Spider-Man 2 - Kinoreview

25. July 2004

Spider-Man 2 - Kinoreview

Vor 2 Jahren hat Sam Raimi gezeigt, wie man eine gute Comicverfilmung auf die Leinwand bringt. Spider-Man hielt sich sehr nahe am Comic und vermischte gekonnt Charakter- mit Popcornkino. Nun ist der zweite Teil da, aber leider bleibt ein kleiner fader Beigeschmack. Aber der Reihe nach...

Als Einleitung bekommt man schöne Zeichnungen zu sehen, die den Erstling Revue passieren lassen. Es sind mittlerweile 2 Jahre ins Land gezogen und Peter Parker (Tobey Maguire) kämpft neben dem Studium immer noch als Spider-Man gegen das Böse. Während Peter im Vorgänger lernte mit den Kräften umzugehen, muss er nun lernen alles unter einen Hut zu bekommen. Dabei wird er so beansprucht, dass sein Kontakt zu M.J. (Kirsten Dunst), die Karriere am Theater und als Werbemodel macht, fast zum erliegen kommt. Auch seine Freundschaft zu Harry Osborn (James Franco), der Sohn des Bösewichtes Grüner Goblin aus Teil 1, leidet sehr darunter. Zum einen weil er ihm M.J. „weggenommen“ hat, zum anderen weil Harry immer noch einen großen Hass gegen Spider-Man hegt und Peter ihm nichts über sich verrät. Schulisch und Job mäßig hat Peter ebenfalls so seine Probleme und als ihn auch noch seine Spinnenkräfte unkontrolliert verlassen, hat er genug vom Heldendarsein. Er „kündigt“ und fasst den Entschluss, endlich ein normales Leben zu führen. Sam Raimi erzählt die Geschichte von Peter logisch weiter und zeigt das Peter auch nur ein ganz normaler Jungendlicher ist. So passiert es auch schon mal, dass beim Waschen seiner Kleidung die Farbe von seinem Spinnenkostüm auf die andere Wäsche abfärbt.

Als Gegenspieler fungiert diesmal einer der beliebtesten Spidey Bösewichte, Doc Ock (Alfred Molina). Dr. Otto Octavius ist ein genialer und guter Wissenschaftler, doch bei einem tragischen Unfall in seinem Labor passiert etwas schreckliches. Nicht nur das seine geliebte Frau (Donna Murphy) stirbt, nein, so verschmilzt sein Rückenmark auch noch mit 4 Metallgreifarmen, die von nun an teilweise die Kontrolle über ihn übernehmen. Mhh... irgendwie kommt das alles sehr bekannt vor, denn auch im Vorgänger hatte es Spidey mit einem schizophrenen Wissenschaftler zu tun. Leider kommt die tragische Geschichte über den eigentlich sehr gutmütigen Dr. Otto Octavius sehr kurz rüber und zwischenzeitlich verkommt er zu einem austauschbaren Allerweltsbösewicht. Nur am Ende kommt der innerliche Schmerz, an dem Doc Ock leidet, wieder zur Geltung. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Raimi wie bei Peter mehr auf den Charakter eingeht.

Die schauspielerischen Leistungen sind auch im zweiten Teil wieder hervorragend. Tobey Maguire spielt den Loser Peter Parker super. Manchmal wird das einem zwar zu deutlich auf´s Auge gedrückt, aber es entstehen dadurch auch viele lustige Szenen. Die beste ist die, wo Spidey im Fahrstuhl mitfährt und sich mit einem Mann über das zwickende Kostüm unterhält... zum brüllen. Kirsten Dunst spielt auch überzeugend und Alfred Molina als Doc Ock kommt zwar wegen dem Script nicht an Bösewichtvorgänger Willem Dafoe ran, überzeugt jedoch dennoch. Der heimliche Star des Films ist aber, wie schon in Teil 1, J. K. Simmons als J. J. Jameson. Ihm wird mehr Platz eingeräumt als noch im Vorgänger. Er ist absolut trocken und jeder Satz von ihm ist ein Brüller! Ebenfalls wieder mit von der Partie sind Bruce Campbell als Türsteher, Stan Lee (wenn auch nur einen Bruchteil) und Sam Raimis Bruder Ted Raimi. Den Schauspielern in nichts nach steht auch die Musik von Danny Elfman, die wieder voll überzeugen kann.

Nicht vollends überzeugen können dagegen wieder die CGI-Effekte. Die sind zwar besser als noch in Teil 1, jedoch wirken sie hier auch wieder viel zu gekünstelt. Vor allem der Kampf auf einem fahrenden Zug ist etwas lächerlich, wenn auch sehr spektakulär. Am Ende die Polizeihubschrauber wirken ebenfalls arg peinlich und passen überhaupt nicht ins Bild. Im Film gibt es natürlich auch wieder einige schöne Gags, die einem nicht sofort auffallen, dem Kenner aber ein Schmunzeln über die Lippen bringen lässt. So spielt eine Straßenmusikantin das Ur-Theme von Spider-Man oder bei der Namenssuche von Dr. Otto Octavius fällt der Name Dr. Strange, worauf J. J. Jameson trocken antwortet: „Denn gibt es schon.“ Erwähnen sollte man auch noch die neuen Figuren, die in Teil 2 zum Zug kommen und viel Raum für Spekulationen auf Teil 3 geben. So wird Peters einarmiger Prof. Dr. Conner eingeführt oder J. J. Jamesons Sohn und Astronaut John Jameson, der im Comic auf dem Mond (das er dort war wird im Film erwähnt) einen geheimnisvollen Stein findet, der ihm unglaubliche Kräfte verleiht (Manwolf). Im ersten Film wurde auch schon Eddie Brock vorgestellt, welcher durch einen Parasiten (den John Jameson vom All mitbringt) zu Venom wird. Auch Harry Osborn könnte im dritten Teil eine größere Rolle zugeschrieben werden. Tja... viel Raum zum spekulieren.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass Spider-Man 2 den Erstling gekonnt und logisch weiterführt. Allerdings schaffte es Raimi nicht mit Innovationen zu glänzen und inszenierte vom Aufbau her Teil 2 ähnlich wie Teil 1. Auch das Doc Ock zu kurz kommt und sich nicht wirklich entwickeln kann, fand ich schade. Dennoch, Spider-Man 2 macht mächtig Spaß und die Gratwandlung zwischen Charakterfilm und Popcornkino funktioniert wieder einwandfrei.

9/10

[Review verfasst von Shagy]