Was haben Casshern und die Hollywood Produktion mit Angelina Jolie Sky Captain and the World of Tomorrow gemeinsam? Beide Filme sind komplett am PC entstanden und die Darsteller wurden erst nachhaltig eingefügt. Während es bei Sky Captain eher zurückhaltende, realistische visuells gibt, so bekommt ihr bei Casshern den vollen Overkill und Epilepsiegefährdete haben es schwer.
Originaltitel: Casshern
Regie: Kiriya Kazuaki
Darsteller: Yusuke Iseya, Kumiko Asou, Akira Terao, Kanako Hiquchi, Fumiyo Kohinata, Hiroyuki Miyasako
Laufzeit: 140
FSK: 16
Sprachen: Japanisch
Untertitel: Englisch, Japanisch
Ton: DTS 6.1-ES discrete/5.1 EX (Audiokommentar DD 2.0 Surround)
Regionalcode: 2
Bildformat: 2,35:1 (Anamorph / 16:9)
TV-Norm: NTSC
Produktion: 2004
Vertrieb: Shochiku Home Video
Preis: 40
Story:
Alle sind gleich, egal ob Mensch oder Mutant. Alle lieben, hassen und lassen sich von Gefühlen leiten, irritieren. Das ist der eigentliche Kern des Films und die Message. Eingebetet wird das ganze in eine postapokalyptische Zukunft wie man sie aus japanischen Anime zuhauf kennt. Nach einem langen Krieg zwischen Asien und Europa entsteht eine neue Weltordnung und der Staat Eurasia. Man braucht nicht zu erwähnen das die Menschheit sich nicht nur selber, sondern auch die Umwelt vernichtet hat und alles verseucht wurde. Somit entstehen nach dem Krieg neue Probleme wie Krankheiten und Missbildungen, welche die Regierung mit Hilfe von Prof. Kotaro Azuma (Akira Terao) in den Griff bekommen will. Er hat es nämlich durch sogenannte Neo-Zellen geschafft, Mutationen und Krankheiten zu bekämpfen und sogar die Erneuerung von Gliedmaßen wird nun möglich. Während die Regierung aber letztendlich nicht wirklich an die Forschungen glaub, bekommt er keine Gelder mehr zugesprochen. Doch wie es so ist, interessiert sich das Militär brennend dafür und somit kann er seine Arbeit fortsetzen.
Der Krieg ist zwar vorbei, doch es herrschen immer noch Unruhen in diversen Gebieten und der Sohn Tetsuya (Yusuke Iseya) von Prof. Azuma meldet sich freiwillig zum Krieg, da er nicht als Feigling abgestempelt werden will. Tja, hätte er sich lieber feige in die Ecke gestellt denn nach einem Jahr erreicht den Prof., seine Frau Midori und der Zukünftigen von Tetsuya, Luna (Kumiko Aso), eine traurige Nachricht. Tetsuya ist im Krieg gefallen und als wäre das nicht schlimm genug, gibt es auch noch einen Unfall im Labor. Durch einen Blitz verändern sich die durch Neo-Zellen getunten Körperteile und bilden sich zu neuen Menschen, die sich selber neumodisch Neo-Sapiens nennen. Diese entführen kurzerhand noch Midori und wollen die Menschheit vernichten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Held. Da man sonst niemanden zur Hand hat, nimmt sich der Prof. einfach seinen toten Sohn und badet ihn, in mit Neo-Zellen angereicherten Wasser. Dadurch erwacht er nicht nur zu neuem Leben, sondern ist auch gleich stärker geworden...man will ja ebenbürtig zu den Mutaten sein. Und als würde das nicht ausreichen bekommt er noch einen feschen Anzug spendiert.
