Filme mit religiösen Hintergrund haben es recht schwer, vor allem, wenn es um Satire geht. Prominentestes Beispiel ist hier wohl „Das Leben des Brain“, welches das Christentum aufgreift. Ähnlich schwer hatte es nun „Four Lions“, welcher dank des kontroversen Themas rund um den Dschihad erst ein Jahr nach Start in Großbritannien hierzulande anlief. Nun erscheint der Film auf Blu-ray.
Originaltitel: Four Lions
Regie: Christopher Morris
Darsteller: Nigel Lindsay, Adeel Akthar, Kayvan Novak, Alex Macqueen, Preeya Kalidas, Chris Wilson, Craig Parkinson, Riz Ahmed
Laufzeit: 102
FSK: 16
Ton: dts-HD 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
Regionalcode: B
Bildformat: 1,78:1
TV-Norm: 1080p
Produktion: 2010
Erschienen: 30.09.2011
Vertrieb: Capelight Pictures
Preis: 15€
Film:
Omar und seine Frau haben sich ganz dem westlichen Lebensstil angepasst. Beide tragen westliche Kleidung und seine Frau besitzt Rechte und muss nicht wie die Frau seines Bruders im Wandschrank hocken. Dennoch hat er einen Wunsch. Er will Selbstmordattentäter werden. Er will sich in der Geschichte verewigen. Dies ist das typische Schläferszenario, wo normal erscheinende Menschen plötzlich ohne nachvollziehbaren Grund Amok laufen. Um seinen Traum ein Stückchen näher zu kommen, geht er mit seinem Kumpel Waj ins Trainingslager für Terroristen. Da Waj aber keine Leuchte ist, kommt es im Lager zu einem explosiven Zwischenfall, worauf beide wieder nach Hause geschickt werden. Da sie die Schmach aber für sich behalten wollen, erzählen sie daheim ihren Terrorkollegen (dem zum Islam konvertierten Briten Barry, dem minderbemittelten Fessal und dem Mitläufer Hassan), dass sie auserwählt wurden. Jetzt muss nur noch das passende Ziel gefunden werden …

Das ganze hat relativ wenig Story und der Film kommt eher episodenhaft daher. Anfangs sieht man die vier recht stümperhaft agieren. Sei es beim Dreh einer Terrorbotschaft, dem beschaffen von Sprengstoff oder dem bereits angesprochenen Unfall im Terrorlager. So werden bis auf Omar alle als Deppen dargestellt. Da werden aufgrund von Verfolgungswahn SIM-Karten geschluckt, Raben als fliegende Bomber ausgebildet oder wild kopfschüttelnd durch die Gegend gelaufen, damit man nicht von den Kameras erfasst werden kann. Dennoch fügt sich alles am Ende durch mehrere Zufälle zusammen und wird auch ernster, wenngleich immer wieder sarkastische Töne auftauchen. Das Lachen bleibt einem allerdings dann oft im Halse stecken.
Als Gegenpol zum westlichen Leben von Omar fungiert sein Bruder, welcher streng religiös lebt und sogleich eher als vermeintlicher Bombenleger dingfest gemacht wird. Er passt eben viel besser zum westlichen Bild eines Terroristen. Auch anderweitig wird viel mit den Vorurteilen und Ängsten der westlichen Bevölkerung gespielt. Dies wird besonders am Ende deutlich, wenn der Film das Geschehene aus den Perspektiven zeigt, welche man stetig im TV zu sehen bekommt.

Bild:
Wirklich scharf ist das Bild nicht, wirkt teils sehr weich und es existiert ein stetiges Filmrauschen, welches in dunklen Szenen schon störend daher kommt. Alles in allem also eher Durchschnitt, aber auch ausreichend für einen solchen Film.
Ton:
Viel gibt es hierzu nicht zu sagen. Alle Dialoge sind klar verständlich und direktionale Effekte gibt es recht selten und wenn, kommen diese eher zaghaft daher.
Bonus:
Die Extras bestehen fast ausschließlich aus Interviews, wobei diese nicht nur mit dem Cast geführt wurden. So gibt es z.B. ein interessantes Interview mit Mo Ali, welcher selbst unter Terrorverdacht stand. Auch gibt es eine kleine Reportage über Moslems in der Kleinstadt Nelson, welche über das Zusammenleben mit den Einheimischen berichtet. Des Weiteren ersetzt ein kurzes „Hinter den Kulissen“ Feature das Making Of. Abgerundet wird alles durch einige entfallene Szenen, sowie dem Trailer (natürlich gibt es auch Eigenwerbung) und dem sehr lustigen Kurzfilm „My wrongs“. Löblich ist zudem noch das Wendecover.

FAZIT:
Wie viel letztendlich von einem echten Terroristen übrig bleibt, ist schwer zu sagen. Die Akteure verhalten sich einfach zu stümperhaft und dämlich, als das sie eine echte Gefahr wären. Dies empfinde ich aber als einzigen Kritikpunkt des Filmes. Der Rest ist gekonnt pointierte Satire mit viel Kritik an beiden Kulturen.
Bild – 6/10
Ton – 7/10
Bonus - 6/10
Film – 8/10
[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Capelight zur Verfügung gestellt]
[Review verfasst von Shagy]