Was braucht man, um das Actiongenre zu revolutionieren? Einen bekannten Actionhelden? Michael Bay? 200 Millionen Dollar? Nein! Es reicht schon eine Go-Pro, mickrige 2 Millionen Dollar und eine neue Sicht auf die Dinge. Willkommen bei “Hardcore”!
Originaltitel: Hardcore Henry
Regie: Ilya Naishuller
Darsteller: Sharlto Copley, Haley Bennett, Danila Kozlovsky, Cyrus Arnold, Will Stewart
Laufzeit: 96
FSK: 18
Ton: dts-HD Master Audio 5.1 (Deutsch), Dolby Atmos (Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Regionalcode: B
Bildformat: 1,85:1 (1080p)
Produktion: 2015
Erschienen: 09.09.2016
Vertrieb: Capelight
Preis: 15€
Film:
Unser Protagonist heißt Henry (im Film schlüpfen 13 Darsteller/Stuntleuten in die Rolle) und wird wieder zum Leben erweckt, mehr Cyborg als Mensch. Was dann folgt ist eine turbulente Jagd mit furiosen Action-Szenen. Das klingt jetzt nicht sonderlich spannend, wäre da nicht der Umstand, dass der ganze Film in der Ego-Perspektive gedreht wurde. Man erlebt das Geschehen also immer aus der Sicht von Henry und genau das macht den Reiz des Films aus. Denn wenn man von einer Brücke stürzt, oder 10 Typen im Nahkampf die Fresse poliert, ist das aus der Ich-Perspektive nun mal viel intensiver.

Da ich nicht zu viel verraten möchte, halte ich mich kurz: Die Story könnte glatt aus einem Videospiel stammen. Sie ist nicht sonderlich anspruchsvoll oder komplex, strotzt vor Klischees, verrichtet aber ihren Zweck und verbindet die einzelnen Szenen zu etwas Ganzem. Es gibt sogar einen Endgegner! Und Kampfbabes mit Katanas und Titten! Also alles dabei, was man sich (als Mann) so wünscht. Natürlich wird im Film nicht zimperlich vorgegangen, da tut es schon mal beim Zuschauen weh, wenn Henry einem Gegner den Brustkorb öffnet, oder mit der Kneifzange, an der Nase wohlgemerkt, als menschliches Schutzschild missbraucht. Aber „Hardcore“ ist kein Splatterfilm! Und er nimmt sich auch nicht allzu Ernst – es gibt immer wieder witzige Momente, die das Geschehen auflockern. Trotzdem kracht es ab der Hälfte fasst permanent und mir fiel nach dem Ende spontan eine Umschreibung für dieses Erlebnis ein: Gewaltporno!
Natürlich gibt es auch ein paar Sachen, die Abzüge in der B-Note rechtfertigen: Der Film besitzt nicht das höchste Budget und das sieht man auch an einigen Stellen. Die Musik hätte kohäsiver sein können und manch Schauspieler muss das Schauspielern auch noch lernen! Dafür verdienen aber Kameraführung und die Stuntleute meinen vollen Respekt! Krass, was die da demonstrieren bzw. zeigen! Da geht's mittels Parcour durch halb Moskau und die durch wenig Schnitte realisierte Action in einem Abbruchhaus ist reichlich spektakulär.
Noch eine kleine Anmerkung! In den meisten Action-Filmen haben Magazine von Schusswaffen immer hunderte Schuss Munition. Deshalb habe ich bei „Hardcore“ mal drauf geachtet, wie und ob Herny auch mal die Waffen wechselt bzw. nachlädt und wow – der schnappt sich immer wieder neue Waffen (Pistole, Shotgun, Messer, Sturmgewehr) – also ein bisschen realistisch ist der Spaß dann doch noch und man kann ihn definitiv nicht als schnöde Videospielverfilmung ohne Vorlage abtun.

Bild:
Der Film wurde fast ausschließlich mit Go-Pros realisiert, was natürlich der Bildqualität nicht zuträglich ist und “Hardcore” nicht mit der optischen Brillanz moderner Filmkameras mithalten kann. Dennoch ist das Bild ausreichend scharf (wobei feine Texturen absaufen) und trotz der schnellen Schwenks kommt es zu wenigen Bildfehlern. Auch die Farben leiden unter der Kameratechnik und wirken nie peppig und kommen eher gesättigt daher. Auch der Schwarzwert ist relativ schlecht.
Ton:
Ganz anders als beim Bild verhält es sich beim Ton. Dieser tritt ordentlich Ärsche und der Mix kann fast durchgängig überzeugen! So ist man nicht nur dank der Ego-Perspektive mitten drin statt nur dabei. Der deutsche dts-HD Master Audio 5.1 Mix ist differenziert und der Bass lässt ordentlich Knochen brechen. Wer des englischen mächtig ist und über ein Dolby Atmos System verfügt, kommt sicher noch mehr auf seine Kosten.
Bonus:
Der Film bietet sich förmlich für tolle Behind the scenes an und kommt dem Wissensdurst hinter dem Projekt auch nach. Man erfährt hier in sechs Features so einiges über die Kameratechnik und die Probleme, welche das Team lösen musste. Zudem gibt es noch drei Musikvideos der Band Biting Elbows, je zwei Teaser und Trailer, zwei ausführliche Audiokommetare, einen Fan-Chat, sowie vier gelöschte Szenen. Wer noch mehr Goodies möchte, kann zudem zu einem Mediabook mit 48-seitigem Comic und Soundtrack CD greifen.

FAZIT:
Unterm Strich kann ich „Hardcore“ deshalb jedem Fan von kurzweiligen Action-Spektakeln, wo man nicht mitdenken muss, bedenkenlos empfehlen. Mit einer Spielzeit von 90 Minuten strapaziert „Hardcore“ auch nicht die Geduld des Zuschauers, sondern endet fulminant (und ich sage euch, wahrlich fulminant), bevor es langweilig werden könnte. Deshalb gibt’s von mir beide Daumen nach oben! Geiler Scheiss!
Shagy meint:
Ich kann mich Kollege .ram nur anschließen. Ich sah dank Kinoflatrate “Hardcore” zwei Mal im Kino und nun auch auf Blu-ray im den heimischen vier Wänden. Und selbst beim dritten Mal geht der Film ordentlich durch die Decke und macht noch immer richtig Spaß! Die Action ist abwechslungsreich, schnell und heftig und lässt einem nur wenig Zeit zum Durchatmen. Hinzu kommt ein toller Soundtrack (schon allein das Intro mit diversen Tötungsarten mit einem Popsong zu unterlegen hat was), welcher das Adrenalin noch weiter in die Höhe schnellen lässt. Für mich ist “Hardcore” bereits jetzt ein Kultstreifen, den jeder Actionfan gesehen haben sollte! Leider hat die schnelle Action aber auch seine Nachteile und einigen könnte aufgrund der Ego-Ansicht schnell mal schlecht werden.
Bild - 6/10
Ton - 8/10
Bonus - 8/10
Film – 9/10


[Diese Blu-ray wurde uns freundlicherweise von Capelight zur Verfügung gestellt]