Soviel zur Story, wo man gleich bemerkt das es sich nur um eine Anime Adaption (das Original stammt aus den Siebzigern) handeln kann. Alles wirkt zwar ziemlich an den Haaren herbeigezogen und der Plot ist auch etwas löchrig geraten, denn so finden die Neo-Sapiens halt ganz zufällig in den Bergen eine alte Burg wo tausende von Robotern kampfbereit stehen. Dies störte mich jedoch nur am Rande und man sieht gerne drüber hinweg. Was mich schon eher störte waren die teilweise etwas billigen CGI. So sehen zwar die ganzen Filter und Effekte richtig geil aus, doch die Bauten und Fahrzeuge hat man schon besser gesehen und so wirken auch teilweise die Darsteller etwas fremd im Geschehen. Ansonsten gibt es hier nur positives zu berichten. Die Szenen sprühen nur so von Style und sind allesamt fett in Szene gesetzt, aber teilweise verliert sich auch der Film darin. Man merkt das der Regisseur vorher nur Videoclips gedreht hat. So gibt es s/w Filter mit starkem rauschen, Weichzeichner, Farbübersättigung, Überbelichtung, Zeichnerisch aufgewertete Szenen ähnlich der Zeichentrickverfilmung von Herr der Ringe, verwackelte Kamera, Blureffekte, abgefahrene Perspektiven und was man sich sonst noch so vorstellt. Und das alles wechselt im Sekundentakt. Hier wird echt gnadenlos aus den vollen geschöpft. Der Film ist aber trotz des Effektgewitters nichts für Freunde von Action-/Popcornkino, da es hier im allgemeinen sehr ruhig zugeht und den Charakteren und deren Entwicklung viel Platz eingeräumt wird. Wenn es aber dann mal kracht, dann ordentlich und der Kampf der Neo-Sapiens Tussi mit Casshern ist einfach nur FETT inszeniert und die Kinnlade fällt immer tiefer.
Das Setting an sich gefiel mir mit einer Mischung aus 40ziger Jahre Stil und Zukunftsstil ebenfalls ganz gut, doch auch hier wurde etwas übertrieben und das Japaner ein Faible fürs deutsche haben wird leider wieder zu deutlich. So findet man etliche Symbole aus der dunklen Zeit Deutschlands in abgefremdeter Form wieder und die Soldaten hatten wohl den gleichen Designer wie die damalige Wehrmacht. So was muss nicht sein und die Symbolik ging mir u.a. bei Equilibrium schon gegen den Strich. Etwas weniger, wäre hier mehr gewesen...gilt auch etwas für die Story. Diese fängt sehr vielversprechend an, lässt aber zum Ende hin etwas nach und wirkt teilweise (wie die Wendung) aufgesetzt, nur um noch die Kurve zu bekommen für die (dennoch gute) Message am Ende. Wie schon gesagt, ist die Charakterentwicklung sehr ausufernd und das gilt nicht nur für die Hauptcharas. So bekommt jeder Darsteller seinen Platz und die Subplots Ufern für manch einen vielleicht zu weit aus. Mich störte es nicht, da für mich kein Charakter überflüssig war. So sind halt Anime/Manga im generellen so ausufernd, weshalb ich diese auch so mag. Vielleicht gibt es für alle anderen ja eine Hoffnung auf ein deutsches Release, welches wohl für den Massenmark angepasst aka geschnitten wird (aktuelle Beispiele Ong-Bak oder Shaolin Soccer, welche ziemlich in der Story gekürzt wurden). Das Label I-On sicherte sich schon die Rechte an Casshern.
Unter den Darstellern gibt es keinen richtigen Ausfall zu verzeichnen, doch auch hier wurde mir etwas zuviel übertrieben und überzeichnet. Auf der einen Seite schreit Testuya groß Ich will nicht wieder zum Leben erweckt werden! und als er auf einmal am Leben ist, scheint sein innerlicher Konflikt auf einmal nebensächlich und vergessen. Alles andere wie Liebe, Hass, Rache, Hoffnung oder Trauer nahm ich den Darstellern jedoch meist ab. Das einzige wo es nichts zu meckern gibt, ist der Soundtrack. So gibt es eine fast durchgängige musikalische Begleitung wo in den ruhigen Szenen meist auf das Piano (teilweise mit Vocals) zurückgegriffen wurde. Bei den Actionszenen gibt es dann krachigen Metal/Rock der wunderbar zu dem gesehenen passt. Nett fand ich auch die kleine Hommage an das Original. So sieht man ein paar mal im Film den originalen Helm von Casshern.
