Spiel mir das Lied vom Tod

18. June 2011

Spiel mir das Lied vom Tod

Mit der „Dollar“-Trilogie machte Sergio Leone den Italowestern berühmt und mit dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ schließlich unsterblich! Dieses Meisterwerk findet nun endlich seinen Weg auf Blu-ray.

Originaltitel: C\'era una volta il West
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards
Laufzeit: 164
FSK: 16
Ton: dts-HD 5.1 (Englisch), DD 2.0 Mono (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Audiokommentar)
Untertitel: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch
Regionalcode: B
Bildformat: 2,35:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 1968
Erschienen: 09.06.2011
Vertrieb: Paramount Pictures
Preis: 17€


Film:
Erzählt wird das Ende des Wilden Westen und der Anfang der Industrialisierung, welche durch das kommen der Eisenbahn eingeleitet wird. In diesem Umschwung versuchen vier Hauptfiguren ihren Platz zu finden. Da wäre zum einen der eiskalte Frank (Henry Fonda), der sich bereits dem neuen Zeitalter angepasst zu haben scheint und nur auf Profit und eigenen Vorteil hinarbeitet. Ihm Gegenüber steht Harmonika (Charles Bronson), der nur noch von seiner eigenen Rache angetrieben wird und selbst seinen Namen abgelegt hat. Fragt ihn Frank danach, so zählt er nur die Namen von Franks Opfer auf. Der alten Zeit entsprechend ist Cheyenne (Jason Robards). Ein Bandit und Streuner, doch auch ein Mann mit Ehre, dessen Zeit aber genauso zu Ende gehen wird, wie auch die Zeit des Wilden Westens. Als einzig weibliche Hauptfigur versucht Jill (Claudia Cardinale) das Beste aus Ihrer Situation zu machen, nachdem Frank ihren Mann und dessen Kinder kaltblütig ermordet hat. Dabei wandelt die ehemalige Hure gekonnt zwischen Verletzlichkeit und Härte.

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Eingeleitet wird das Epos durch eine der wohl besten Szenen der Filmgeschichte. Drei Männer finden sich auf einen Bahnsteig ein und bringen sich stumm in Position. Minutenlang hört man nur den Wind und das Knarzen der Bretter, bis die Stille durch ein dampfendes Eisenschwein jäh zerrissen wird. Ein Mann steigt aus und fragt nach einem Frank und einem Pferd. Als Antwort erhält er nur, dass man nur drei Pferde habe, worauf der unbekannte trocken antwortet, dass man zwei Pferde zuviel mitbrachte.

Nach der Einleitung wird klar, was einem hier erwartet. Lange und ruhige Kameraeinstellungen und wenig Dialoge. Letztere braucht man aber auch nicht, da die Gesichter in den vielen Close Ups für sich sprechen. Und die zerklüfteten und dreckigen Gesichter haben viel zu erzählen. Leone packte eine ungehörige Intensität in jede der Szenen, welche bis zum Exzess zelebriert werden. Dazu gibt es noch traumhafte und vor allem staubige Weitwinkelaufnahmen der Prärie. Unterstützt wird die grandiose Kameraarbeit durch einen ebenfalls grandiosen Score von Ennio Morricone. Dieser schrieb neben dem Hauptthema auch den vier Hauptfiguren einen denkwürdigen und eingängigen Score auf den Leib.

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Klar, die eigentliche Geschichte wäre in locker 90 Minuten abgehakt, doch gerade dieses Ausufernde macht diesen Film so hervorragend. Fast jede Szene ist denkwürdig und selbst über 40 Jahre später noch in den Köpfen. Angefangen von der Eröffnungsszene, über Franks Kommentar „Soll ich einem Mann vertrauen, der einen Gürtel trägt und dazu noch Hosenträger, einem Mann der nicht mal seid eigenen Hose vertraut?“ bis hin zur Szene, wo Harmonika die Mundharmonika bekommt inklusive dem letzten Duell.

