Bedingungen. Ständig werden neue moralische Fragen aufgeworfen, ob es nun um die Rache an deutschen Soldaten oder die Bestrafung eigener Querköpfe geht. In diesen Momenten, wenn es um das schwerwiegende Problem der „Gerechtigkeit\" und ihrer Durchsetzung geht, ist „Defiance\" auch am stärksten und reizt das Spiel seiner Darsteller bis zum Letzten aus. Doch leider kann die Gesamthandlung diesen Tiefgang und diese Stärke des Films nicht wirklich tragen. Dafür fehlt einfach das Konstrukt einer spannenden, abwechslungsreichen Handlung, welches man von einem Hollywoodfilm (und das ist „Defiance\" nun mal) einfach erwartet.
Nach dem furiosen Einstieg passiert einfach zu wenig. Über 90 Minuten versteckt sich eine Gruppe von Menschen im Wald, ohne Ziele oder Pläne, einfach nur um zu überleben. Diese Ziellosigkeit überträgt sich aber leider auch auf den Zuschauer, der nicht so recht weiß, worum es hier überhaupt geht bzw. wo das Ganze eigentlich hinführen soll. Das fiktive und etwas aufgesetzt wirkende Finale, eine kleine Schlacht gegen die Deutschen, versucht den Film am Ende wieder einzufangen, schafft das aber nur bedingt. Zu konstruiert wirkt dieser Abschluss, der zudem auch noch mehrere Jahre vor dem Ende des Krieges spielt und somit nicht einmal der Abschluss der Odyssee der Flüchtigen ist.
Wäre Zwick konsequent geblieben, hätte er sich dieses aufgeblasene Finale gespart und den Film so ruhig und subtil enden lassen, wie er während der restlichen Laufzeit war. Aber so wirkt die Mischung unausgegoren und lässt den Zuschauer etwas unbefriedigt zurück. Schade, aber von Meisterwerken wie „Schindlers Liste\" ist „Defiance\" leider meilenweit entfernt. Was bleibt ist ein die meiste Zeit durchaus unterhaltsamer, aber etwas zielloser und streckenweise langatmiger Film über ein bisher nicht erzähltes Kapitel europäischer Geschichte.

Bild:
Die Bildqualität von „Defiance\" ist großartig und weiß durch einen unerhörten Detailreichtum und Spitzenfarbwerte zu überzeugen. Besonders durch den absichtlich etwas überhöhten Kontrast wirkt der Film grade in den Winterszenen unglaublich scharf. Einzig die dunklen Bildbereiche „saufen\" durch den hohen Kontrast manchmal etwas ab.
Ton:
Auch der Ton rumst ordentlich und auch in den vielen ruhigen Szenen wähnt man sich als Zuschauer mitten im Wald und nicht im Wohnzimmer. Eine sehr gute Abmischung!
Bonus:
Neben einen informativen und immerhin achtseitigen Booklet gibt es einige Extras zu bestaunen, die größtenteils sogar in HD vorliegen.
* Interviews (ca. 10min)
* Blick hinter die Kulissen (ca. 6min)
* Making Of: Rückkehr in den Wald (ca. 26min)
* Die Entstehung der Filmmusik (ca. 7min)
* Die Kinder der Partisanengruppe (ca. 14min)
* Die Überlebenden der Bielski-Partisanen (ca. 2min)
* Darstellerinfos (Texttafeln)
* Trailer
* Audiokommentar von Edward Zwick
Den Anfang der Extras machen die Interviews mit vier Darstellern und Regisseur Edward Zwick, die zu Promotionzwecken aufgenommen wurden und dementsprechend oberflächlich sind.
Der „Blick hinter die Kulissen\" ist unkommentiert und ungeordnet und wohl nur was für hartgesottene Filmfans.
Das „Making Of\" ist ein recht gewöhnliches Making Of, was ziemlich werbewirksam die Entstehung des Films zeigt. Trotz der durch die kurzen Laufzeit bedingte Oberflächlichkeit gibt es einige interessante Einblicke und Interviews mit den Beteiligten.
„Die Entstehung der Filmmusik\" blickt Komponist James Newton Howard über die Schulter, der kurz erklärt, wie er das schwere Thema des Films musikalisch untermalt.
„Die Kinder der Partisanengruppe\" zeigt die Nachkommen der Bielski Brüder, die emotional und sehr interessant von ihren Erfahrungen mit der Vergangenheit ihrer Familie berichten und schließlich auch das Filmset und die Originalschauplätze besuchen.
„Die Überlebenden der Partisanen\" ist eine Slideshow von Fotos, die Regisseur Edward Zwick von den Überlebenden der Partisanen geschossen hat. Die Fotos sind äußerst gut fotografiert und mehr als nur einen Blick wert.

FAZIT:
„Defiance\" ist ein guter Film, dessen vorzügliche Blu-Ray Präsentation wirklich etwas hermacht. Trotzdem sollte man von einem Blindkauf absehen, kann er mit Zwicks anderen Werken doch nicht ganz mithalten.
Bild - 9/10
Ton - 9/10
Bonus - 7/10
Film - 7/10
[Diese Blu-Ray wurde uns freundlicherweise von Constantin zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von anno nym]
Gewinnspiel
Dank Constantin, ist es uns wieder einmal möglich zwei Blu-ray an euch weiterzugeben. Ihr müsst nur die Frage richtig beantworten und mit ein bisschen Glück, wird eine der Blu-ray bei euch im Briefkasten landen.
1. Welcher Film stammt nicht von Edward Zwick?
a) Last Samurai
b) Blood Diamond
c) The Beach
Schick die hoffentlich richtige Antwort bitte an: shagyonpsx.de
Antworten, welche per PN eintreffen, werden NICHT berücksichtigt! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und Mitarbeiter dieser wunderschönen Seite und dürfen ebenfalls nicht teilnehmen. Die Gewinner werden schließlich auf der Seite OnPSX.net bekannt gegeben.
Einsendeschluss ist der 28.11.09.