Bild:
Wie von japanischen DVDs gewohnt ist das Bild perfekt. Und bei einem Film wie Casshern sollte das auch so sein, da sonst die Effekte nicht rüberkommen würden. Dort wo das Bild scharf sein soll, ist es dies auch und dort wo die Farben kräftig sein sollen, sind diese auch kräftig.
Ton:
Einfach nur Bombast! Alles dröhnt klar aus den Boxen und lässt keinen Platz für Kritik. Von allen Seiten wird man in Actionszenen bedient und in ruhigen Szenen sind die Geräusche ebenfalls super abgemischt.
Bonus:
Die Verpackung ist sehr edel ausgefallen. Der Pappschuber glänzt metallisch und in diesem befinden sich drei kleine Digipacks. Auf der ersten Scheibe befindet sich der Film, während auf der zweiten ein Making Of mit über 2h vorhanden ist. Außerdem befinden sich noch einige Trailer, TV Spots und Interviews auf der Scheibe. Auf der dritten gibt es dann die geballte Ladung Artworks. Hier gibt es alles aus allen Seiten zu sehen was im Film vorkommt. Um ehrlich zu sein, wäre mir ein richtiges Artbook aber lieber gewesen. Das Making Of und die Interviews sind mal wieder nicht untertitelt, aber das ist ja nichts neues. Über eine Soundtrack CD hätte ich mich ebenfalls gefreut.

FAZIT:
Letztendlich bleibt zu sagen, das Casshern ziemlich zwiespältig ist. Am ehesten sieht man ihn einfach als Anime mit realen Darstellern, welcher einfach nur einen optischen Overkill bietet. Als Offenbarung in storytechnischer Hinsicht ist der Film leider nicht das geworden was ich mir erhofft habe, aber immer noch überdurchschnittlich und nebenbei artet er nicht in Pseudo-Geschwafel wie *ich-habe-die-ultimative-message-zu-verbreiten* a la Matrix aus, wo manche alles reindeuten wollen. Casshern ist Ästhetik pur und jedem Anime Fan wärmstens ans Herz gelegt, Fans des westlichen Kinos werden den Film jedoch nicht verstehen und als schwachsinnige abtun. Letztendlich hab ich zwischen 7 und 8 geschwankt...also einfach ne 7.5 gegeben.
Bild - 10/10
Ton - 10/10
Bonus - 7/10
Film - 7,5/10
.ram`s Kommentar
Schon lange habe ich keinen so schlechten Film mehr gesehen. Casshern ist schlicht und einfach absoluter filmischer Müll. Warum? Ganz einfach, weil dieser zwei Stunden dauernde Langweiler absolut kein Konzept, noch eine halbwegs glaubhafte Geschichte aufweisen kann. Von Charakteren mit Persönlichkeit oder Tiefgründigkeit ganz zu schweigen. Stattdessen fährt der Film eine Optik auf, die am ehesten mit modernen Musikvideos zu vergleichen ist. Grell, Bunt, schnell geschnitten und ohne jeglichen Inhalt. Glaubt mir, ich bereue zutiefst, so viele Minuten meines kostbaren Lebens an ein solches Machwerk verschwendet zu haben. Tut euch einen Gefallen und meidet diese als Film getarnte Grausamkeit und schaut euch lieber einen gehaltlosen, dafür halbwegs glaubwürdigen Hollywood Film an. Ich habe euch gewarnt
[Review verfasst von Shagy]