Schauspielerisch ist vor allem Henry Fonda hervorzuheben, welcher hier gegen sein früheres Saubermannimage ankämpft. Seine strahlend blauen Augen sind stechend und passen zum skrupellosen Auftreten. Selten strahlte jemand eine solch böse Aura aus. Sein Gegenspieler Bronson bleibt den ganzen Film über ein Mysterium und spielt den geheimnisvollen Fremden dank gekonnter Mimik hervorragend. Etwas Witz bringt Robards als Cheyenne mit und lockert die Szenen dabei immer wieder mit seiner trockenen Art auf. Auf der anderen Seite nimmt man ihm seine Müdigkeit ab und er scheint zu Wissen, dass es vorbei geht. Abschließend gibt es noch die bezaubernde Cardinale, welche immer etwas undurchsichtig bleibt.

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Bild:
Auf Standbildern scheint sich nicht allzu viel getan haben, doch auf dem großen Screen und in Bewegung macht die Blu-ray eine sehr gute Figur. Die Farben sind etwas natürlicher als auf der DVD und das weiße Leuchten um die Darsteller ist verschwunden. Während die Close Ups nur leicht an Schärfe zugelegt haben, wird die zugewonnene Schärfe bei Weitwinkelaufnahmen doch deutlicher. Aufgrund des Alters und des Ausgangsmaterials kann man letztendlich sehr zufrieden mit dem Release sein. Verschmutzungen sucht man ebenfalls fast vergeblich. Das Filmkorn ist OK, nie störend und passt auch zum Setting.

Ton:
Zu hören bekommt man hier einen 2.0 Monomix, welcher erwartungsgemäß keine Bäume ausreist. Dynamik und Räumlichkeit kann man also keine erwarten. Dennoch ist der Mix recht gut und die Filmmusik kommt gut rüber. Die Dialoge sind ebenfalls klar verständlich. Alles in allen keine Referenz aber auch nichts zum meckern.

Bonus:
Bis auf den Trailer ist das komplette Bonusmaterial in SD Auflösung, aber durchaus sehr sehenswert. Der Audiokommentar wurde aus diversen Quellen zusammengestückelt und es kommen hier u.a. John Carpenter, John Milius, Alex Cox, Sir Christopher Frayling, Dr. Sheldon Hall (die letzten beiden sind Filmhistoriker) und natürlich auch die Besetzung und Crew zu Wort. Des Weiteren gibt es drei Features („Eine Oper der Gewalt“, „Der Lohn der Sünde“ und „Die Verbindung mit dem Tod“) über die Entstehung des Filmes, welche zusammen über eine Stunde gehen. Abgerundet wird alles durch einen Vergleich der Drehorte von damals mit heute, sowie eine historische Doku über die Eisenbahn und die Eroberung des Westen sowie einer Galerie.

Der Film liegt übrigens in zwei Versionen auf der Disc. Einmal in der Kinoversion und einmal in einer restaurierten Fassung. Beide Fassungen sind inhaltlich völlig identisch und selbst technisch konnte man keine gravierenden Unterschiede feststellen. Warum man es nicht bei der restaurierten Fassung belassen hat, ist etwas unverständlich. Das Release kommt zudem mit einem Wendecover daher. Falls jemanden die normale Blu-ray nicht reicht, kann den Film auch in einem Steelbook oder einer Holzbox erstehen. In der Holzbox befindet sich noch ein Booklet (das gleiche wie im DVD Digipack nur mit einem anderen Layout), ein graviertes Zippe, Postkarten und eine recycelte Mundharmonika (welche ebenfalls schon in der DVD Holzbox zu finden war).

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FAZIT:
„Spiel mir das Lied vom Tod“ ist zweifelsohne eine der besten Western schlechthin! Die Inszenierung eines Westerns erreicht hier seinen absoluten Höhepunkt und wird von einem Erinnerungswürdigen Score bekleidet. Die Charaktere sind zudem bis ins Detail ausgearbeitet und die Geschichte wird monumental erzählt. Dieser Film ist Kunst und wurde würdig auf Blu-ray gebannt. Kaufen!

Bild – 7,5/10
Ton – 7/10
Bonus - 6/10
Film – 10/10


[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Paramount Pictures zur Verfügung gestellt]

[Review verfasst von Shagy]