Richtig gute und altmodische Thriller suchte man in der letzten Zeit leider vergebens. Meist werden aktuelle Machwerke noch mit müden Actioneinlagen und hanebüchenen Storywendungen verhunzt. Altmeister Roman Polanski, welche die Postproduktion wegen eines dreißig Jahre alten Haftbefehls von der Schweiz dirigieren musste, sah dies wohl ähnlich und entschloss sich einen Suspense Thriller in bester Hitchcock Tradition zu drehen. Ob Polanski es mit Hitchcock aufnehmen kann?
Originaltitel: The Ghost-Writer
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Evan McGregor, Pierce Brosnan, Robert Harris, Olivia Williams, Kim Catrall
Laufzeit: 128
FSK: 12
Ton: dts-HD 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2009
Erschienen: 16.09.2010
Vertrieb: Kinowelt/Arthaus
Preis: 22€
Film:
Ein Ghostwriter (Ewan McGregor) riecht die Chance seines Lebens. Er soll die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) vollenden. Was anfangs ziemlich lukrativ klingt, entpuppt sich aber schnell als Alptraum. Nicht nur, dass das Werk innerhalb von vier Wochen fertig sein soll, nein, er erfährt auch noch während seiner Arbeiten, dass sein Vorgänger unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Zudem wird Lang von einem früheren Weggefährten an einigen Kriegsverbrechen beschuldigt. Er soll Terrorverdächtige an die USA ausgeliefert haben, obwohl er genau wusste, dass sie dort einer Folter unterzogen werden. Aber auch privat scheint es einige Probleme zu geben, da Lang offenbar eine Affäre mit seiner Assistentin Amelia (Kim Catrall) hat. Seiner Frau (Olivia Williams) gefällt dies weniger und kommentiert die entsprechenden Situationen mit Seitenhieben. Der Ghost fängt nun an selber zu recherchieren und stößt dabei auf einige Ungereimtheiten und wird dabei immer weiter in die Affäre reingezogen …

Der Sumpf aus Halbwahrheiten, Intrigen und miesen Machenschaften wird zunehmend tiefer, was vor allen an den undurchsichtigen Charakteren liegt. Ex Premier Lang (ziemlich eindeutig an den echten englischen Ex Premier Tony Blair angelehnt) scheint einerseits charmant zu sein, doch kann sein Charakter auch schnell ins cholerische abdriften. Noch undurchsichtiger ist seine Gattin, welche zugleich als wichtigste politische Beraterin fungierte. Aufgrund der offensichtlichen Affäre ihres Mannes mit seiner Assistentin, wird ihre Rolle allerdings noch nebulöser und sie wechselt zudem ihre Laune Minutenweise gegenüber den anderen Protagonisten. Zuletzt sein noch Tom Wilkison erwähnt, welcher als alter Studienkollege mit der Zeit immer mehr preis gibt.
„Der Ghostwriter“ ist ein Film, wo man vor allem auf die Mimik und Gestik der einzelnen Charaktere achten muss, damit man nicht hilflos dreinschaut. Auch hat Polanski ein Gespür für feinsinnige Dialoge, in denen wichtige Details stecken. Auch er schafft es, die stetig wechselnden Beziehungen der einzelnen Charaktere immer Glaubwürdig erscheinen zu lassen. Überhaupt kommt „Der Ghostwriter“ nie effekthascherisch daher und verzichtet auf moderne Actioneinlagen oder unglaubwürdige Wendungen. Ebenfalls ein Genuss ist der Look des Filmes. Das Bild ist düster, aber elegant und wird durch gekonnte Nachtszenen und viel Regen ergänzt, was der pessimistischen Stimmung sehr gut tut. Die Kameraarbeit tut ihr übriges und zitiert mehr als einmal den Meister des Suspense … Hitchcock. Ohne die perfekte Atmosphäre, wäre der Film nur halb so genial! Gedreht wurde übrigens weitestgehend in Deutschland in den Babelsberg Studios, sowie auf Sylt und Usedom, welche als Ersatz für die US Insel Martha\'s Vineyard herhalten mussten. Dazu gesellt sich noch ein sehr stimmungsvoller Score.
Das einzige, was man „Der Ghostwriter“ ankreiden könnte ist, dass der politische Hintergrund nur Mittel zum Zweck ist und sonst keinerlei Bedeutung zukommt.

Bild:
Dafür, dass der Film fast nur in dunklen und düsteren Settings spielt, gibt sich das Bild sehr gut. Das Bild wirkt dank gutem Kontrast und natürlichen Farben dem Thema entsprechend sehr realistisch. Auch die Schärfe kann mit vielen Details aufwarten, egal ob bei totalen und bei Nahaufnahmen.
Ton:
Erwartungsgemäß hält sich die Beschallung bei solch einem Film sehr zurück. Der Film kommt somit stark frontlastig daher und räumliche Effekte gibt es nur bei musikalischer Untermalung. Die Basswiedergabe hält sich auch vornehm zurück. Die Dialoge sind alle klar zu verstehen.
Bonus:
Als Extras gibt es neben Interviews mit Evan McGregor, Pierce Brosnan, Robert Harris, Olivia Williams, sowie Roman Polanski noch Features über die Pressekonferenz zur Berlinale zwei Trailer (Deutsch, Englisch), TV-Spots und eine Fotogalerie „Am Set“. Abgerundet wird alles durch die beiden Features „Der Ghostwriter: Die Besetzung“ und „Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität“. Beide sind mit ca. 11 Minuten leider recht kurz geraden. Alles in allem ganz OK, mehr aber auch nicht, da man nicht besonders viel wissenswertes erfährt.

FAZIT:
„Der Ghostwriter“ überzeugt trotz seiner ruhigen Erzählweise mit einem hervorragenden Spannungsbogen, der in einen gekonnten Twist übergeht. Die 128 Minuten verfliegen wie im Fluge, da man förmlich in das Geschehen mit hineingezogen wird. Grund dafür ist auch die wunderbare Atmosphäre des Filmes, welche durch eine tolle Kameraarbeit, düstere Settings, sowie fabelhaft spielender Darsteller geschaffen wird. Polanksi demonstriert hier sein ganzes handwerkliches Können. Wer auf intelligente und altmodische Thriller steht, der kommt an „The Ghost Writer“ nicht vorbei. Anschauen!
Bild – 9/10
Ton – 7,5/10
Bonus - 5/10
Film – 9/10
[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Kinowelt/Arthaus zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]